Bloß keine „Kühlschrankatmosphäre”: Tipps für Autofahrten bei Hitze

Von: Johanna Uchtmann, dpa
Letzte Aktualisierung:
auto / hitze / sonne
Auf bis zu 90 Grad kann sich ein schwarzes Lenkrad in der Sonne aufheizen. Damit der Wagen nicht zur Sauna wird, sollten Autofahrer Schatten schaffen, zum Beispiel mit einem Alu-Sonnenschutz für die Frontscheibe. Foto: dpa

München. Kaum scheint draußen die Sonne, da schaffen einige Fahrer im Auto „Kühlschrankatmosphäre”. So beschreibt Thomas Achelis das typische Verhalten einiger Sommerurlauber auf der Autobahn - sie lassen die Klimaanlage die ganze Zeit voll aufgedreht.

Das sei aber ein Fehler, warnt der Sprecher des Automobilclubs Kraftfahrer-Schutz (KS) in München. Wenn es richtig heiß draußen ist, ist die Klimaanlage zwar eine praktische Sache. Aber man darf es mit der Abkühlung nicht übertreiben. Denn beim Aussteigen aus dem kühlen Wagen kann der Kreislauf schlappmachen, wenn einen draußen plötzlich die Hitze trifft. „Da kann es sogar zum Kollaps kommen”, sagt Maximilian Maurer vom ADAC.

Aber auch die harmlosere Folge, eine Erkältung, ist ärgerlich genug. Um sie zu vermeiden, empfiehlt Maurer: „Die Differenz zwischen innen und außen sollte nicht größer als sechs Grad sein.” Der Wagen verbraucht außerdem mehr Kraftstoff, wenn die Kühlung voll aufgedreht ist. Sie ganz abzuschalten, ist aber auch nicht ratsam: Denn sie kühle nicht nur, sondern trockne zusätzlich die Luft, erklärt Achelis. „Ist die Luft trockener, ist das Klima sofort angenehmer, auch wenn die Temperatur vielleicht gar nicht gesunken ist.”

Steht der Wagen länger in der Sonne, heizt er sich schnell auf. Dann wird es im Inneren schnell deutlich heißer als draußen. In diesem Fall gelten laut Maurer andere Regeln: Dann dürfe die Klimaanlage ruhig in den ersten Fahrminuten auf höherer Stufe laufen. Außerdem sei es hilfreich, sie auf Umluft zu stellen. Dann kühlt sie die bereits gekühlte Luft im Innenraum immer wieder neu. Nach ein paar hundert Metern sollte das Gerät aber wieder normal arbeiten, weil sonst keine frische Luft in den Innenraum strömt. Wer keine Klimaanlage hat, sollte ein Fenster vorne und ein Fenster hinten einen Spalt öffnen. Beim Fahren entstehe so ein angenehmer Durchzug.

Am besten kommt die Hitze aber gar nicht erst ins Auto. Deshalb sollten die Scheiben des Wagens abgedeckt sein, während er parkt: „Schatten produzieren”, nennt Maurer das. „Die Fensterflächen sind heute sehr groß”, erläutert er. Durch die einfallende Sonne könnten Lenkrad, Armaturen und Sitze leicht 80 bis 90 Grad heiß werden.

Ein bisschen Rücksicht sollten Fahrer im Sommer auch auf die Technik des Autos nehmen, sagt der ADAC-Experte. Das gilt vor allem, wenn zur Hitze auch noch Steigung und viel Gepäck kommen. Dann fehlt der Fahrtwind, und der Motor kann schnell heiß werden. „Wenn der Motor in so einem Fall kurzfristig zu warm wird und die Warnleuchte angeht, sollte man rechts ran fahren”, rät Maurer. Im Stehen bleibt der Motor am besten noch etwa eine Minute im Leerlauf an, damit das Kühlwasser weiterläuft. Ist allerdings ein geplatzter Kühlwasserschlauch die Ursache für den heiß gelaufenen Motor, müsse der Wagen sofort ausgeschaltet werden.

Wenn keine Riesentour geplant ist, tanken Fahrer den Wagen Achelis zufolge besser nicht randvoll auf. Der Kraftstoff werde in der Tankstelle unterirdisch gelagert und sei entsprechend kalt, wenn er ins Auto fließt. Liegt die Temperatur dort viel höher, dehne sich die Flüssigkeit stärker als normal aus, und der Tank könne überlaufen. „Das kann dann durch den Tankdeckel rausgehen”, sagt Achelis. Einerseits sei die Entzündungsgefahr hoch, andererseits könnten Lack und Dichtungen Schaden nehmen.

Wer aus Angst vor einem steigenden Reifendruck vorsorglich Luft aus den Reifen lässt, sobald es wärmer wird, macht aber einen Fehler. Denn dann sei zu wenig Luft im Reifen, sobald es abends kühler wird, warnt Maurer. „Und zu wenig Luft ist viel schlimmer als zu viel.”

Bei Fahrten im Cabrio muss der Kopf vor der Sonne geschützt werden. „Auch wenn es nicht wahnsinnig schön aussieht”, sagt Achelis. Sonst könnte sogar eine Hirnhautentzündung drohen. Viel trinken ist der Ratschlag Nummer eins für schwitzende Autofahrer. „Das sollte dann aber nicht etwas Quietschesüßes sein”, sagt Burkhard Rieke vom Deutschen Fachverband Reisemedizin. Die Flasche ist am besten aus Plastik, ergänzt Maurer. Glasflaschen könnten bei einer Vollbremsung zu gefährlichen Geschossen werden. Neben ausreichend Wasser sollten Fahrer ihrem Körper im Sommer auch Salz zurückgeben, rät Rieke. „Also ruhig mal zwischendurch ein Brötchen mit Schinken essen.”

Der Ruf nach „Quietschesüßem” ertönt am ehesten aus dem Kindersitz. Damit die Kleinen überhaupt etwas trinken, sollten Eltern ihnen Getränke mit ein bisschen Süße nicht ganz verbieten. „Denn Kinder haben einen viel wackeligeren Wasserhaushalt”, sagt Rieke. Je kleiner ein Kind ist, umso stärker seien die Auswirkungen des Schwitzens. Für Kinder sei auch ihr spezieller Sitz eine zusätzliche Belastung, die Eltern nicht haben. Der sei meistens aus Styropor, das eine isolierende Wirkung hat. Der oft aus Kunststoff gefertigte Bezug macht das Schwitzen im Kindersitz besonders unangenehm. Maurer empfiehlt daher, bei hohen Temperaturen ein Handtuch in den Sitz zu legen. Auf den Sitz zu verzichten, sei dagegen keine Option. „Da hilft kein Quengeln, da müssen sie durch.”

Auch regelmäßige Pausen sind während einer Autofahrt im Sommer wichtig. Um sich von der Hitze im Wagen zu erholen, sollten Fahrer aber nicht gerade auf einem Berg halten, wo es schnell allzu frisch auf dem Rastplatz wird. „Man hat ja geschwitzt für die Temperatur im Auto und nicht für die oben an irgendeinem Gebirgsbach”, warnt Rieke. Und bevor sich Fahrer auf dem Weg in den Urlaub am Ende noch eine Erkältung einfangen, ist ein wenig Schwitzen wohl das kleinere Übel.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert