Auch Bremsen brauchen Pflege

Von: amv
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Um Korrosion vorzubeugen, empfiehlt der TÜV Süd-Fachmann in regelmäßigen Abständen stärkere Bremsmanöver vorzunehmen. Foto: Colourbox

München. Gas geben ist nicht die Kunst. Die hohe Schule des Autofahrens zeigt sich beim Bremsen. Rennfahrer treiben diese Fertigkeit auf die Spitze, um in Kurven möglichst wenig Tempo zu verlieren und rasch wieder zu beschleunigen.

„Im Alltag ist solches Geschick nicht gefragt“, schmunzelt Patrick Pöppl von TÜV Süd in München, „aber ein bisschen Wissen um Funktion und Technik ist auch im automobilen Alltag sicher nützlich.“ Damit das Bremssystem beispielsweise immer prompt anspricht und zuverlässig funktioniert, braucht es Pflege.

„Grundsätzlich sollte die Bremsflüssigkeit nach Herstellervorgabe ausgetauscht werden“, legt der TÜV Süd-Fachmann Autobesitzern ans Herz. Dieser Wechsel ist wichtig, weil Bremsflüssigkeit hygroskopisch - wasseranziehend - ist. „Wasser besitzt einen wesentlich geringeren Siedepunkt als die Bremsflüssigkeit“, erläutert Pöppl den Hintergrund. Entsprechend nimmt der Siedepunkt mit zunehmender Wasseraufnahme ab.

Bei hohen Temperaturen im Bremssystem, die etwa bei Pass-Abfahrten oder im Stop-and-go-Verkehr vorkommen, bilden sich dann Dampfblasen, die den Bremsdruck nicht mehr weiterleiten können. „Die Bremse ist in diesem Moment außer Funktion, der Fahrer tritt förmlich ins Leere“, warnt der TÜV Süd-Fachmann. Autobesitzer, die ihr Fahrzeug turnusgemäß in die Inspektion geben, brauchen sich allerdings dazu keine Gedanken zu machen.

Wer sich außerhalb der Wartungsintervalle nicht sicher ist, ob alles ordnungsgemäß funktioniert, kann beispielsweise eine Werkstatt ansteuern, wo Experten einen intensiven Blick auf die Bremsen werfen und deren Wirkung auf dem Prüfstand testen.

Bei der Prüfung und Wartung des Fahrzeugs nehmen Fachleute zunächst den Zustand sowie Abrieb von Belägen und Bremsscheiben, beziehungsweise Bremstrommel in Augenschein, denn bei Verschleißerscheinungen lässt die Bremskraft merklich nach - mit allen Konsequenzen für die Sicherheit. Zudem wird bei den Kontrollarbeiten die Freigängigkeit der Bremszylinder geprüft.

Eine mangelnde Funktion dieser Teile kann schwerwiegende Funktionsstörungen nach sich ziehen. Ein Test auf dem Bremsenprüfstand bringt schließlich Klarheit, ob die Technik beim abrupten Abbremsen aus hohen Geschwindigkeiten ohne Probleme arbeitet und die Bremse nicht möglicherweise einseitig zieht.

Zu einem fachmännischen Bremsencheck gehört überdies, das System auf Korrosionsbildung und Undichtigkeiten zu prüfen. Schläuche werden im Laufe der Zeit porös. Beulen und Risse sind die Folge. Bremsleitungen sind ebenfalls nicht vor Rostfraß gefeit. Abschließend werden bei einer professionellen Bremsenprüfung mit einem speziellen Gerät die elektronischen Assistenzsysteme wie ABS und ESP auf etwaige Fehlermeldungen im Fehlerspeicher kontrolliert.


Zu Eigeninitiative rät der TÜV Süd-Experte beim Thema Flugrost: „Geringfügige Korrosion an den Bremsscheiben ist im Auto-Alltag völlig normal und nicht unbedingt sicherheitsrelevant, da der Rostansatz regelmäßig wieder weggebremst wird.“ Das gilt vornehmlich für die vorderen Bremsscheiben. Haben sich allerdings bereits sogenannte Rostpickel oder Rostnarben gebildet, sollte man eine Werkstatt aufsuchen.

Um Korrosion vorzubeugen, empfiehlt der TÜV Süd-Fachmann in regelmäßigen Abständen stärkere Bremsmanöver vorzunehmen: „Aber achten Sie darauf, dass kein anderer Verkehrsteilnehmer bei ihrem Manöver gefährdet wird.“ Selbsthilfe ist auch nach dem Besuch einer Waschanlage angesagt. Pöppl empfiehlt: „Betätigen sie nach der Ausfahrt die Bremsen sachte, so wird die Feuchtigkeit von den Scheiben vertrieben.“


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