Alltagstaugliches E-Mobil „Nissan Leaf”: Bei der Bedienung muss man sich ein bisschen umgewöhnen

Von: Sabine Neumann, dapd
Letzte Aktualisierung:
Nissan Leaf
Noch immer gibt es viele Fragezeichen zum Thema Elektrofahrzeug. Die fehlende Infrastruktur steht ebenso zur Diskussion wie die Reichweite oder der Werkstattservice. Dem Mangel an Modellvielfalt begegnet Nissan indessen jetzt mit der Einfuehrung des Leaf auf dem deutschen Markt. Antworten auf alle Fragen kann zwar auch dieses E-Auto nicht liefern. Doch zumindest ist es mit vier Sitzen und reichhaltiger Ausstattung absolut alltagstauglich. Foto. dapd

Brühl. Noch immer gibt es viele Fragezeichen zum Thema Elektrofahrzeug. Die fehlende Infrastruktur steht ebenso zur Diskussion wie die Reichweite oder der Werkstattservice. Dem Mangel an Modellvielfalt begegnet Nissan indessen jetzt mit der Einführung des Leaf auf dem deutschen Markt.

Antworten auf alle Fragen kann zwar auch dieses E-Auto nicht liefern. Doch zumindest ist es mit vier Sitzen und reichhaltiger Ausstattung absolut alltagstauglich.

Ein klarer Frühjahrsmorgen mit acht Grad Außentemperatur. Der 4,45 Meter lange, 1,77 Meter breite und 1,55 Meter hohe Leaf hat die ganze Nacht draußen gestanden. Es ist frisch im großzügig geschnittenen und ansprechend gestalteten Innenraum. Vier Personen haben keinen Grund, sich beengt zu fühlen.

Selbst für das Gepäck stehen 330 Liter (maximal 680 Liter) Kofferraum-Volumen zur Verfügung. Das genügt auf alle Fälle für den Wocheneinkauf für die Familie. Der Stauraum wird auch nicht durch das Batteriepack eingeschränkt. Es befindet sich mit seinen 48 Lithium-Ionen-Modulen im Unterboden des Fahrzeugs.

Warnung mit dem Pfiff

In jedem dieser Module sind vier Batteriezellen untergebracht, die in der Summe den umgerechnet 109 PS starken Elektromotor antreiben. Für bis zu 175 Kilometer Fahrstrecke soll laut Nissan die Leistung des Aggregats genügen.

An diesem kühlen Morgen zeigt die Reichweitenanzeige im modern gezeichneten Instrumententräger 122 Kilometer an. Laut Studien ist das mehr als genug für 80 Prozent der Autofahrer, um zur Arbeit zu kommen beziehungsweise um die Aufgaben als Kinder-Taxi wahrzunehmen. Schaltet man allerdings die Klimaanlage an, um es etwas gemütlicher, sprich wärmer an Bord zu haben, dann reduziert sich die Reichweite mit diesem Knopfdruck sofort um gut 30 Kilometer.

Nachdem der an eine Computer-Maus erinnernde Fahrtrichtungshebel auf „D” oder „Eco” gestellt ist, kann die Fahrt beginnen. Wie von einem Elektrofahrzeug erwartet, rollt man nahezu geräuschlos dahin. Bis Tempo 30 sorgt einzig ein künstlich erzeugtes Pfeifen dafür, die Passanten zu warnen.

Für einen positiven Fahreindruck sorgt zudem die präzise arbeitende Lenkung. Das Fahrwerk ist tendenziell eher komfortabel, aber nicht zu weich abgestimmt. Mit einem Drehmoment von 280 Newtonmetern, die artentypisch vom Start an zur Verfügung stehen, zeigt sich der Leaf erfreulich durchzugsstark. Die Beschleunigung findet zwar bei 145 Stundenkilometern ihr Ende. Doch selbst auf der Autobahn schwimmt man mit dieser Geschwindigkeit munter im Verkehr mit.

Mehrere Möglichkeiten für die Wiederaufladung

Allzu häufig sollte man den Motor allerdings nicht an seine Leistungsgrenze bringen, denn dann schmelzen die verbleibenden Kilometer wie Vanilleeis in der Sonne. Besser ist es, gleichmäßig und vorausschauend dahinzurollen. Bei jedem Meter ohne Berührung des Gaspedals oder bei sanftem Bremsen fließt wieder Strom in die Batterie zurück (Rekuperation).

Das Ergebnis: Selbst nach fast 30 Kilometern Fahrt ist die verbleibende Reichweite fast auf dem gleichen Niveau wie am Anfang. Auch, weil die Klimaanlage nach der ersten leichten Erwärmung des Passagierabteils wieder abgeschaltet wurde.

Mehrere Möglichkeiten bieten sich für die Aufladung der Batterie an: entweder an der Hausladestation - die Zusatzkosten für deren Installation betragen etwa 1.300 Euro - in acht Stunden oder per Schnellladung und bei 50 Kilowatt Gleichstrom an einer öffentlichen Ladeeinheit.

In knapp 30 Minuten soll die Batterie dann wieder zu 80 Prozent voll sein. „Das mitgelieferte Kabel eignet sich nur eingeschränkt für ein permanentes Aufladen an einer herkömmlichen Steckdose”, warnt der Nissan-Experte für Elektromobilität, Florian Wunsch. Sie sei weder für acht Stunden Volllast noch für das Gewicht des Steckers ausgelegt.

Für alle elektrischen Komponenten legt Nissan hingegen seine Hand ins Feuer und gibt neben der dreijährigen Fahrzeuggarantie darauf eine Gewährleistung von fünf Jahren. Mindestens ebenso erfreulich ist das umfangreiche Ausstattungspaket, das der Leaf ab Werk mitbekommt. Sechs Airbags, ABS und ESP gehören ebenso dazu wie ein Navigationssystem mit Touchscreen, Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfern, Klimaautomatik mit Zeitsteuerung oder die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.

Als Extras stehen nur ein Winterpaket (Sitzheizung vorne und hinten sowie Lenkradheizung / 330 Euro) sowie eine in den Dachkantenspoiler integrierte Solarzelle (300 Euro) zur Wahl. Hierzulande wird der Leaf ab 36.990 Euro angeboten. Ein stolzer Preis. Dennoch - und trotz aller offenen Fragen - haben sich mittlerweile weltweit 24.000 Kunden für den kompakten Viersitzer entschieden.
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