Zum 30. Mal stellt Deutschland die Uhren zurück

Von: ddp
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Winterzeit
Eine Extra-Stunde Schlaf: Am letzten Sonntag im Oktober beginnt die Winterzeit. Deutschland dreht die Uhren um drei Uhr eine Stunde zurück. Foto: dpa

Düsseldorf. Alle Jahre wieder: Die Sommerzeit endet an diesem Sonntag in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Um 3.00 Uhr wird die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Wer will, kann eine Stunde länger schlafen. Seit der Einführung der mitteleuropäischen Sommerzeit 1980 ist es die 30. Zeitumstellung.

Ursprünglich sollte mit der Zeitumstellung erreicht werden, dass das Tageslicht besser genutzt und Energie gespart wird. Die Überlegung war insbesondere eine Nachwirkung aus der Zeit der Ölkrise 1973. Ein weiterer Grund war zudem die Anpassung an Nachbarländer.

Nach Meinung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin bringt die Zeitumstellung keine spürbare Energie- Einsparung. Abends wird nach Angaben des BDEW zwar weniger Strom für Licht benötigt, dafür wird morgens mehr geheizt.

Durch das andere Freizeitverhalten an den hellen Sommerabenden könne sogar mehr Energie verbraucht werden, heißt es. Laut BDEW liegt der Anteil des Lichts am Stromverbrauch der Haushalte bei durchschnittlich acht Prozent. Das macht zwei Prozent am gesamten Energieverbrauch aus. Durch Energie-Sparlampen würden die geringen Lichtspareffekte weiter sinken.

Seit 2001 ist die Zeitumstellung für Europa verbindlich festgelegt. In allen EU-Mitgliedstaaten beginnt die Sommerzeit jeweils am letzten Sonntag im März und endet am letzten Sonntag im Oktober. Die nächste Sommerzeit beginnt am 28. März 2010.

Uhrumstellung: Streit um Zeit und Licht

Zweimal im Jahr wird in Deutschland die Zeit umgestellt - wie in weltweit mehr als 60 Ländern. Seit 1996 stellen alle EU-Staaten die Uhren jeweils am letzten Sonntag im März eine Stunde vor auf die Sommerzeit (MESZ) und am letzten Oktober-Sonntag wieder zurück (MEZ). In Deutschland sendet die von der Physikalisch- Technischen Bundesanstalt in Braunschweig programmierte Atomuhr das Signal dafür über den Sender Mainflingen bei Frankfurt.

Die im Zeitgesetz der Bundesrepublik gültige Regel wurde unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 im Jahr 1980 eingeführt - zeitgleich mit der DDR. Damals hoffte man auf eine Energieeinsparung durch die bessere Ausnutzung des Tageslichts. Nach Erkenntnissen des Bundesumweltamtes spart man zwar während der Sommerzeit abends elektrisches Licht, allerdings werde dafür morgens mehr geheizt. So steige der Energieverbrauch insgesamt sogar an. Auch nutzen mehr Menschen die Helligkeit am Abend zu Auto-Ausflügen. Ergebnis: höherer Benzinverbrauch statt Einsparung von knappem Öl.

So alt wie die Zeitumstellung ist die Kritik daran. Einige Menschen klagen über einen „Mini-Jetlag” mit schlechtem Schlaf, Konzentrationsschwächen oder sogar Schwankungen der Herzfrequenz. Weil die innere Uhr den Körper noch nicht komplett geweckt hat, soll es sogar mehr Autounfälle geben. Die anfängliche Kritik aus der Landwirtschaft ist verstummt. Zwar müssen Melker früher aufstehen, aber der erwartete Rückgang bei der Milchproduktion blieb aus. Die Kühe bekommen für die Umstellung einfach ein paar Tage Zeit.

Probleme mit der Zeit hat die Bahn: Um den Fahrplan trotz Umstellung auf die Normalzeit einzuhalten, bleiben Züge in der Nacht zum letzten Oktober-Sonntag in der Regel um 2.00 Uhr MESZ für 60 Minuten auf dem nächsten Bahnhof stehen, bis es um 2.00 Uhr MEZ weitergeht. Bei der Umstellungsnacht im März fahren pünktliche Züge dagegen einer unaufholbaren „Verspätung” von 60 Minuten hinterher - mit allen negativen Folgen beim Umsteigen in Anschlusszüge, die nach Sommerzeit starten.

Noch im Jahr 2007 forderten „Dr. Guido Westerwelle und Fraktion” im Deutschen Bundestag „Bürokratie abbauen - Zeitumstellung abschaffen und Sommerzeit permanent einführen”. Der FDP-Antrag fand keine Mehrheit. Es wird weiter regelmäßig an der Uhr gedreht.
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