Zocken ohne Ende: Das „Monopoly”-Spiel wird 75

Von: Ulrike von Leszczynski, dpa
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Monopoly, Brettspiel
Zocken ohne Ende: Seit 75 Jahren lockt das Brettspiel "Monopoly" alle, die ihre besten Freunde lustvoll in den Ruin treiben wollen. Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

Berlin. Haltlose Spekulation, fieser Immobilienpoker und fragwürdige Kredite: Wer dabei nur an die jüngste Finanzkrise denkt, liegt falsch. Seit 75 Jahren lockt das Brettspiel „Monopoly” alle, die ihre besten Freunde lustvoll in den Ruin treiben wollen.

Für einen neuen „Monopoly”-Rekord muss ein passionierter Spieler heute mehr riskieren als Spielgeld. Eine 99-Stunden-Partie in der Badewanne ist schon registriert, 200 Stunden Balanceakt auf dem Schwebebalken sind abgehakt. Vor 75 Jahren kam das Taktik- und Glücksspiel wenige Jahre nach der Weltwirtschaftskrise in den USA auf den Markt und trat einen Siegeszug um die Welt an. Heute ist es in 111 Ländern und 43 Sprachen zu bekommen.

Einen einzigen Geburtstag gibt es für „Monopoly” allerdings nicht: Der Patent-Antrag wurde Ende August 1935 eingereicht und das Patent für das Spielbrett schließlich am 31. Dezember des Jahres erteilt.

In Deutschland gehört „Monopoly” nach „Mensch ärgere dich nicht” noch immer zu den bekanntesten Brettspielen. Das Jubiläum feiert der Verlag an diesem Mittwoch auf dem Berliner Alexanderplatz. 75 Minuten lang können Spieler dann die neueste Ausgabe mit rundem Spielbrett mit „Monopoly”-Spielgeld bezahlen.

Es gibt nur zwei Staaten auf der Welt, die bis heute einen antimonopolistischen Schutzwall errichtet haben: Nordkorea und Kuba. Vertrieb und Verkauf des Spiels seien dort immer noch offiziell verboten, heißt es beim Hasbro-Verlag in den USA, der heute die Rechte an „Monopoly” besitzt. Andere Bastionen des Antikapitalismus sind umgefallen wie Dominosteine. Glasnost und Perestroika brachten das Spiel 1988 in die Sowjetunion und kurze Zeit später in andere osteuropäischen Staaten. Inzwischen gibt es auch eine China-Ausgabe.

1935 ahnte der arbeitslose US-Heizungsbauingenieur Charles Darrow noch nicht, dass sein Spiel einmal eine politische Geschichte bekommen würde. Lange fand er noch nicht einmal einen Verlag für seine Spielidee, die im Freundeskreis so gut ankam: Ein Brett mit dem stilisiertem Stadtplan des beliebten Ausflugsziels Atlantic-City südlich von New York. Mit Würfelglück und Taktik macht es Spieler zu reichen Immobilienbesitzern, mit Pech zu insolventen Opfern von Wuchermieten. Dazu kommen neben dem „Gefängnis” Spielfelder oder Ereigniskarten, die später im Deutschen zu geflügelten Worte geworden sind - etwa „Gehen Sie (nicht) über Los.”

Heute ist umstritten, ob Darrow wirklich die Ehre des Spielerfinders gebührt. Es gab Gerichtsprozesse um Vorläufer-Spiele mit ähnlichem Aufbau. Belegt ist aber, dass sich Darrow Ende 1935 sein Spiel mit dem klangvollen Namen patentieren ließ und die Rechte an der Parker-Verlag verkaufte. In den Monaten zuvor hatte er rund 5000 selbst gebastelte Versionen an Spielzeugläden verkauft.

Der spielerische Schacher um Mieten, Macht und Moneten traf damals sofort den Nerv der Zeit. „Monopoly” machte Darrow zum echten Millionär, den Parker-Verlag rettete es vor der Ruin - und das in einem Krisenjahr. Der Zusammenhang ist wohl immer noch aktuell. Ende 2009 stellten deutsche Spieleverlage fest, dass die Finanzkrise die Lust am Spiel belebt. In Zeiten knapper Kassen blieben mehr Menschen zu Hause und suchten kostengünstig Zerstreuung. Die Deutschen sind aber ohnehin ein Volk von Spielern. In kaum einem Land gibt es die medienwirksame Kür eines „Spiel des Jahres”, Spielemuseen und tagelange Spielemessen.

„Monopoly” eroberte Deutschland zuerst im Jahr 1936, umgemünzt auf den Berliner Stadtplan. Nicht ohne Hintergedanken sollen Übersetzer die Insel Schwanenwerder als eines der teuersten Spekulationsobjekte eingezeichnet haben. Denn dort besaß Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels eine Villa. Die hatte er weit unter Wert von einem jüdischen Besitzer erworben, der zum Verkauf gezwungen wurde. Der verärgerte Goebbels ließ das Spiel angeblich verbieten und gab als Grund den „jüdisch-spekulativen Charakter” des Spiels an. Eine sichere Quelle dafür gibt es allerdings nicht. 1938 verschwand „Monopoly” einfach aus den Spiele-Katalogen.

Erst 1953 kam das Spiel in der Bundesrepublik wieder in den Handel, in der DDR blieb es verboten. Doch in Westdeutschland gab es schon wieder ein Problem. Wer kannte schon Innenstadt-Straßen der jungen Hauptstadt Bonn mit merkwürdigen Namen wie Mauspfad? Wie lange würde das Provisorium Bonn Hauptstadt bleiben? Die deutsche Edition erhielt deshalb als einzige Länder-Ausgabe nicht die Straßennamen ihrer Hauptstadt, sondern Fantasiebegriffe wie Schlossallee.

Mathematiker hat „Monopoly” zu Wahrscheinlichkeitsrechnungen über die beste Taktik beflügelt. Psychologen versichern, es käme auch aufs Würfelglück an. Ihre Fähigkeiten testen Spieler heute bei „Monopoly”- Weltmeisterschaften. Sein Langzeit-Überleben hat das Spiel aber sicher auch seiner Anpassungsfähigkeit zu verdanken. Von Städte- Editionen über Ausgaben zu Star Wars bis zu Fußball-Spielbrettern für Bayern-München-Fans ist fast alles zu haben. Vielleicht sollten die Verlage nur nicht zu sehr auf Wachstum spekulieren. Jüngst bekam sogar Buxtehude eine „Monopoly”-Ausgabe.
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