Mannheim - Zeit ist Geld: Auktionshaus ist spezialisiert auf exklusive Uhren

Zeit ist Geld: Auktionshaus ist spezialisiert auf exklusive Uhren

Von: Stephen Wolf, ddp
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Mannheim. Die Wirtschaftskrise kann dem Mannheimer Auktionshaus Dr. H. Crott nichts anhaben. Dort hat man sich auf teure Uhren spezialisiert. „Mit dem Sammeln von Uhren verhält es sich so ähnlich wie mit Kunst. Natürlich gibt es Schwankungen, aber alles in allem ist der Markt recht stabil”, sagt Geschäftsführer Stefan Muser.

Das auf edle Zeitmesser spezialisierte Auktionshaus versendet Standuhren, Taschen- oder Armbanduhren aus dem vergangenen Jahrhundert rund um den Globus. Für manche Exemplare zahlen Sammler Tausende von Euro, manchmal sogar Millionen. „Es gibt zahlreiche Sammler, aber auch Investoren, die Uhren als Wertanlage betrachten„, berichtet Crott.

Die meisten der teuren Sammlerstücke lagern in den Schließfächern einer Bank. Zwei bis drei Auktionen bietet das Unternehmen im Jahr an. Etwa 5000 Kataloge zu je zwei Kilogramm werden pro Auktion an die Kunden versendet. Die Gebote werden per Fax, Telefon oder direkt bei den Versteigerungen abgegeben. Diese finden in einem Frankfurter Hotel statt. So können Sammler, etwa aus Übersee, direkt den Frankfurter Flughafen für die An- und Abreise nutzen. „50 Prozent unserer Kunden kommen aus dem Ausland. Die meisten mittlerweile aus China und Taiwan”, berichtet Muser.

Seit den 1970er Jahren bereits ist das Unternehmen auf hochwertige Uhren spezialisiert. Noch heute firmiert das Haus mit derzeit zehn Mitarbeitern unter dem Namen des Unternehmensgründers Crott. Der 46 Jahre alte Betriebswirt Muser leitet es seit 1993. Nach seinen Angaben gehören die Baden-Württemberger heute gemeinsam mit den Uhren-Abteilungen der renommierten Auktionshäuser Christies, Sothebys und Antiquorum zu den internationalen Spitzenanbietern sogenannter Vintage-Uhren.

Dass sich der Kauf eines Exemplars lohnen kann, legt Muser anhand eines Beispiels dar: So habe er vor wenigen Tagen erfahren, dass Einbrecher eine Armbanduhr der Edelmarke Patek Philippe von einem Kunden gestohlen haben. ”Als der Besitzer die Uhr vor etwa 20 Jahren ersteigerte, zahlte er 36.000 Mark. Heute ist das Exemplar etwa 150.000 Euro wert„, berichtet Muser. Dass die kleinen technischen Kunstwerke daher gerade in ökonomisch unsicheren Zeiten als solide Wertanlage gelten, sei daher kein Wunder.

Anette Rissmann von der Allianz-Versicherung berichtet, dass seit Mitte des Jahrzehnts immer mehr Kunden ihre Uhren versichern lassen. ”Das zeigt auch, dass die Kunden eine Wertanlage absichern wollen.„ Der Trend in den deutschen Haushalten habe sich verändert. Während früher bevorzugt Orient-Teppiche und Schmuck weit oben auf der Liste privater Wertanlagen gestanden haben, seien mittlerweile Lifestyle-Gegenstände, wie eben die Uhr, beliebt.

Doch nicht jedes der ausgewählten Stücke wird mit Sicherheit in einigen Jahren einen hohen Preis erzielen. Viele Faktoren von der Auflagenzahl bis hin zum Material gilt es zu beachten. ”Wenn jemand keine Ahnung von Uhren hat, dann kann er genau so wie auch mit Aktien auf die Nase fallen„, warnt Muser, der die Uhren-Sammelleidenschaft von seinem Vater geerbt hat.

Vor allem die Männer fühlten sich von der Mischung aus raffinierter Mechanik, Ästhetik und Statussymbol angezogen. Aufgrund der steigenden Beliebtheit der Accessoires und verbesserter technischer Möglichkeiten steigt die Zahl der detailliert nachgebauten Fälschungen. Nicht alles, was in den schweren Tresoren des Auktionshauses Dr. H. Crott lagert, wird verkauft. Die Expertise des auf Vintage-Uhren spezialisierten Unternehmens in Mannheim wird auch von der Kriminalpolizei geschätzt.

”In einem der Tresore lagern Dutzende Uhren-Fälschungen, die ich für die Kripo einer rheinland-pfälzischen Stadt begutachten soll„, sagt Muser. ”Ihre Maschinen sind besser als früher, manchmal sind die Originale von den Fälschungen kaum noch zu unterscheiden.„

Um den Eindruck wirklich einst getragener Uhren zu vermitteln, ließen Fälscher, die vor allem in Thailand, Vietnam und China sitzen, sogar absichtlich die Uhrwerke leicht oxidieren. ”Auch deshalb sollte jeder, der viel Geld in eine Uhr investieren will, unbedingt einen Experten zurate ziehen„, sagt Muser.
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