Brüssel - Wie Herbert Reul die Sommerzeit besiegen will

Wie Herbert Reul die Sommerzeit besiegen will

Von: Detlef Drewes
Letzte Aktualisierung:
Sommerzeit
Die Zeit wird von zwei auf drei Uhr umgestellt: In der Nacht zum Sonntag wird die Uhr um eine Stunde auf Sommerzeit vorgestellt. Foto: dpa

Brüssel. Wenn die Sommerzeit naht, herrscht bei ihm Hochbetrieb: Unzählige Briefe und Anrufe nicht nur aus Deutschland gehen dann im Büro von Herbert Reul (56) ein, die wie er nur eines wollen: Weg mit der Zeitumstellung.

Dass der CDU-Europa-Abgeordnete aus dem rheinischen Leichlingen zum „Anführer” der Sommerzeit-Gegner geworden ist, hat seinen Grund: Seit Jahren kämpft er verbissen gegen den „Unsinn mit der Zeit” an, weil er in Brüssel als politisches Schwergewicht in Energiefragen die Thematik bestens kennt.

Acht Gesetzesvorschläge hat er seit seinem Wechsel 2004 aus der Landespolitik nach Brüssel und Straßburg eingebracht, um die Sommerzeit wieder zu Fall zu bringen, die 1980 eingeführt wurde. Mit Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat er gerungen, mit der Bundesregierung gesprochen. Sein Fazit: „Bei bisherigen den Absagen geht es weniger um eine Auflistung von Argumenten als vielmehr um Unwilligkeit, den Beschluss rückgängig zu machen.”

Reul ist kein ideologischer Missionar, er stellt Fakten zusammen, die in der Tat beeindruckend sind. Das Argument, durch die Sommerzeit werde Energie eingespart, hat Berlin bereits 2005 offiziell als falsch eingestanden. Auf eine entsprechende Anfrage mehrerer Abgeordneter gab die Bundesregierung zu, dass der Rückgang beim Stromverbrauch zu vernachlässigen sei.

Stattdessen steht fest, dass die Verschiebung von Nacht und Tag den Biorhythmus von Mensch und Tier massiv beeinflusst. So kommt es unmittelbar nach der Umstellung der Uhren zu erkennbar mehr Unfällen. Zahlreiche Studien führen dies auf das Hormon Melatonin zurück, das unseren Schlaf steuert und dessen Produktion durch die Zeitumstellung durcheinander gerät. Konzentrationsstörungen, vor allem im Verkehr, sind die Folge.

In der Woche, nachdem die Uhren umgestellt werden, schießt die Zahl der Arztbesuche in die Höhe, wobei der Anstieg mit 10,5 Prozent im Frühjahr höher ausfällt als im Herbst (8,5 Prozent). Der Konsum an Schlafmitteln nimmt schlagartig um 10,9 Prozent und von Antidepressiva um 11,11 Prozent zu.

Neben den medizinischen Folgekosten fallen bei den Betrieben jedes Jahr neu Unsummen für die aufwendige Anpassung von Fahr- und Flugplänen an: Die französische Staatsbahn SNCF rechnet mit einer zusätzlichen Belastung von 1,5 Millionen Euro für jede Umstellung der Uhr. Überzeugt hat Reul bisher bisher jedoch weder die Bundesregierung noch die EU-Kommission.
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