Berlin - Vor 90 Jahren wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet

Vor 90 Jahren wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet

Von: Wilfried Mommert und Andreas Rabenstein, dpa
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Luxemburg Liebknecht Gedenken
Stilles Gedenken, kommunistischer Gruß: In Berlin steht dieser Mann an einem Gedenkstein und gedenkt der ermordeten Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die vor 90 Jahren erschossen wurden. Foto: ddp

Berlin. Ihre Leiche wird erst mehr als vier Monate nach ihrem Tod gefunden. Sie liegt im Berliner Landwehrkanal, in den die Mörder sie am 15. Januar 1919 geworfen hatten. Heute erinnert eine Gedenktafel an den Tod von Rosa Luxemburg vor 90 Jahren.

In der Mordnacht in den Berliner Revolutionswirren nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie zusammen mit Karl Liebknecht erschossen. Beide Sozialistenführer gehörten zu den Gründern der KPD.

In der Nacht zum 6. Januar 1919 hatte ein kommunistischer Revolutionsausschuss unter Führung von Liebknecht die Regierung des Sozialdemokraten Friedrich Ebert für abgesetzt erklärt. Wenige Tage vor der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar eskalierten in der Reichshauptstadt Massendemonstrationen zum offenen Bürgerkrieg.

Bis zum 12. Januar schlugen Regierungstruppen den sogenannten Spartakusaufstand in Berlin nieder, der zahlreiche Tote und Verletzte forderte. Der SPD-Politiker und spätere Reichswehrminister Gustav Noske war als Oberbefehlshaber von dem Generalstabsoffizier Waldemar Pabst gedrängt worden, den Schießbefehl zu unterzeichnen. „Einer muss der Bluthund werden”, soll Noske gesagt haben.

Nach der Niederschlagung des Aufstandes tauchten Liebknecht und Luxemburg unter. Am 15. Januar 1919 wurden sie in einer Wohnung im Bezirk Wilmersdorf gefangengenommen. Man brachte sie in das Stabsquartier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division im damaligen Eden-Hotel nahe der Gedächtniskirche. Einen Haftbefehl gab es nicht.

Pabsts führende Rolle bei dem folgenden Mord wird in einer neu erschienenen Untersuchung (Klaus Gietinger: „Der Konterrevolutionär”, Edition Nautilus) beleuchtet. In seinen unveröffentlichten Memoiren schrieb der Offizier demnach: „Dass sie (die Exekution) durchgeführt werden musste, darüber bestand bei mir und Noske nicht der geringste Zweifel.” Ohne ausdrücklichen Befehl, aber mit Rückendeckung seiner Vorgesetzten organisierte Pabst den Mord.

Am Abend wurde Liebknecht in einem Auto weggefahren, ein Freikorps-Soldat schlug vorher noch mit dem Gewehrkolben auf ihn ein. Im Tiergarten wurde eine Panne vorgetäuscht. Offiziere und Soldaten gingen mit Liebknecht in einem dunklen Parkweg weiter und erschossen ihn schließlich von hinten. Danach wurde Luxemburg abgeführt. Beim Verlassen des Hotels schlug derselbe Soldat wie bei Liebknecht sie mit dem Kolben zusammen. Die schwer Blutende wurde ins Auto gezerrt, unterwegs erschossen und in den Kanal geworfen.

Im offiziellen Bericht der Schützen-Division heißt es am nächsten Tag, Liebknecht sei bei einem Fluchtversuch erschossen und Luxemburg von einer Volksmenge vor dem Eden-Hotel entführt und gelyncht worden. Das SPD-Organ „Vorwärts” schrieb, beide seien „Opfer ihrer eigenen blutigen Terrortaktik geworden (...) Die Niederwerfung des Spartakusaufstandes bedeutet für unser Volk, ganz besonders auch für die Arbeiterklasse, einen Akt der Rettung, den zu vollbringen wir vor der Geschichte verpflichtet waren.” Die Angst vor einer „Bolschewisierung Deutschlands” war weit verbreitet.

Die Ermordung der beiden KPD-Führer sollte sich als eine historisch folgenreiche Tat erweisen. So wird spekuliert, ob der Mord dem moskauhörigen Flügel um Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht zu jenem Übergewicht in der KPD verholfen hat, das in der Weimarer Republik den gemeinsamen Widerstand von KPD und SPD gegen den heraufziehenden Nationalsozialismus verhinderte.

Luxemburg und Liebknecht wurden auf dem Friedhof Friedrichsfelde begraben, absichtlich „weit vor den Toren der Stadt”, um die Gräber nicht zum Ziel von Kundgebungen werden zu lassen. Das von Mies van der Rohe dort errichtete Revolutionsdenkmal wurde später von den Nationalsozialisten zerstört, ebenso die beiden Särge.

In der DDR ließ die SED die Gedenkstätte 1951 neu herrichten. Alljährlich im Januar zogen beim traditionellen Gedenkmarsch Hunderttausende mit den führenden SED-Politikern an der Spitze zu der Pilgerstätte. 1988 kam es beim Aufzug zu Kundgebungen der Opposition. Viele Demonstranten, die sich mit Transparenten auf Meinungsfreiheit und Rosa Luxemburg beriefen, wurden verhaftet. Doch die westlichen Fernsehbilder stärkten die Oppositionsbewegung. Knapp zwei Jahre später fiel die Mauer.
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