Ostheim - Von wegen Osterhase: In Ostheim bringt der Storch die Eier

Von wegen Osterhase: In Ostheim bringt der Storch die Eier

Von: Angelika Röpcke, dpa
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Ostern und der Storch
Für die meisten Menschen bei uns gehört der Hase zu Ostern einfach dazu. Doch an einigen Orten ist der Hase out, der Storch füllt das Osternest. Foto: dpa

Ostheim. Hasen legen keine Eier. Kinder wissen das. Trotzdem sind es die Hasen, die an Ostern die Nester mit bunten Eiern und allerlei Gebäck füllen. In einigen Dörfern am Fuße der Rhön ist der Hase allerdings out. Hier bringt seit jeher der Storch die Eier - aber nicht seine eigenen, sondern die der Hühner.

Vor allem in Ostheim wird dieser Jahrhunderte alte Brauch gepflegt. Zwar blicken die Kinder am Gründonnerstag nicht mehr sehnsüchtig in den Himmel, um den Vogel zu entdecken. Doch das vom Storch gefüllte Osternest in der Scheune wird immer noch gesucht.

Siegfried Kelz fühlt sich dem Storch verpflichtet. In seiner Bäckerei in der Ostheimer Altstadt dreht sich in der Karwoche alles um Adebar. Spätestens um Mitternacht geht die Arbeit los. „Mehl, Zucker, Hefe, Milch und Butter - es ist ein süßer Hefeteig”, erklärt der 63 Jahre alte Bäckermeister. Wenn der Teig eine Zeit lang geruht hat, formen Kelz und seine drei Angestellten mit ihren flinken Fingern unzählige Schnäbel, Beine, Füße und Rümpfe - Hunderte Osterstörche entstehen.

„Nach dem Backen werden die mit buntem Zucker verziert”, erklärt der 63-Jährige. Die Farben sollen den christlichen Glauben symbolisieren: Die Hoffnung ist im Grün zu finden - der Storch steht auf einer Wiese. Die roten Beine und der Schnabel verdeutlichen die Liebe. Die Farbe der Reinheit ist weiß wie das Federkleid, und die gelben Flügel sollen an Ostern und die Auferstehung Christi erinnern. Die Bäckerei ist ein Familienunternehmen: „Es ist alles Handarbeit”, betont Kelz. Seit 1683 werden die fein verzierten Storch-Leckereien gebacken. „Ich wüsste keine andere Bäckerei, die das noch macht.”

Kreisheimatpfleger Reinhold Albert aus Sulzdorf berichtet, früher habe es viele Störche in der Region gegeben. „Der Storch kam um Ostern aus Afrika zurück, hat die Eier mitgebracht und den Kindern ins Nest gelegt.” Ob Adebar sich in der bayerischen Region deshalb gegen das Langohr durchgesetzt hat, weiß er zwar nicht mit letzter Gewissheit. Sicher ist jedoch: „Den Osterstorch gibt es in evangelischen Orten.” In Thüringen etwa konkurrierte der Osterhase schon immer mit dem Storch, aber auch mit dem Kuckuck. In Schleswig- Holstein und Oberbayern ist der Hahn als Eierlieferant bekannt. Im hannoverschen Raum bringt gar der Fuchs die Eier.

Bräuche wie diese haben an Ostern noch heute Konjunktur. Deutschlandweit bekannt sind die weit leuchtenden Osterfeuer in vielen Gemeinden. Auch mit bunten Plastikeiern geschmückte Brunnen zeugen von dem christlichen Fest. Der Brunnenschmuck sei vor allem in der Fränkischen Schweiz verbreitet, sagt Kreisheimatpfleger Albert. „In der Rhön ist das ein ganz neuer Brauch” - nicht älter als 20 Jahre.

Doch auch alte Bräuche geben noch immer Rätsel auf: So ist das Mysterium des eierlegenden Osterhasen bis heute nicht vollständig geklärt. Die Symbolik des Hasen geht auf Tiergötter in vorchristlichen Zeiten zurück. Später waren die Tiere Begleiter von Göttern mit menschlichem Antlitz. Der Hase war zum Beispiel auch ein Zeichen der griechischen Liebesgöttin Aphrodite und stand für Fruchtbarkeit. Der Osterhase entstand womöglich aus einer falsch gedeuteten oder arg misslungenen Darstellung des Osterlamms.

Der Glaube an den Osterhasen ist in Deutschland seit 1682 belegt. Auch beim Bundespatentamt in München ist der eierlegende Hase kein Unbekannter. 1894 wurde unter der Nummer 78395 ein Spielzeug zum Patent angemeldet - „in der Form eines eierlegenden Hahnes oder eines sonstigen Thieres, welches, wie z.B. der Osterhase, im Volksmunde durch geheimnisvolles Eierlegen bekannt geworden ist”.

Bäckermeister Kelz bleibt lieber bei seinen Störchen. Zwischen 80 Cent und etwa einem Euro kosten die Hefeteilchen, die nicht mehr Kalorien haben als anderes Gebäck. „Da kann man schon mehrere essen”, sagt der zweifache Vater. Die größeren Exemplare tragen im Federkleid übrigens ein gefärbtes Hühnerei als Zeichen der Fruchtbarkeit. Sie sollen eigentlich nur an Gründonnerstag gegessen werden. Doch wegen der riesigen Nachfrage von Einheimischen und Bewohnern der Nachbardörfer machen Kelz und seine Frau Heidrun auch mal eine Ausnahme.
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