Heinsberg/Aachen - Überwachung, Schikanen, Ärger: Kein Friede in Randerath

Überwachung, Schikanen, Ärger: Kein Friede in Randerath

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Randerath / Sexualtäter
Der in diesem Haus in Randerath lebende Sexualstraftäter Karl D. bleibt nach einem in der vergangenen Woche ergangenen Urteil des BGH weiter auf freiem Fuß. Der Anwalt des Bruders will jetzt gegen die Überwachung klagen. Foto: dpa

Heinsberg/Aachen. Die Menschen vom Fernsehen lässt Wolfram Strauch jetzt erst mal warten. Er schenkt noch einmal Kaffee nach und lehnt sich in demonstrativer Entspanntheit zurück. „Wer zu spät kommt, der kann auch warten”, sagt er und lacht sein heiseres Lachen. Strauch mag es, wenn er die Zügel in der Hand hat.

Wolfram Strauch ist Rechtsanwalt in Aachen, und dass er auch den Sonntag im Büro verbringt, war eigentlich nicht vorgesehen. Aber seit zehn Monaten hat er ein eher weniger alltägliches Mandat, und dieses Mandat erfordert eben, dass er auch mal sonntags arbeitet. In Randerath gibt es nämlich Ärger, schon wieder.

Nicht besonders kooperativ

Der Mandant heißt Helmut D. und lebt im Heinsberger Stadtteil Randerath. Helmut D. ist der Bruder des Ende Februar 2009 aus der Haft entlassenen Sexualstraftäters Karl D., der jetzt bei ihm wohnt. S

Seit Karl Ende Februar nach Randerath gezogen ist, hat es eine Menge Ärger gegeben, und weil der Bundesgerichtshof in Karlsruhe vergangene Woche entschieden hat, dass Karl D. (58) nicht in Sicherungsverwahrung genommen werden kann, obwohl Gutachter ihn für gemeingefährlich halten, wird es wohl auch weiter Ärger geben. Soviel Ärger, dass es Strauch jetzt erst mal reicht. Noch diese Woche wird geklagt. Er sagt: „Da ist eine Kampagne gegen meinen Mandanten im Gange.” Eine Kampagne des Landrates und der Polizei.

Die Unzufriedenheit von Helmut D. hat damit zu tun, dass sein Bruder ständig von der Polizei bewacht wird. Und weil sein Bruder in seinem Haus lebt, werden Helmut, seine Frau und sein Kind gewissermaßen mitüberwacht. Dagegen klagt er jetzt. Ein Gericht soll prüfen, ob Stephan Pusch, als Heinsberger Landrat auch Leiter der Kreispolizeibehörde, Karl D. überhaupt überwachen lassen darf.

Um die Überwachung hat es auch deswegen immer Krach gegeben, weil Helmut D. nicht besonders kooperativ gewesen ist, sagt der Landrat, Stephan Pusch (CDU). Immer wieder habe er seinen Bruder Karl im Kofferraum seines Autos versteckt, um die Polizisten im Unklaren darüber zu lassen, ob Karl im Auto sitzt. Immer wieder komme es vor, dass Helmut und Monika zur gleichen Zeit in unterschiedlichen Autos vom Hof führen, weswegen die Polizei beide verfolgen muss, weil es ja sein kann, dass Karl sich in einem der Kofferräume versteckt. Pusch sagt: „Die Familie fährt eine aggressive Politik.”

Deswegen haben die D.s vor kurzem mit dem Petitionsausschuss des Landkreistages zusammengesessen, um zu überlegen, wie die Beeinträchtigung durch die Polizei so niedrig wie möglich gehalten werden kann. „Helmut D. war in diesem Gespräch sehr vernünftig. Aber danach war alles wieder so wie vorher”, sagt Pusch. Gerade dieser Tage nähmen Helmuts Versuche wieder zu, der Polizei im Auto davonzufahren.

Strauch schüttelt den Kopf. Er glaubt, es wäre für die Polizisten schlechtweg einfacher, wenn Helmut D. nicht mehr autofahren könne, deswegen würde alles unternommen, um ihm den Führerschein zu entziehen. Zwei Mal schon hat die Polizei Helmut D. den Führerschein abgenommen, beide Male klagte Strauch und erhielt jeweils in der zweiten Instanz Recht.

Einmal hat die Polizei Helmuts Frau Monika verfolgt, um sie zum Anhalten zu zwingen, es kam zu einem Unfall. Weil Helmut in einem dritten Auto beteiligt war, nahmen die Polizisten ihm sofort den Führerschein ab. Im Beschluss des Landgerichts Mönchengladbach heißt es aber: „Es erscheint ohnehin wenig verständlich, warum die Polizei durch die Verfolgungsfahrt ein derartiges Risiko in Kauf nahm und darüberhinaus auch Leib und Leben der Beteiligten in Gefahr brachte.”

Strauch nennt das „eine Ohrfeige für Polizei und Landrat”, er hat viele andere Beispiele dafür, wie Behörden und Polizei die D.s angeblich schikanieren. Der Grund der Schikane: „Die Familie soll mürbe gemacht werden, damit Karl woanders hinzieht”, sagt Strauch.

Stephan Pusch verwahrt sich gegen die Verwürfe, aber er hat gehört, Karl D. plane, tatsächlich umzuziehen, nach Aachen. Helmut habe das gegenüber Polizisten geäußert. „Der Landrat soll nicht so einen Quatsch erzählen”, sagt Strauch. Er selbst habe davon überhaupt noch nichts gehört. Dann steht er auf und geht zur Tür. Das Kamerateam hat er jetzt lange genug warten lassen.
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