Berlin - The Prodigy über das Altern und die Kunst, sich dagegen zu wehren

The Prodigy über das Altern und die Kunst, sich dagegen zu wehren

Von: Stephanie Roschanski, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Die Shows von „The Prodigy” treiben den Adrenalinspiegel der Fans noch immer so hoch wie in den 90er Jahren. Foto: dpa

Berlin. Ihre Shows treiben den Adrenalinspiegel der Fans noch immer so hoch wie in den 90er Jahren. Davon sind The Prodigy überzeugt. Seit ihren Erfolgen mit „Charly” und „Firestarter” sind allerdings schon einige Jahre vergangen, die Raver-Herren deutlich gereift.

Der 40. Geburtstag - ein heikles Thema. „Aber wir sehen doch viel jünger aus, als wir sind, oder?”, fragt Keith Palmer (41) vor seinem Konzert in Berlin. Jahrelang waren die Briten aus Essex in der Versenkung verschwunden. Jetzt bringen sie wie gerade in Berlin mit ihrem neuen Album „Invaders Must Die” die Bühne zum Beben, an diesem Freitag (6. März) geben sie in München ein Konzert.

Dass Keith Palmer schon vier Jahrzehnte auf dem Buckel hat, sieht man ihm nicht an. Auch Keith Flint (39) und Liam Howlett (37) lenken mit Tattoos, aufwendigen Frisuren und unzähligen Accessoires geschickt von etwaigen Verschleißerscheinungen ab. „Zu alt sind wir für den Job erst, wenn jemand auf die Bühne kommt, der das besser macht als wir”, antwortete Flint auf die Frage, ob sie für ihre harten Beats und atemberaubenden Tänze nicht schon zu alt seien.

The Prodigy galten in den Anfangsjahren noch als Geheimtipp der Dancefloor-Szene. Mit dem Album „Music For The Jilted Generation” schafften sie 1995 den internationalen Durchbruch. Nach ihrem 1997er Album „The Fat Of The Land”, millionenfachen Plattenverkäufen und schließlich internen Streitereien wurde es still um die Band. „Invaders Must Die” steht nun für einen Neubeginn des Dreiergespanns.

Trotz aller Jugendlichkeit - die Gelassenheit des Alters scheint bei The Prodigy bereits angekommen zu sein: „Vor unseren Auftritten sind wir absolut nicht nervös”, sagte Flint. Und das, obwohl sie seit 1991 kein einziges Mal für eine Live-Show geprobt hätten. „Wir haben es versucht, aber es hat nicht funktioniert.” Die Auftritte seien spontan, Freestyle eben.

Liveauftritte sind für The Prodigy überhaupt das Ding, wichtiger als die im Studio produzierte Musik. Für die neuen Tracks, bei denen der Fokus nun stärker auf dem Gesang liegt als früher, liehen sie sich keine Stimmen von anderen Künstlern. Jeden Titel der CD wollen sie live so nachspielen können, wie er aufgenommen wurde. Ansonsten habe sich am typischen Prodigy-Sound nichts geändert. „Bei unserer Musik dreht sich immer alles um Drums und Bass”, sagte Howlett, musikalischer Kopf der Band. Lediglich das letzte Lied, „Stand Up”, fällt aus der Reihe. Ihn könnte man ebenso in das Repertoire einer Schulmädchen-Big-Band einordnen. „Der Song soll die Leute nach Hause begleiten wie eine warme Decke, in die man sich kuschelt”, erklärte Howlett.

Diese Worte klingen aus dem Mund eines Hardcore-Ravers irgendwie befremdlich. Dass die drei tätowierten Briten mit den Jahren auch softer geworden sind, wollen sie aber nicht glauben. „Es ist alles wie früher. Ich habe heute sogar noch mehr Energie”, sagte Howlett. Er ist inzwischen Vater eines fünfjährigen Sohnes. Auch Keith Palmer hat zwei Söhne und eine Tochter. „Viele behaupten, wenn man erstmal Kinder hat, wird man mit der Zeit müder. Ich nicht. Ich will gar nicht relaxen”, sagte Howlett. Gähnen unterbricht seine Antwort. Für den bevorstehenden Auftritt pushen sich die Drei mit Kaffee. Wenn „The Prodigy” aber erst mal auf der Bühne stehen, wird klar: Sie sehen nicht nur jünger aus, sie rocken auch so.
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