Tatortreinigerin Grenda: Sie putzt wenn der Tod geht

Von: Uta Knapp, dpa
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Die Tatortreinigerin Michaela Grenda hält ihr Buch „Tatortreinigung - Die Letzte am Fundort” in den Händen. „Jede Leiche riecht anders”, ist sich Michaela Grenda sicher. „Der Geruch ist nicht süß, aber penetrant und immer facettenreich, eigentlich unbeschreibbar”, stellt die 44-Jährige aus Herne fest. Eigentlich wollte die attraktive Blondine Kosmetikerin werden, nun nennt sie sich selbst „Tatortreinigerin”. Foto: dpa

Gelsenkirchen. „Jede Leiche riecht anders”, ist sich Michaela Grenda sicher. „Der Geruch ist nicht süß, aber penetrant und immer facettenreich, eigentlich unbeschreibbar”, stellt die 44-Jährige aus Herne fest. Eigentlich wollte die attraktive Blondine Kosmetikerin werden, nun nennt sie sich selbst „Tatortreinigerin”.

Mit ihrem Unternehmen ist sie spezialisiert auf die Reinigung von ungewöhnlichen Leichenfundorten, an denen die Toten oft unentdeckt über Wochen oder auch Monate hinweg gelegen haben. Ihr Einsatz startet nach dem Abtransport der Toten immer dann, wenn andere Reinigungsfirmen kapituliert haben - vor dem Gestank, der ausgetretenen Leichenflüssigkeit oder auch vor den vielen Fliegen und Maden.

Starke Nerven und ein ausgeprägter Putzfimmel

Unter dem Titel „Tatort-Reinigung” hat Grenda ein Buch über ihre Berufspraxis geschrieben. „Ich will, dass die Leute wissen, dass das nicht eine normale Putzarbeit ist”, sagt sie. Oft geht es um den Tod älterer Menschen, die allein in ihren Wohnungen gestorben sind, um Selbstmörder oder auch um Verbrechensopfer. Manchmal geht es auch nur um komplett zugemüllte „Messiewohnungen”.

Seit rund sechs Jahren ist Grenda im Geschäft. Die Idee zur Unternehmensgründung kam ihr als Reinigungskraft in einem Krematorium. Grenda bescheinigt sich selbst einen „ausgeprägten Putzfimmel” und „starke Nerven”. Überhaupt ist sie der Meinung, dass Frauen für einen solchen Job besser geeignet sind als Männer. „Frauen sind zäher”, weiß sie aus Erfahrung.

Doch die Suche nach Hilfskräften ist nicht immer ganz einfach: Bereits beim gemeinsamen Besichtigen des künftigen Arbeitsplatzes endet für viele Bewerber der Traum von einer Karriere als Tatortreiniger. Wer sich nicht gleich übergeben muss oder kreidebleich das Weite sucht, wird mit Schutzkleidung und oft auch mit einer Atemschutzmaske ausgestattet.

Flüssigkeiten aus verwesenden Leichen

„Man hat das Gefühl, der Duft geht nie mehr aus den Poren und aus den Haaren raus”, beschreibt Grenda den ersten Eindruck am Leichenfundort. Besonders schlimm sei es etwa bei den Spuren von zwei Leichen gewesen, die mit Schussverletzungen blutüberströmt erst nach mehreren Tagen gefunden worden seien. „Da musste sich selbst die Kripo übergeben und ich hatte noch mehr Arbeit”, erinnert sich Grenda.

Vor allem für den Leichenfleck hat Grenda immer ein Spezialputzmittel dabei. Vor dem Schrubben wird meist noch gründlich eingeweicht. Bis zu sieben Liter Flüssigkeit können nach ihren Erfahrungen aus einer bereits verwesenden Leiche austreten und je nach Temperatur auch verdunsten. Hygiene ist für Grenda oberstes Gebot - auch angesichts von Gefahren durch Infektionskrankheiten wie etwa Aids oder Hepatitis. Notfalls lässt sie das Reinigungsergebnis in einem Labor überprüfen.

Nach dem Herausräumen der Möbel gehe dann oft kein Weg daran vorbei, auch noch die Tapeten zu entfernen sowie Wand- und Deckenverkleidungen sowie Teppichböden herauszureißen, berichtet sie. Manchmal müssten sogar die Türzargen entfernt und mit durchgesickerter Leichenflüssigkeit vollgesogene Deckenbalken erneuert werden.

Bei der Arbeit denkt Grenda auch über die Schicksale der oft einsam gestorbenen Menschen nach: „Man hört die Uhr ticken, der Wecker klingelt und die Wäsche liegt noch herum”, sagt sie. Manchmal erschrickt sie auch vor den Spuren eines heftigen Todeskampfes, bei dem Sterbende Teile der Einrichtung demoliert haben. Auf ihre gewohnte Pause verzichtet sie trotzdem nicht. „Ich kann auch in einer Leichenwohnung essen - Schnittchen und Süßkram”, berichtet sie.
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