Düsseldorf/Essen - Super, Regen! Schlechtes Wetter freut Museen und Kinos

Super, Regen! Schlechtes Wetter freut Museen und Kinos

Von: Christian Rothenberg, dpa
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Düsseldorf/Essen. Während sich die meisten Menschen über schlechtes Wetter ärgern, reiben sich Kinobetreiber und Museumsdirektoren die Hände. Die sonst umsatzschwachen Sommermonate bescheren ihnen ein gutes Geschäft.

Der Winter war ihm immer am liebsten. „Im Sommer kannst du das Kino schließen, da geht gar nichts”, erzählt Kalle Somnitz, der in Düsseldorf mehrere Filmkunstkinos betreibt. „Du schreibst nur rote Zahlen.” In diesem Jahr aber war das plötzlich anders.

Dank viel Regen und wenig Sonne kamen im Juli mit 15.000 Besuchern über 50 Prozent mehr Gäste als gewöhnlich in die Kinos. Zwischen Oktober und März sind es durchschnittlich 20.000 Besucher im Monat. „Das ist der beste Sommer, den wir je hatten”, sagt Somnitz. Mit dem schlechten Wetter kann er gut leben.

Auch andere Kinobetreiber in Nordrhein-Westfalen freuen sich im verregneten Sommer über ungewöhnlich volle Kassen. „Als Kinobetreiber hat man immer zwei Seelen in seiner Brust - für uns ist das Wetter perfekt”, schwärmt Thomas Schülke vom UCI-Kino in Bochum. Den Trend bestätigen auch die Betreiber des Ufa-Theaters in Düsseldorf sowie der Cinemaxx-Kette, die unter anderem in Bielefeld, Essen und Wuppertal Häuser betreibt.

Einen Strich durch die Rechnung macht der Regen dagegen den Open-Air-Kinos. So litt das Frankenheim-Kino am Düsseldorfer Rheinufer unter einem Besucherrückgang von 20 Prozent im Vergleich zum sonstigen Juli-Durchschnitt.

Ebenso wie die Kinos profitieren auch die Museen vom Sommerregen. Im Naturkundemuseum Koenig in Bonn hat sich die Zahl der Besucher im Juli im Vergleich zum Mai mehr als verdoppelt. Mehr als 8000 Gäste ließen sich im Juli in dem Museum von Regenwald, Arktis oder Wüste beeindrucken. Auch Kunst zieht bei schlechtem Wetter Scharen an. „Der Juli lief sehr gut”, sagt eine Sprecherin des Folkwang-Museums in Essen.

In das Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster kamen im Juli 20 000 Besucher - doppelt so viele wie im Juli vergangenen Jahres. Das mag aber auch an der neuen Bionik-Ausstellung liegen, die die Umsetzung von „Erfindungen der Natur” in der modernen Technik darstellt. „Wenn eine Ausstellung gut ist, kann ihr gutes Wetter nichts anhaben”, glaubt LWL-Sprecher Frank Tafertshofer. Er erwartet, dass sich der Trend selbst bei Sonnenschein im August fortsetzt.

Und falls der Sommer doch noch kommt? Auf der Zeche Zollverein in Essen zeigt man sich gewappnet. Sie bietet drinnen wie draußen Angebote an. „Wenn es aus Kübeln gießt, können die Leute reingehen. Wenn es hingegen schön ist, werden sie wohl stärker auf unserem Außengelände unterwegs sein”, sagt Museumssprecherin Ute Durchholz.

Kalle Somnitz, der Düsseldorfer Kinobetreiber, erwirtschaftet in der kalten Jahreszeit normalerweise eine Rücklage im sechsstelligen Euro-Bereich - das Polster für die wenig lukrativen Sommermonate. Dieses Jahr hat er die Rücklagen nicht anrühren müssen. Für Somnitz ist das ein Segen. Denn weil die alten Filmkopien abgeschafft werden, muss er sieben Leinwände digitalisieren lassen. Kosten: eine halbe Million Euro.
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