Bochum - „Starlight”-Held der ersten Stunde jetzt in Bochum

„Starlight”-Held der ersten Stunde jetzt in Bochum

Von: Rolf Schraa, dpa
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Packende Rhythmen, atemberaubende Kostüme und bis zu 60 km/h schnelle Darsteller - das alles ist Starlight-Express.

Bochum. Er war vor 25 Jahren bei der Uraufführung in London der Held von „Starlight Express” - als Dampflok Rusty mit einer dunklen Gospelstimme, die für Gänsehaut bei den Besuchern sorgte.

Jetzt muss Ray Shell wieder üben: Mit gemischten Gefühlen schaut er die fast senkrechte Rampe am oberen Bühnenende des Bochumer Musical- Theaters herunter. Hier soll er rückwärts runterskaten, sich während der Fahrt drehen und auf den Knien aufs Publikum zurutschen.

Der inzwischen 58-jährige Shell ist nach vielen Jahren im Musicalgeschäft etwa bei „Jesus Christ Superstar” oder „Miss Saigon” zurück zu „Starlight Express” und wieder auf die Rollschuhe gekommen.

In seiner Rolle als alte Dampflok Papa trägt er ein 18 Kilogramm schweres Kostüm und muss darin rennen, tanzen und singen. Kommenden Mittwoch (3.6.) ist der erste Auftritt in Bochum, dann folgen je sieben Shows pro Woche.

Seit März trainiert Shell - und merkt das Tempo der bis zu 60 Stundenkilometer schnellen Fahrt nach jedem Übungstag in den Knochen.

„Das ist Folter”, sagt er und grinst dabei nur ein bisschen. Wenn der Schauspieler und Sänger nach dem Training auf der spiegelglatten Epoxidharzbahn des Theaters nach Hause geht, reicht es nach der Dusche nur noch zum Sofa.

„Ich lege eine CD rein, den Schluss krieg ich meist nicht mehr mit. Ich schlaf bis zum nächsten Morgen”, erzählt er. Um die Show zu schaffen, hält er Diät - nur Fleisch und Gemüse - und trinkt keinen Alkohol. Kneipenbummel hat er lange hinter sich - dabei wohnt er ganz nahe am Bochumer Kneipenviertel, dem „Bermudadreieck”.

Das Bühnen-Märchen um den Wettlauf der Maschinen, in dem nicht Hightech und Machotum, sondern die vermeintlich schwache Dampflok siegt: Es funktioniert für Ray Shell noch immer - gerade in einer Stadt, die sich derzeit um ihren wichtigen Arbeitgeber Opel und die Zukunft sorgt. „Nach der Show gehst Du raus und denkst: I can do it (Ich kann es schaffen) - das brauchen wir jetzt besonders.”

Dieser Optimismus, der für Westeuropäer manchmal naiv wirkt, spiegelt sich auch in Shells eigener Geschichte. Aufgewachsen in einem schwarzen Viertel von New York, hat er viele Freunde und Nachbarn an Crack und Gewalt zugrunde gehen sehen, wie Shell erzählt. Mit Anfang 30 gab Shell Gesangsstunden in London und arbeitete nebenher als Küchenhilfe. Dann sah er Plakate in der Stadt: „Junge und sehr sportliche Sänger für Musical gesucht.” Nur, weil seine Schüler drängten, habe er sich beworben - und überraschenderweise den Job bekommen.

Heute ist Shell nicht nur ein erfolgreicher Sänger, er hat über Crack-Schicksale auch ein weltweit verlegtes Buch geschrieben, das demnächst verfilmt wird. Außerdem arbeitet er als künstlerischer Leiter einer Theaterproduktionsfirma in London, wo auch seine Familie wohnt. Das einzige, was er bisher noch gar nicht perfekt kann, ist sein deutscher Text. „Nicht” und „doch” klingen bei dem US-Amerikaner wie „nischt” und „dok” und die Stadt, in der er gerade lebt, ist „Bokum”. Für das deutsche „ch” bleiben ihm nur noch wenige Tage.
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