Essen - Spielen, kämpfen, einen heben: NRW feiert ausgefallen Ostern

Spielen, kämpfen, einen heben: NRW feiert ausgefallen Ostern

Von: Paulina Dobek, dpa
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Im kleinen Lügde im Weserbergland werden bis zum Karsamstag 1,7 Meter breite Wagenräder im Fluss nass gemacht. Wieso, das klärt sich erst am Abend des Ostersonntag. Dann blicken Schaulustige gespannt auf den sogenannten Osterberg im Ort und warten, bis das erste von sechs brennenden, mit Stroh umbundenen, knapp 400 Kilogramm schweren Rädern den Berg hinunterrollt. Foto: dpa

Essen. Ostereier suchen, Osterlamm und Osterfeuer, das kennt jeder. Doch wer denkt, dass ganz Nordrhein-Westfalen in den Vorbereitungen für solch gewöhnliche Osterbräuche steckt, irrt. Vielerorts im Land haben Trainingslager der anderen Art für das Fest begonnen.

Männer stählen ihre Muskeln, Wagenräder werden gewässert und Milchkannen in Kanonen umgebaut. Im kleinen Lügde im Weserbergland werden bis zum Karsamstag 1,7 Meter breite Wagenräder im Fluss nass gemacht. Wieso, das klärt sich erst am Abend des Ostersonntag. Dann blicken Schaulustige gespannt auf den sogenannten Osterberg im Ort und warten, bis das erste von sechs brennenden, mit Stroh umbundenen, knapp 400 Kilogramm schweren Rädern den Berg hinunterrollt.

Das Spektakel nennt sich Osterräderlauf - und den gibt es schon lange. Im 18. Jahrhundert erstmals erwähnt, sollen die brennenden Holzräder eine Aussage über die Fruchtbarkeit der Ernte im laufenden Jahr bringen. Gewässert werden die Räder zuvor, damit sie nicht ganz verbrennen, berichtet Dieter Stumpe vom Veranstalter des Räderlaufs, dem Dechenverein: „Sie sollen ja noch unten ankommen”. Am Ende brennt nur das Roggenstroh.

In Lüdinghausen trainieren viele für das „Schwengellangziehen”. Am Flüsschen Stever bildet sich Ostersonntag eine Menschenkette, die sich im Kreis dreht, bis die ersten im Wasser landen.

Laut wird es in Milte, einem Stadtteil vom münsterländischen Warendorf. Beim „Böllern” befüllen die Einwohner dort Milchkannen mit einer Mischung aus Karbid und Wasser. „Mit einer Lunte entzündet, wird dann der Deckel der Milchkanne abgesprengt”, sagt Christiane Cantauw vom Landschaftverband Westfalen-Lippe. Das „Böllern” wird als Zeichen der Freude über die Auferstehung Jesu Christi verstanden.

Im Rheinland zählt die „Schönecker-Eierlage” zu den Osterspielen. Dabei muss ein Spielteilnehmer namens „Raffer” 104 Eier aufsammeln, die in Abständen von 60 Zentimetern ausgelegt werden. Sein Gegenspieler ist ein Läufer, der so schnell wie möglich eine Strecke von knapp sieben Kilometern zurücklegen muss. Wer zuerst fertig ist, hat gewonnen. Am Ende fließt reichlich Bier. Schönecken liegt zwar in Rheinland-Pfalz. Viele der rheinländischen Bräuche in dem Bundesland werden aber laut Volkskundlerin Dagmar Hänel vom Landschaftsverband Rheinland auch auf NRW-Seite begangen.

Ein Brauch ist in Nordrhein-Westfalen besonders beliebt - der Emmaus-Gang, der sich auf Ereignisse aus der Bibel bezieht. Vereinfacht sollen sich die Geschehnisse damals so abgespielt haben: Nach der Kreuzigung sollen zwei Jünger Richtung Emmaus gegangen sein. Unterwegs trafen sie, dem Lukas-Evangelium zufolge, Jesus in anderer Gestalt wieder, und kehrten mit ihm in ein Gasthaus ein. Angelehnt daran machen heute viele Menschen am Ostermontag einen Spaziergang in die Kneipe - oder treffen sich direkt dort.
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