„So groß wie...”: Deutschland nimmt Maß am Saarland

Von: Marco Krefting, dpa
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Saarbrücken. Immer wieder wird ein kleines Fleckchen Deutschlands auf seine Größe reduziert: Haiti ist fast elfmal so groß wie das Saarland, die afghanische Provinz Kundus etwas mehr als dreimal so groß wie das Saarland. Die 2569,69 Quadratkilometer im Südwesten der Republik halten regelmäßig als Vergleichswert her - oft für Krisen- und Kriegsgebiete.

Das Saarland wurde schon in Relation zur Fläche von Waldbrandgebieten, Funklöchern und einem Eisberg gesetzt. Die „Süddeutsche Zeitung” widmete den Saarland-Vergleichen ein Rätsel und das Magazin „Neon” bezeichnete das Saarland sogar als „Deutschlands wichtigste Maßeinheit”.

Tatsächlich findet sich die Wortfolge „so groß wie das Saarland” mehr als 275 Mal in einer Datenbank im Internet. „Das Saarland ist unangefochten an erster Stelle”, bestätigt Nicola Frank von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden. Sie vermutet als Grund - mit einem Augenzwinkern - menschliche Faulheit: „Saarland” hat nur zwei Silben. „Stellen Sie sich mal vor, sie müssten dauernd Mecklenburg-Vorpommern oder Nordrhein-Westfalen sagen” gibt sie zu bedenken.

Allerdings habe sie keine Erklärung, warum Bundesländer wie Bayern oder Bremen nicht einmal annähernd so häufig für Größenvergleiche genutzt werden. Der inflationäre Gebrauch des Saarlandes in diesem Kontext habe sich fast schon zu einer Redewendung verfestigt, meint die Expertin. Heimatkundler Horst Schmadel glaubt, dass das Land aufgrund seiner Geschichte als Vergleichsgröße taugt.

„Eigentlich ist das Saarland ja nur ein kleiner Fleck”, sagt der 63-Jährige, der die Homepage www.saar-heimat.com betreibt. In der Vergangenheit sei es aber auch eine autonome, wirtschaftlich starke Region gewesen und habe in der Qualifikation zur Fußball-WM 1954 immerhin gegen die Bundesrepublik gespielt. „Wegen dieser Bedeutungen ist immer schon mit dem Saarland verglichen worden”, erinnert sich Schmadel.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Verwendung als Maßeinheit völlig unbedenklich, wie Mathematik-Professor Christian Bender von der Universität in Saarbrücken erklärt: „Natürlich kann man alles in Fläche des Saarlandes ausrechnen. Da ist mathematisch nichts Verwerfliches dran.” Bei den Vergleichen mit dem Saarland gehe es in erster Linie um Dinge, die in Standardgrößen schwer anzugeben sind.

Und die sind auch nicht jedermanns Sache: „Selbst Studenten haben Probleme, sich einen Hektar oder Ar vorzustellen”, berichtet Patrick Huber, der Physik-Dozent an derselben Hochschule ist. „Ich weiß zwar nicht, wie viele Leute eine Vorstellung vom Saarland haben. Aber als anschauliches Maß ist das durchaus sinnvoll”, sagt er. Als physikalische Maßeinheit in wissenschaftlichen Texten empfiehlt er jedoch, es bei Quadratmeter-Zahlen zu belassen.

So halten es auch die Behörden. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden vergleicht nach eigener Auskunft niemals mit dem Saarland. Und auch das Statistische Amt Saarland selbst bleibt nach Angaben der Sprecherin Koba Krause „ganz sachlich” und gibt Flächen in Zahlen an. Sie sagt, dass die Statistiker Teilflächen des Saarlandes nicht einmal ins Verhältnis zu Fußballfeldern setzen. Davon passen gemäß FIFA-Norm immerhin - rein rechnerisch - rund 359.900 ins Saarland.

Das könnte sich aber ändern, denn das Saarland wächst - gemäß amtlicher Statistik Ende 2008 um etwa 20.000 Quadratmeter. Das ist immerhin so viel wie der Innenhof des Pentagons in Washington. Der Grund hierfür seien neue und genauere Messungen, erklärt ein Experte des saarländischen Katasteramts. Etwa 1,3 Millionen Einzelflächen würden für die Gesamtfläche des Bundeslandes addiert. „Da gibt es immer wieder Schwankungen.”

Das Saarland könne auch kleiner werden. Vielleicht ein Grund, warum der amtierende Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nicht darüber lachen kann. Eine Sprecherin sagte zu den „So-groß-wie-das-Saarland”-Vergleichen: „Das soll ja wohl ein Scherz sein?!”
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