Silber und Kanonen: Deutscher Schatzsucher wird fündig

Von: Christiane Oelrich, dpa
Letzte Aktualisierung:
Deutscher Schatztaucher in Indonesien
Ein Mitarbeiter der Firma des deutschen Bergungsunternehmers Klaus Keppler vermisst Silbermünzen, die aus dem 1806 gesunkenen Kaperschiff Forbes stammen, am 04.07.2009 in einem Lagerhaus im Hafen von Jakarta. Foto: dpa

Jakarta. Die Lust am Aufspüren treibt die meisten an. Auch wenn es oft sehr, sehr lange dauert. Klaus Keppler kann ein Lied davon singen, er ist Schatzsucher in Indonesien. Seit Jahren sucht der Bergungsunternehmer nach alten Wracks mit Gold, Silber oder Porzellan an Bord.

Nach langer Durststrecke ist er jetzt fündig geworden. Gleich zweimal: Er hat ein Wrack aus dem 10. Jahrhundert geborgen und das Kaperschiff „Forbes”, das 1806 gesunken ist.

In seiner Lagerhalle im Hafen von Jakarta lässt Keppler (70) den Blick zufrieden über seine Schätze gleiten. Er hält einen riesigen Klumpen mit Silbermünzen hoch. „Mach schneller”, sagt er der Fotografin, „das Ding ist wahnsinnig schwer.”

Aber er strahlt. Kiloweise Silbermünzen haben seine Taucher vom Bergungsschiff „Maruta Jaya” aus dem Wrack geborgen. Und Kanonen, Goldschmuck, Kristall, Silberbesteck und 400 Weinflaschen. „Die Herren an Bord verstanden zu leben”, sagt Keppler, der sich selbst gerne dicke Zigarren gönnt.

Vor allem die Münzen müssen sich verkaufen lassen, ist Keppler überzeugt. Fast jede sieht anders aus. „Einmal hat der Kaiser eine Krone, dann einen Lorbeerkranz, einmal Tunika und dann Panzer, hier ist das Halstuch vorn oder dort hinten gebunden”, sagt Keppler und dreht einen Taler zufrieden in den Händen. „Eine Münze kann zwischen 50 und mehrere tausend Dollar wert sein.”

Besonders, wenn zu dem Fundstück auch die Geschichte bekannt ist. Er hat eigens einen jungen Mann eingestellt, der in Archiven in aller Welt geforscht hat, um alles über die „Forbes” zu erfahren.

Das Schiff war mit einem Schutzbrief des englischen Königs unterwegs, eine Art Kaperschiff von königlichen Gnaden. Es lief auf dem Rückweg von Borneo nach Indien am 9. September 1806 vor der Insel Belitung zwischen Borneo und Sumatra auf ein Riff. Kapitän Frazer Sinclair und die Besatzung überlebten.

Das Mampango-Riff wurde erst fünf Jahre später vermessen und auf den Karten eingetragen.

Oben in Kepplers Lagerhaus sitzen vier Archäologie-Studenten, die jede einzelne Münze vermessen, beschreiben und fotografieren und das ganze in einer eigenen Datenbank erfassen. „Alles wird dokumentiert”, sagt Keppler.

Dafür sorgen schon auf dem Schiff auch Beamte verschiedener Ministerien, die die Schatzsucher an Bord nehmen müssen. Sie sorgen dafür, dass nichts beiseitegeschafft wird, denn 50 Prozent jedes Erlöses geht an den indonesischen Staat.

Mancher Schatzsucher munkelt, dass einige Beamten eigenen Deals nicht abgeneigt sind. Gegenseitig betrachten sich die Schatzsucher mit misstrauen. „80 Prozent sind Gauner oder Scharlatane”, sagt Keppler.

Abgesehen von dem Erlös hält sich das Interesse Indonesiens in Grenzen. Das sieht man an dem anderen Wrack, das Keppler nördlich von Java in 50 Metern Tiefe gefunden hat, sagt der Malaienkundler Horst Liebner: „Das Karawang-Wrack stammt aus dem 10. Jahrhundert. In Deutschland wäre so ein Fund eine Sensation.”

In Indonesien nicht: kein einziger Archäologe sei vorbei gekommen, um sich den Fund mal anzuschauen. Der Wissenschaftler hat das chinesische Schiff anhand der Blei-Münzen auf die Min-Dynastie datiert, die 947 zerschlagen wurde. Die Taucher haben Vasen, Kannen, Teller nach oben gebracht. „Eine historische Zeitkapsel” schwärmt Liebner.

So richtig reich sind die Schatzsucher nicht - bislang. Die Flotte der Bergungsschiffe, die Ausrüstung, die Taucher, die Lagerhalle - alles muss vorfinanziert werden.

Willkommen sind deshalb Investoren wie Martin Wenzel, ein Immobilienhändler aus Dresden. Er taucht selbst mit, wenn es die Zeit erlaubt. Das Flair des Abenteuers zieht ihn an. Kaum ein Wrack hält, was der Schatzsucher sich verspricht. „Wir haben bestimmt 70 Wracks hier untersucht, davon sind vielleicht fünf lohnenswert”, sagt Keppler.

Der Rubel rollt erst, wenn ein Käufer da ist. Sein Team verhandelt mit Museen in China über den Karawang-Schatz. 1,4 Millionen Euro bringt das, hofft Keppler. Die Bergung hat aber allein schon 600.000 Euro gekostet. „Das "Forbes"-Wrack: Mindestens fünf bis 10 Millionen netto”, schätzt er, bei 400.000 Euro Bergungskosten. „Es gibt 30 Millionen Münzsammler weltweit”, sagt Keppler. „Ich persönlich sammle lieber moderne Münzen”, meint er schmunzelnd.

Dabei ist er vor allem wegen der Lust am Suchen im Geschäft. Er denkt schon an die nächsten Wracks. „Im Entdecken war ich immer groß.”
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