„Schädlingsmanager”: Mit Fingerspitzengefühl gegen Bettwanzen

Von: Uta Knapp, dpa
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Bettwanzen auf dem Vormarsch
Eine Bettwanze beim Blutsaugen auf menschlicher Haut, veröffentlicht von der Harvard Universität (Foto undatiert). In Teilen New Yorks und Vancouvers gelten Bettwanzen schon als Plage. Inzwischen sind die Blutsauger auch in Deutschland auf dem Vormarsch und kaum zu stoppen. Ihre Stiche sind extrem unangenehm. Foto: dpa

Essen. In der Schädlingsbekämpfer-Branche geht es anders zu, als man denkt: Kammerjäger nennen sich heute „Manager”. Statt auf Gift setzen sie auf Erhitzen oder Schockfrosten. Ihre Gegner sind oft weltweit unterwegs. Und die Branche macht dreistellige Millionenumsätze.

Bettwanzen, Termiten, Tigermücken - die neuen Herausforderungen für moderne „Schädlingsmanager” krabbeln aus Koffern und Kisten. Als blinde Passagiere reisen etwa Bettwanzen gern im Fluggepäck von Urlaubsheimkehrern aus den USA oder Australien.

Wird der Koffer dann nach der Reise achtlos im Schlafzimmer abgestellt, hat es der nur etwa 0,5 Zentimeter kleine Blutsauger nicht weit bis ins Bett.

„Während die Bettwanze noch vor zehn bis 15 Jahren als ausgestorben galt, gibt es mittlerweile einen Boom in der ganzen Welt”, berichtet Rainer Gsell, Vorsitzender des deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbands (DSV) in Essen. Als deutscher Chef- Schädlingsjäger kämpft Gsell nicht nur gegen Ungeziefer-Plagen, sondern auch für ein neues Image seines Berufs.

Und die Branche beackert ein großes Geschäftsfeld: Rund 1200 Unternehmen teilen sich in Deutschland das Geschäft mit dem Kampf gegen die tierischen Mitbewohner. Darunter sind Branchengrößen wie die britische Ungeziefer-Kette Rentokil ebenso wie Einzelkämpfer. Mit bundesweit etwa 5000 bis 6000 Beschäftigten erwirtschaftet die Branche jährlich einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro - mit steigender Tendenz.

Früher ging der Ungezieferjäger mit Schutzanzug und Gasmaske auf die Jagd, heute trägt er eher lässigen Freizeitlook. Chemische Fachkenntnisse sind trotzdem notwendig, Abitur ist erwünscht. Die reale Begegnung mit dem Schädling bleibt im Berufsalltag allerdings eher die Ausnahme. Gefragt ist vielmehr kompetente Beratung und vorbeugende Kontrolle, meist in Unternehmen aus der Lebensmittel- oder Handelsbranche. Trotz der Veränderung des Berufsbildes bleibt der Nachwuchs oft aus: „Welcher Schüler nennt schon Schädlingsbekämpfer als seinen Traumberuf?”, fragt Gsell.

Doch die Jagd nach der Bettwanze erfordert Fachwissen und Fingerspitzengefühl. Bei dem ungebetenen Gast, der selbst internationale Top-Hotels bisweilen heimsuchen soll, ist vor allem Technik-Einsatz gefragt. Wahlweise kann ein Raum eine Stunde lang auf Saunatemperaturen von 120 Grad aufgeheizt oder mit Trockeneis schockgefrostet werden. Bei einem simplen Chemie-Einsatz könnten sich die Insekten dagegen allzu leicht in ihre Verstecke zurückziehen, meint Gsell.

Während die Bettwanze ihre schlafenden Opfer mit hässlichen roten Einstichstellen am ganzen Körper verunstaltet, kann die Tigermücke gefährliche Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen. Der tropische Blutsauger wird sich nach Einschätzung des Schädlingsexperten in den kommenden Jahren durch den Klimawandel auch in Deutschland weiter ausbreiten.

Heimische Schädlingsklassiker wie Ratten fühlen sich derzeit vor allem rund um wie vielen Fressstände auf den Weihnachtsmärkten wie im Paradies. „Eine Ratte frisst lieber Pommes und Würstchen als Wurzelreste”, berichtet Gsell. Mit der sich immer weiter ausbreitenden Fast-Food-Kultur ist der Tisch für den Nager in den Städten reich gedeckt, zudem sparten viele finanzschwache Kommunen an der Schädlingsbekämpfung.

Sorgen bereitet dem Bundesverband die manchmal mangelnde Qualität von Billig-Angeboten auch aus den eigenen Reihen. Der immerwährende Kampf gegen den Schädling erscheint allerdings selbst dem Experten als letztlich aussichtslos: „Wenn in der Natur ein Lebensraum frei wird, wird er bald wieder neu besetzt.”
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