Sarah Palin rechnet ab: Riesenwirbel um ihre Memoiren

Von: Frank Brandmaier, dpa
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Sarah Palin Memoiren
Alaskas Gouverneurin Sarah Palin (Archivbild) hat ihre Memoiren geschrieben, die in weiten Teilen eine Abrechnung mit einem Establishment sind, das sie der Lächerlichkeit preisgab. Foto: dpa

Washington. Ein Jahr ist seit der krachenden Niederlage an der Seite John McCains bei der US-Präsidentenwahl schon vergangen. Aber an einen Abgang Sarah Palins von Amerikas politischer Bühne ist einfach nicht zu denken.

Längst hat die erzkonservative Basis der Republikaner der Ex-Vizekandidatin Nibelungentreue geschworen, jetzt katapultiert sich die 45-Jährige mit frühen Memoiren landesweit ins Rampenlicht zurück. Das Buch soll erst an diesem Dienstag in die Regale kommen - mit einer Auflage 1,5 Millionen, wie es heißt. Auf den Bestseller- und Vorbestellungslisten rangiert das mehr als 430 Seiten dicke Werk aber schon seit Wochen ganz weit oben. Die US-Onlinezeitung „Politico” spricht von einem „Phänomen”.

Die frühere Schönheitskönigin, die sich bevorzugt als einfaches, aber ehrliches Mädel aus dem Volk darstellt, spricht darin über so ziemlich alles - von der Familie, vom Glauben, von der Jagd, von ihren konservativen Prinzipien. Weniger hingegen von großen politischen Problemen Amerikas, wissen US-Medien, die schon mal einen Blick in das Buch mit dem Titel: „Going Rogue: An American Life” (sehr frei übersetzt: „Außer Rand und Band - Ein amerikanisches Leben”) werfen konnten. Vor allem gehe es aber um Abrechnung, um Rache und Wiedergutmachung, meint die „Los Angeles Times”.

Die Ex-Gouverneurin von Alaska, die das Amt im Sommer unter nie ganz geklärten Umständen vorzeitig und mit einer bizarren Rede („Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom”) aufgab, beklagt sich bitterlich über ihre Behandlung während des Wahlkampfs, berichtet der US-Sender ABC, der vorab ein Exemplar ergatterte. Mitarbeiter McCains hätten sie von der Presse ferngehalten. Dann habe man sie auf einer Rechnung über 50 000 Dollar (33 600 Euro) sitzenlassen, die bei der üblichen Prüfung ihres Hintergrundes angefallen sei. Dann äußert sich Palin auch noch abschätzig über renommierte US-Journalisten, in deren Interviews die Kandidatin nicht besonders gut aussah.

Ex-Mitarbeiter des McCain-Wahlkampfes weisen die Beschuldigungen zurück. Die kritisierte Fernsehjournalistin Katie Couric teilt nur trocken mit, ihr Interview mit Palin, in dem die Kandidatin katastrophale Wissenslücken offenlegte, spreche für sich.

Selbst Republikaner zweifeln, ob Palin sich mit dem Waschen schmutziger Wäsche einen Gefallen tut, will sie tatsächlich bei der Präsidentschaftswahl 2012 antreten, was in Washington nicht wenige vermuten. „Das hilft ihr nicht”, meint der konservative TV-Kommentator Pat Buchanan. „Diese alten Sachen hervorzuholen, wirft einen nur zurück.” Fürs Konto und vielleicht auch eine spätere Finanzierung eines eigenen Wahlkampfs war die Buch-Idee derweil ein Segen: Laut „New York Times” bekam Palin fünf Millionen Dollar (3,4 Millionen Euro), bevor überhaupt ein Exemplar geliefert wurde.

Vor allem die religiöse Rechte Amerikas ist entzückt über die voluminöse Wortmeldung der Ex-Gouverneurin, die ihrer Partei vorwirft, sie habe ihre Prinzipien verloren. Selbst als Tochter Bristol ohne Trauschein schwanger wurde und Vater Levi Johnston in Interviews private Probleme der Palins ausbreitete, schien das die Begeisterung kaum zu dämpfen. „Sie hebt den kleinen Finger und inspiriert eine ganze Bewegung”, schwärmt Marjorie Dannenfelser, Präsidentin einer Anti-Abtreibungs-Organisation.

Der Rest Amerikas ist indes weniger davon überzeugt, dass Palin für höhere politische Weihen taugt: Nach einer Erhebung des US-Senders CNN vom Oktober sprechen 71 Prozent der Befragten ihr die Qualifikation fürs Weiße Haus ab. Dennoch wittern Beobachter in Washington durchaus Hintergedanken, dass sie für ihre an diesem Mittwoch beginnenden Buchvorstellungs-Tour ausgerechnet Staaten aussuchte, die bei Präsidentenwahlen besonders umkämpft sind. Und die letzte Zeile des letzten Kapitels, meint der Sender ABC, klinge durchaus schon wie ein Wahlkampf-Motto: „Jetzt aufrecht stehen. Zusammen stehen. Stehen für alles, was richtig ist.”
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