Rätsel um 17 verschwundene Kampfhühner

Von: Marc Strehler, dpa
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Kampfhuhn-Züchter
Ein Kampfhahn mit seinen Hennen von der japanischen Rasse Satsumadori läuft in einem Gehege des Kampfhuhn-Züchters Silvio Müller in Landau. Foto: dpa

Landau. Manchmal können ein, zwei Buchstaben einen großen Unterschied ausmachen: Einen Kampfhund zu stehlen, traut sich wohl kaum jemand. Bei einem Kampfhuhn sieht das anders aus. Diese Erfahrung hat Silvio Müller machen müssen.

Nicht nur ein, sondern ganze 17 Kampfhühner der japanischen Rasse Satsumadori wurden dem 48- Jährigen aus Landau in der Pfalz kürzlich gestohlen. Darunter ein paar sehr seltene weißgefiederte, „das Nonplusultra”, wie Müller sagt. Seitdem beschäftigen ihn und die Polizei zwei Fragen: Wer stiehlt Kampfhühner? Und warum? Müller ist sich sicher: „Das kann nur ein Insider gewesen sein.”

Bei Müller dreht sich vieles um das Huhn. An seiner Wohnzimmerwand hängen Gemälde mit Hühnern drauf, auch die Wanduhr ziert Federvieh, in einer Vitrine sammelt er Interessantes und Kurioses rund ums Huhn. Müller ist 1. Vorstand des Ur- und Kampfhuhnzüchtervereins, der 1911 gegründet wurde und rund 300 Mitglieder hat. Ein Züchter mit Leib und Seele, „da muss man schon einen an der Schraube haben”, gibt er zu. Seine Frau zieht mit: „Da steht man schon mal nachts um vier Uhr auf und fährt auf eine Ausstellung nach Belgien”, erzählt sie. Um sich Hühner anzuschauen.

Und jetzt das. „Die Zuchtarbeit von mehreren Jahren ist erst einmal kaputt”, klagt Müller. In der Nacht von Fastnachtsdienstag auf Aschermittwoch stiegen unbekannte Diebe in Müllers Hühnergelände ein, das sich in einer Art Kleingartenanlage befindet. Fein säuberlich wurde der mannshohe Maschendrahtzaun Draht für Draht durchschnitten. Dann wurden die Hühnerboxen geleert - komischerweise nur die, in denen die besonders wertvollen Tiere saßen, darunter auch die weißen Satsumadori. „Das sind Raritäten, da hat sich jemand ausgekannt”, sagt Müller.

Ja, wehrt sich denn so ein Kampfhuhn nicht, wenn es mitten in der Nacht aus seiner Box herausgezogen wird? Zumindest bei einem seiner Exemplare vermutet Müller, dass das nicht ohne Schrammen und Kratzer für den Dieb abgegangen sein wird. Richtig aggressiv werden Kampfhähne aber erst, wenn sie sich einem Artgenossen gegenüber sehen, der ihnen das Revier streitig machen könnte. „Die gehen dann auf alles, was sich bewegt.” Deshalb werden solche Hähne in einigen Ländern bei illegalen Kämpfen aufeinanderlosgelassen, meist sogar noch mit einer Klinge am Bein bewaffnet.

„Ich lehne das ab”, sagt Müller. Ihm gehe es um den Erhalt der Rasse, deren Schönheit, um den Spaß an der Zucht. Auch wenn ihm der Spaß jetzt erst einmal ein bisschen vergangen ist. Dass die Satsumadori im Kochtopf oder Backofen gelandet sind, glaubt der Züchter nicht. Er hat die Hoffnung, dass er eines Tages seine Hühner irgendwo wiederfinden wird - vielleicht auf einer Ausstellung. Erkennen wird er sie, da ist sich Müller sicher. „Beweisen, dass das meine sind, kann ich dann wohl nicht.” Er geht davon aus, dass die Polizei ihre Ermittlungen eines Tages einstellen wird. Auf sich beruhen lassen will Müller den Diebstahl aber nicht. „Für mich verjährt das nicht.”

1000 Euro sei jedes Tier wert gewesen, hieß es damals im Polizeibericht zu dem Diebstahl. Das muss Müller doch etwas geraderücken. Er habe das so hochgerechnet, mit den zu erwartenden Nachkommen und und und. Der rein materielle Schaden sei niedriger, gibt er zu. Aber: „Für mich ist der Schaden unbezahlbar.”

Die Geschichte kennt aber auch ihre Gewinner. Müller findet es gar nicht so schlecht, dass sein Club und die Kampfhuhnzucht jetzt vielleicht mal ein bisschen von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Die Kampfhuhnzucht boomt nicht gerade, der Club lebt im Wesentlichen von einem „harten Kern” an Mitgliedern, die sich verlässlich engagieren. „Vielleicht kommt ja jetzt der Eine oder Andere auf die Idee, das könnte doch ein interessantes Hobby sein”, hofft Müller.

Das wird sich zeigen. Zwei definitive Gewinner des Ganzen gibt es aber schon jetzt. Sie sitzen ganz brav in zwei Boxen auf Müllers Hühnergelände und wissen von ihrem Glück vermutlich gar nicht. Müller hatte die beiden Hähne einst weggegeben, weil er sie für die Zucht nicht so recht brauchen konnte. Nach dem Diebstahl hat er umdisponiert und sie wieder zurückgeholt. Gerade noch rechtzeitig: Demnächst sollten sie eigentlich geschlachtet werden.
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