Pionier des Privatfernsehens: Hugo Egon Balder wird 60

Von: Markus Peters, ddp
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Hugo Egon Balder
Hugo Egon Balder, wie er leibt und lebt: Der Pionier des deutschen Privatfernsehens wird 60 Jahre alt. Foto: ddp

Köln. Immer wieder „Tutti Frutti” - die kuriose RTL-Ausziehshow aus den Kindertagen des Privatfernsehens wird ihren Moderator Hugo Egon Balder wohl bis in den Ruhestand begleiten. Am Montag wird der Schauspieler, Musiker und TV-Produzent 60 Jahre alt.

Das Format, das ihm den wenig schmeichelhaften Beinamen „Herr der Möpse” einbrachte, war einer der großen Erfolge des gebürtigen Berliners, der auch mit der anarchistischen Tortenschleudersendung „Alles nichts, oder” und als Produzent von „RTL Samstag Nacht” deutsche Fernsehgeschichte geschrieben hat.

Balder wird 1950 im Berliner Stadtteil Schöneberg geboren. Seine Mutter hatte als Jüdin das Konzentrationslager der Nationalsozialisten nur knapp überlebt. Hugo Egon, ihr zweiter Sohn, interessierte sich weniger für die Schule, sondern mehr für Musik. Als 17-jähriger Schlagzeuger gründete er die Band „Birth Control”, die allerdings erst nach seinem Ausstieg zu internationalem Ruhm kommen sollte. Balder nahm Schauspielunterricht und schaffte es sogar auf die Bühne des renommierten Berliner Schillertheaters.

In den 1980er Jahren trat er mit Harald Schmidt im Düsseldorfer Kabarett „Kom(m)ödchen” auf und sorgte als Schlagersänger mit „Erna kommt” erstmals für Aufsehen. Als ab 1988 der neue Privatsender RTL- plus in Köln erste eigene Unterhaltungssendungen produziert, ist Balder mit dabei. Als Moderator von „Alles nichts, oder” und besonders „Tutti Frutti” wird er zu einem der ersten prominenten Gesichter des jungen Senders.

Er selbst habe die Regeln der seinerzeit heftig diskutierten Striptease-Sendung nie ganz verstanden, räumte Balder später freimütig ein. Dass er auch nach rund 20 Jahren immer noch mit dieser Show in Verbindung gebracht werde, nervt ihn aber nicht: „Erstens ist es schon lange her und zweitens freuen sich die Leute immer irgendwie, wenn sie drüber reden können. Außerdem ist es eben ein Teil meiner beruflichen Entwicklung.”

Später folgten noch mehr oder weniger erfolgreiche Sendungen wie „Fata Morgana - die wüste Orientshow”, „Der Tanz-Marathon” oder „Hit-Giganten”. Im Fernsehen ist Balder bis heute ausgezeichnet im Geschäft. So soll es in diesem Jahr neue Folgen der von ihm konzipierten Comedy-Rateshow „Genial daneben” bei Sat.1 geben.

Den Schritt ins seichte Fernsehen habe er bewusst gewählt, betonte er in einem Interview. Das sei auch nichts Schlechtes, wofür man sich schämen müsse. Zudem seien die Rollen für einen Schauspieler um die 30, 40 Jahre „oft nicht so doll”. „Wenn man älter wird, wird es wieder interessanter”, sagte Balder.

Wie ein gealterter Rockmusiker

Heute kokettiert Balder mit kammresistenter Mähne, zerfurchtem Gesicht, Sakko und T-Shirt gerne mit der Rolle des in Würde gealterten Rockmusikers. Eine Figur, die er unlängst überzeugend in einem Kieler „Tatort” verkörperte - zumal er seine musikalischen Ambitionen in den vergangenen Jahren immer gepflegt hat.

Viermal war Hugo Egon Balder verheiratet, immerhin einer Frau ist er seiner Karriere über treu geblieben: Ausgerechnet Hella von Sinnen, mit der er gemeinsam bei „Alles nichts, oder” den Durchbruch geschafft hat. Das so ungleiche Paar scheint sich gesucht und gefunden zu haben. Heute sitzt von Sinnen als Dauergast bei „Genial daneben” und führt mit Balder durch mäßig erfolgreiche Sat.1-Event-Shows. „Er sieht aus wie ein stillgelegter Bergschacht”, sagte von Sinnen bei „Wetten, dass..?” über ihren Weggefährten, der auch durch ein extravagantes Hobby für Schlagzeilen sorgte.

Regelmäßig bucht er Flugstunden im Simulator der Lufthansa. Einen Airbus würde er inzwischen wohl sicher zu Boden bringen, verriet er in Einem Interview.

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