Piloten schlummern, Flugzeug fliegt am Ziel vorbei

Von: Friedemann Diedrichs
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NWA Flug 188 fliegt 240 Kilometer am Ziel vorbei. Haben die Piloten geschlafen? Foto: imago/R.Peters

Phoenix. War es wirklich eine erhitzte Debatte der beiden Piloten? Oder waren sie eingeschlafen - und flogen so 240 Kilometer über ihren Zielflughafen Minneapolis hinaus, bis der Irrtum erkannt wurde?

Eine Auswertung der aufgezeichneten Cockpit-Gespräche des am Mittwochabend in San Diego gestarteten Northwest Airlines-Fluges 188 soll jetzt die Ursache für den spektakulären Vorfall erhellen, bei dem 74 Minuten lang kein Funkkontakt zu dem Jet bestand, was wiederum dazu führte, dass vier Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe in höchste Alarmbereitschaft versetzt wurden.

Die 144 Passagiere an Bord des Airbus A320 bekamen von der Dramatik nichts mit. Erst als nach der verspäteten Landung Polizei an Bord kam, um eine Entführung auszuschließen, erfuhren sie: Die beiden mittlerweile vom Dienst suspendierten Piloten hätten, so behaupten diese, so engagiert über die Arbeitsbedingungen debattiert, dass sie die eigentliche Aufgabe vergaßen, nämlich den Jet in Minneapolis zu landen.

Erst als ein Flugbegleiter sie über die Sprechanlage darauf hinwies, dass die Zeit für die Landung weit überschritten sei, bemerkten die Piloten ihr Versäumnis. Doch Experten stellten bereits den Erklärungsversuch der Cockpit-Crew in Frage. Denn mehrfach hatten Fluglotsen versucht, die Piloten über Funk zu erreichen - unter anderem auch mit einem Gerät, das kaum zu überhören sei.

Zudem zeigten die Airbus-Displays an, dass der Landevorgang einzuleiten sei. Auch seien die Lichter der Millionenstadt Minneapolis deutlich zu sehen gewesen. Passagiere zeigten sich gegenüber TV-Reportern angsichts der Panne erschüttert und schockiert.

„Die Piloten sollen ihre Arbeit tun wie jeder, der sich am Arbeitsplatz befindet”, sagte Andrea Allmon, die als Passagierin an Bord des Fluges war.

Es wäre nicht das erste Mal, dass bei einer US-Fluggesellschaft die gesamte Cockpit-Besatzung während des Dienstes einschläft und damit eine prekäre Lage heraufbeschwört. Im Januar 2008 schlummerten die zwei Piloten an Bord einer „Go!”-Verkehrsmaschine, die auf Hawaii gestartet war, für mindestens 18 Minuten. Der Jet verpasste deshalb ebenfalls seinen Zielflughafen und befand sich über Wasser, als Fluglotsen die Crew aufwecken konnten.

Die US-Transportsicherheitsbehörde NTSB versucht derzeit zu klären, ob ein weiterer Zwischenfall ebenfalls auf Übermüdung zurückzuführen ist. Eine Boeing 767 der Delta Airlines hatte am Montag aus Rio kommend mit 193 Menschen an Bord in Atlanta nicht auf der ihr zugewiesenen Landebahn niedergesetzt, sondern auf einem parallel laufenden Weg für Taxis - der in diesem Moment glücklicherweise frei war. „Hier wurde eine Katastrophe nur knapp vermieden”, so ein US-Luftfahrtexperte.
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