„Paris der Liebe” - Uféras macht ungewöhnliche Hochzeitsfotos

Von: Ulrike Koltermann, dpa
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Wenn der offizielle Fotograf das Paar posieren lässt, dann sucht Gerard Uféras seine eigene Perspektive - etwa auf die Kinder, die die Kuss-Szene kichernd imitieren. Foto: dpa

Paris. Die junge Braut hat sich einen Denkzettel gemacht: Mit einem Filzstift hat sie „oui” (Ja) in ihre Handfläche geschrieben, für den Fall, dass sie vor lauter Nervosität die Antwort auf die zentrale Frage vergessen sollte.

Als sie kurz vor der Trauung noch einmal verstohlen in ihre Hand blickt, schaut Gérard Uféras ihr über die Schulter und hält den Moment mit seiner Kamera fest. Der Pariser Fotograf, der in diesem Jahr eine Ausstellung im Maison Européenne de la Photographie hatte, tingelt derzeit von Hochzeit zu Hochzeit - und macht dabei alles andere als typische Heiratsfotos.

„Ich will Paris in seiner Diversität zeigen, all die verschiedenen Kulturen, die hier zusammenleben”, sagt Uféras, der selber im multikulturellen 18. Arrondissement (Stadtbezirk) wohnt. „Die Bräuche sind unterschiedlich, aber am Ende haben doch alle denselben Traum: sich einen Tag lang aus dem Alltag auszuklinken, um die Liebe und die Familienbande zu feiern”, sagt der 55-Jährige.

Brautpaare zu finden, die sich von ihm fotografieren lassen wollten, war nicht weiter schwierig. Uféras hat E-Mails herumgeschickt und auf gut Glück Leute angesprochen - ein Mädchen, das auf seinem Junggesellinnenabschied durch Paris zog, ein junges Paar, dass sich auf der Hochzeit von Freunden leidenschaftlich küsste und schon die Tage bis zur eigenen Feier zählte. Insgesamt hat Uféras etwa 60 Paare fotografiert und sich ihre Geschichte erzählen lassen.

Meistens gab es zwei Fototermine, die Hochzeit selber und ein paar Wochen später ein Alltagsporträt in der Wohnung oder an einem symbolischen Ort. Ein Paar ließ sich an der Bushaltestelle porträtieren, an der der junge Mann morgens manchmal mehrere Busse vorbeifahren ließ bis endlich der kam, in dem die Unbekannte saß, die er sich so lange nicht anzusprechen traute.

Die Hochzeitsbräuche sind so bunt wie die Pariser Bevölkerung: mit Henna bemalte Hände, Körbe voller Geldscheine, Blumengirlanden, zertretene Gläser, fallende Blütenblätter, romantische Walzer oder erotischer Bauchtanz. Uféras hat unter anderem französische, armenische, jüdische, afrikanische, chinesische und algerische Paare porträtiert. Manche hatten Kinder, eine Braut war hochschwanger. „Eins ist allen gemeinsam”, sagt er, „sie erleben einen Moment außerhalb der Zeit, sie sind glücklich, zusammen zu sein.”

Der Fotograf hat einen Blick für intime Momente, in denen die Porträtierten seine Gegenwart längst vergessen haben. Da ist eine Braut zu sehen, die zwischen Standesamt und Kirche herzhaft in ein belegtes Baguette beißt. Oder ein Bräutigam, der seiner künftigen Frau kurz vor Beginn der Trauung zärtlich eine Freudenträne aus dem Gesicht tupft. „Als ich das Foto gemacht habe, hatte ich selber Tränen in den Augen”, sagt er.

Wenn der offizielle Fotograf das Paar posieren lässt, dann sucht Uféras seine eigene Perspektive - etwa auf die Kinder, die die Kuss- Szene kichernd imitieren, oder auf die weißen Brautschuhe auf dem Pariser Kopfsteinpflaster. Die Ausstellung soll im kommenden Mai unter dem Titel „Paris der Liebe” im Pariser Rathaus zu sehen sein.
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