Palast-Revolution: Großbritannien diskutiert über neue Thronfolge

Von: Annette Reuther, dpa
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Charles
Prinz Charles und Ehefrau Camilla lassen sich feiern.

London. Die „Palast-Revolution” in Großbritannien ist ein Stück näher gerückt: Die britische Regierung erwägt nach mehr als 300 Jahren eine Änderung der Thronfolgeregelung - und der Palast scheint gar nicht so abgeneigt.

Herzstück der geplanten Reform: Frauen sollen künftig das gleiche Recht auf den Thron bekommen wie männliche Königskinder. Außerdem sollen britische Thronfolger künftig Katholiken heiraten dürfen, ohne ihre Anrecht auf den Thron zu riskieren. Wie die Downing Street am Freitag erklärte, sei die Regierung mit dem Buckingham Palast in Gesprächen über entsprechende Reformen.

Zwar ist es ein steiniger Weg, bis es wirklich zu den revolutionären Änderungen kommen könnte. Aber der Palast zeigt immerhin seinen Willen, veraltete Traditionen zu überdenken. Die heutige Grundordnung der Thronfolge des Vereinigten Königreichs, der sogenannte Act of Settlement, existiert seit 1701. Er wurde damals nach der Herrschaft des Hauses Stuart eingeführt, um zu sichern, dass nur noch Protestanten auf dem Thron sitzen können. Doch immer wieder geriet der Act in die Kritik, seit langem wollen Kritiker die Vorschriften entstauben.

So deutlich wie nie zuvor sprach sich der britische Premierminister Gordon Brown auf einer Reise in Brasilien für ein Ende der „Diskriminierungen” in der Monarchie aus. Er deutete an, das Thema mit den Commonwealth-Staaten zu besprechen, wenn diese im November zusammenkommen. „Es gibt ganz klar Probleme damit, dass manche Personen von dem Recht auf die Thronfolge ausgeschlossen sind”, sagte Brown. Diese Probleme müssten nun angegangen werden, auch wenn das Thema sehr komplex sei. „Es gibt keine einfachen Antworten, aber im 21. Jahrhundert erwarten die Leute, dass Diskriminierungen beseitigt werden.”

Die Regelung, dass Thronfolger ihr Anrecht auf den Thron verlieren, wenn sie Katholiken heiraten, ist seit langem umstritten. Nicht selten geben die Partner ihren Glauben auf, um die Position des Thronfolgers nicht zu gefährden. Viele Briten halten es auch für unfair, dass jüngere Brüder ihren älteren Schwestern in der Thronfolge vorgezogen werden. So kommt zum Beispiel Prinzessin Anne, die Tochter von Königin Elizabeth II., erst nach ihren beiden jüngeren Brüdern in der Thronfolge zum Zuge. Auch wäre Elizabeth nie Königin geworden, hätte sie jüngere Brüder gehabt.

Einen Gesetzesentwurf für eine Reform brachte auch der Abgeordnete der oppositionellen Liberaldemokraten, Evan Harris, ins Parlament ein. Der konservative Oppositionsführer David Cameron unterstützt ebenfalls die Pläne. Die Reformpläne stoßen auch beim Volk auf offene Ohren. Eine Umfrage der BBC zeigte, dass fast 90 Prozent der Briten befürworten, dass Frauen in der Thronfolge den Männern gleichgestellt werden. 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Thronfolger auch Katholiken heiraten dürfen.

Jede Reform ist jedoch langwierig und stellt vor allem die Rolle der anglikanischen Church of England infrage, deren Oberhaupt die Queen ist. Eine Änderung benötigt zudem die Unterstützung der 15 restlichen Commonwealth-Staaten, die Königin Elizabeth II. zum Oberhaupt haben. Wie die BBC berichtete, ist vor allem Thronfolger Prinz Charles (60) ein Freund der Änderungen. Diese könnten dann vollzogen werden, wenn er einmal das Amt von seiner Mutter Queen Elizabeth II. übernimmt.
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