„Obamania” hat jetzt auch die arabische Welt erfasst

Von: Anne-Beatrice Clasmann, dpa
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Die Erwartungen an ihn sind in der arabischen Welt groß. Doch US-Präsident Barack Obama begeistert auch viele Menschen in den arabischen Ländern. Foto: dpa

Istanbul/Kairo. Nach den Amerikanern und den Europäern hat die „Obamania” nun auch die Araber erfasst. Dass der neue Präsident der USA an seinem ersten Tag im Weißen Haus gleich versucht hat, die wichtigsten Probleme der arabischen und islamischen Staaten anzugehen, begeistert die Kommentatoren zwischen Riad und Kairo.

Ihre Begeisterung ist so groß, dass einige von ihnen schon vor einer möglichen Enttäuschung warnen, nach dem Motto „Barack Obama ist zu gut, um wahr zu sein”. „Vor den Wahlen in Israel hat er wenig Bewegungsspielraum”, heißt es da und „Er mag tolle neue Ideen haben, aber die Institutionen in den USA haben ein großes Beharrungsvermögen”.

Die überregionale arabische Tageszeitung „Al-Hayat” sieht darin, dass Obama an seinem ersten Arbeitstag gleich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, den jordanischen König Abdullah II. und andere Politiker der Region angerufen hat, erstens einen Beweis dafür, dass es ihm ernst ist mit seinem Versprechen, sich für die Gründung eines palästinensischen Staates einzusetzen.

Der ägyptische Journalist Mohammed Salmawi kommentiert den Wandel im Weißen Haus mit Ironie und einer Spur Neid: „Ich verstehe gar nicht, warum die Amerikaner so glücklich sind. Sie sind in der Lage, ihre Führung auf einen Streich auszutauschen, ganz ohne Beteiligung des Militärs. Sie haben - das möge Gott verhüten - etwas, was man freie Wahlen nennt. Ich hoffe nur, dass sie das nicht in unsere Region exportieren, um unsere Stabilität zu gefährden.”

Vor allem Obamas Ankündigung, das Gefangenenlager Guantánamo zu schließen, hat der arabischen Welt, aus der viele Häftlinge stammen, den Eindruck vermittelt, dass es der Neue in Washington wirklich ernst meint mit der von ihm angekündigten Kehrtwende der US-Außenpolitik. Denn das Gefängnis auf Kuba ist aus Sicht vieler Araber genauso ein Symbol für Ungerechtigkeit wie das irakische Gefängnis Abu Ghoreib, in dem US-Soldaten nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein irakische Häftlinge gequält und gedemütigt hatten.

„Als er über den Islam sprach...sprach er von gegenseitigem Respekt und er drückte seinen Wunsch aus, jedem seine Hand zu reichen, der den Frieden will”, schwärmt Mohammed Salmawi von der unabhängigen ägyptischen Tageszeitung „Al-Masry Al-Yom”. Anders als sein Vorgänger George W. Bush, der die „Verbreitung der Demokratie” als Vorwand für Militärinvasionen benutzt habe, sei Obama bereit, auch im entlegensten Dorf die Freiheit zu verteidigen.

Fanatische Terroristen, die im Namen Gottes Selbstmordanschläge gegen vermeintliche „Ungläubige” planen, teilen die Begeisterung für Obama, der ihnen den Kampf angesagt hat, natürlich nicht. Doch halten es Beobachter in der Region immerhin für möglich, dass der neue Stil im Weißen Haus es für das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden und seine zahlreichen ideologischen Ableger in der arabischen Welt zumindest schwieriger machen könnte, neue „Gotteskrieger„ für den Kampf gegen den Westen zu rekrutieren.

Dass haben die islamistischen Extremisten, die mit dem Ende der Amtszeit von George W. Bush ihr liebstes Feindbild verloren haben, offenbar auch schon gemerkt. Auf jeden Fall warnen sie in ihren Internet-Foren schon davor, Obama zu wichtig zu nehmen. Ihr Slogan lautet jetzt: „Amerika ist der Feind, unabhängig davon, wer Präsident ist”.
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