Nicht zu nah am Zaun campen: Survival-Ratgeber für Musikfestivals

Von: Florian Sanktjohanser, dpa
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Gemeinsam singen und schwitzen: Um nicht auszutrocknen, sollten Festival-Besucher zwei bis drei Liter pro Tag trinken. Foto: dpa

Hamburg/Nürnberg. Spätestens am dritten Tag sieht es meist aus wie in einem Katastrophengebiet. Zwischen den windschiefen Zelten liegen Pappteller mit Essensresten, leere Flaschen und erschöpfte Menschen. Die Füße versinken bei jedem Schritt bis zum Knöchel im Schlammboden, seit es am Vortag geregnet hat.

Über den Zustand der Toiletten wird besser gnädig geschwiegen. Um jetzt noch Spaß zu haben, müssen Besucher von Musik-Festivals vor allem eines sein: gut vorbereitet.

Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet oft bereits der richtige Zeitpunkt der Anreise, sagt Steffen Schneider. Der 37-Jährige fuhr zehnmal in Folge nach Scheeßel zum Hurricane Festival - und zwar meist schon einen Tag vor Beginn.

„Was einem ein Festival richtig versauen kann ist, wenn man zu spät kommt und keinen guten Platz zum Campen mehr findet”, sagt er. Wer sein Zelt zu nah am Zaun aufschlägt, werde bald von einem ständigen Uringeruch umwabert.

Schließlich ist der Zaun das Pissoir jedes Festivals. Und den Unglücklichen direkt an den Wegen laufen die Besuchermassen quasi durchs Vorzelt.

Der perfekte Ort zum Campen liege mitten auf dem Zeltplatz auf einer leichten Anhöhe unter Bäumen, erklärt Schneider. Ihren Schatten weiß jeder zu schätzen, der einmal verkatert nach drei Stunden Schlaf in einem stickig-heißen Zelt aufgewacht ist.

Als Alternative zum kühlenden Blätterwerk eignen sich Pavillons oder gespannte Planen. Unter diesen lässt es sich entspannt grillen und den Besuch der Konzerte am Abend planen. Für das bierselige Nachmittagsfläzen sollten genug bequeme Campingstühlen mitgenommen werden, rät Steffen Schneider: „Um die prügelt man sich.”

Ausreichend sollten auch Getränke vorhanden sein. Und zwar nicht nur in Form von Bierdosen. Denn wer den ganzen Tag in der Sonne herumläuft und zu wenig trinkt, kann rasch „austrocknen”, warnt Stefan Osche. Er leitet dieses Jahr zum sechsten Mal den Einsatz des Nürnberger Roten Kreuzes auf dem Festival Rock im Park. Um die sonst vor allem aus Altenheimen bekannte Exsikkose zu vermeiden, die sich in Müdigkeit, Verwirrung und schließlich Bewusstlosigkeit äußert, trinken Festivalbesucher besser mindestens zwei bis drei Liter nicht-alkoholische Flüssigkeit pro Tag.

Bei den meisten der jedes Jahr durchschnittlich 250 Arzt- und 1500 Sanitätereinsätze bei Festivals würden aber Schnittverletzungen behandelt. Wie die Blumenkinder beim großen Vorbild Woodstock laufen nicht wenige barfuß über das Gelände und zerschneiden sich an Steinen und Scherben die Füße. Osche rät zu festem Schuhwerk, genauso wie Schneider, der für Festivals immer ein Paar robuste Stiefel in seinen Kofferraum wirft. Wenn der große Regen kommt, ohne den kein Festival komplett ist, lasse es sich damit gut durch die zertrampelten Matschbahnen waten, die ehemals Wege waren.

Spätestens wenn es regnet, rächt sich der Kardinalsfehler mancher unerfahrener Besucher, sagt Daniel Kempf, Veranstalter des Immergut Festivals in Neustrelitz: Sie unterschätzten, wie kalt es nachts im Freien wird. Weil es tagsüber warm ist, reisen Sie in T-Shirts und Pullover an - und behelfen sich dann mit einer Mülltüte als Regenschutz. „Wenn es richtig regnet, wird man damit trotzdem patschnass”, sagt Osche. Für diesen Fall lässt Steffen Schneider immer trockene Ersatzkleidung im Auto liegen.

Um von den oft weit entfernten Parkplätzen nicht zu viel zum Zeltplatz schleppen zu müssen, begnügt er sich für ein Wochenende mit Fertig-Pasta vom Campingkocher.

Mit diesem lässt sich morgens auch der Instant-Kaffee aufbrühen. Wer noch anspruchsloser ist, kann den Kochtopf auch zu Hause lassen und sich einfach ein paar Dosen Ravioli in den Rucksack packen - die Tomaten-Weizenpampe lässt sich sogar kalt löffeln. Dazu gibts ein warmes Bier aus der Dose. Authentischer geht es nicht.
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