Neuer Wohntrend: Neues Leben im alten Bunker

Von: Dieter Sell, epd
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Bunker Umbau
Einst scheußliche graue Beton-Ungetüme, werden Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg heute gern gekauft - um sie zu schicken Wohn- und Geschäftshäusern wie im Bild in Hannover umzubauen. Das allerdings erfordert eine Menge Spezialwissen. Foto: ddp

Bremen. Das Fundament ist bombensicher, die Wände des Bunkers mehr als einen Meter dick. „Der Aufenthalt in der Schleuse ist verboten”, mahnt seit Jahrzehnten eine Aufschrift an der Betonwand. Angela Dühring und Hans-Albert Eike wohnen in Bremen in einem ehemaligen Hochbunker vom Typ „F 51” aus dem Jahr 1943.

Wie hier in der Schierker Straße nahe der Weser feiern Architekten in Deutschland mit den Bunkern eine Renaissance der besonderen Art, denn das Interesse an individuell geplanten Wohnungen in den grauen Klötzen steigt.

Bunker stehen in aller Regel zentral in innerstädtisch gewachsenen und dicht bebauten Vierteln, in denen es oft keine freien Bauplätze mehr gibt.

Sie ermöglichen eine Form der Wohnkultur, die mit ihren verwitterten Wänden schon vor mehr als 15 Jahren die Fantasie des Bremer Architekten Rainer Mielke angeregt hat.

„Bunker sind Bauwerke, die sichtbar gealtert sind”, schwärmt der 52-Jährige mit Blick auf Flechten und Moose auf der Fassade. Der Planer und Bauträger hat bereits vier gekauft und richtet gerade in einem efeubewachsenen ehemaligen Schutzraum Proberäume für Musikbands ein.

Dunkel, kalt und feucht - so sieht es nach Auffassung vieler Nachbarn in den Bunkern aus. Außerdem rieche es nach dem Angstschweiß der Menschen, die dort in Bombennächten Schutz gesucht hätten, sind sie überzeugt.

„Nichts davon stimmt”, sagt Angela Dühring, die von einem Gefühl der Geborgenheit hinter dicken Wänden spricht. Das Raumklima sei hier nach einer nachträglichen Dämmung besonders gut, ergänzt Eike: „Im Sommer ist es angenehm kühl und im Winter hält sich die Wärme aufgrund der dicken Mauern gut.”

In Deutschland existieren nach Informationen des Bonner Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe noch 1.947 Zivilschutz-Anlagen. Davon sind 318 Hochbunker wie das Gebäude in der Schierker Straße.

Vor zwei Jahren hat die Bundesregierung ihre Zivilschutz-Bindung aufgehoben. Die Bedrohungslage habe sich geändert, heißt es lapidar. Nun können die Bunker verkauft werden. Früher geschah das nur in Einzelfällen und für wenig Geld.

Nun steigt die Nachfrage und der Preis. Die Riesen kosten schon mal 300.000 Euro, wie ein Bieterverfahren in Bremen kürzlich gezeigt hat.

Damit aus dem Schutzraum ein Wohnraum wird, sind Spezialwissen und ein immenser technischer Aufwand nötig. So dauert es Tage, bis mit diamantbewehrten Seilsägen ein Loch in die meterdicken Wände gefräst ist. Damit großzügige Fensteröffnungen entstehen können, drücken Hydraulikpressen tonnenschwere Betonbrocken heraus, die große Kräne dann abtransportieren.

Dann ist aber erst der Rohbau hergestellt, der ausgebaut werden muss. Trotz der hohen Kosten sind besonders Penthouse-Wohnungen beliebt, die den Bunkern wie eine Krone aufgesetzt werden - Rundumblick über die Dächer der Stadt inklusive.

Mielke gehört zu den ersten Architekten in Deutschland, die sich an die geschichtsträchtigen Betonmassen gewagt haben. Als jugendlicher Bassgitarrist hatte er schon in einem Bunker geprobt.

Mittlerweile wohnt er selbst ganz oben auf einem Beton-Giganten, in den er auch eine Wohnung und eine Galerie für Gegenwartskunst eingebaut hat.

Wie in anderen Großstädten begrüßt auch die Baubehörde in Bremen das neue Leben im alten Bunker. Umgewidmete Immobilien wie der F 51 sind nach Auffassung des zuständigen Referenten Reinhard Viering ein Hingucker und ein willkommener Beitrag für die Stadtentwicklung, auch wenn es planungsrechtlich gelegentlich Schwierigkeiten gibt: „Manche Nachbarn protestieren, weil ihnen dann jemand in den Garten oder in das Haus schauen kann. Aber damit muss man in einer Stadt leben.”

Zur Einweihung in der Schierker Straße wurde auch die 87-jährige Christel Vogt eingeladen, die als junge Mutter mit zwei kleinen Kindern lange Nächte im F 51 verbracht hat. „So was vergisst man nicht”, sagt sie.

Ein Leben lang blickt sie nun schon auf das Ungetüm vis-a-vis. Erst wollte sie die neu geschaffenen Wohnungen gar nicht betreten. Doch sie gab sich einen Schubs und ist nun begeistert: „Ich bin erstaunt und finde es toll, was aus dem Bunker geworden ist. Das war immer ein grauer Klotz. Jetzt ist Leben drin.”
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