Multitalent Wohnzimmer: Hier kommt alles zusammen

Von: Sandra Cantzler, dpa
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Wohnzimmer
Ob mit Farben oder einem flauschigen Teppich: Im Wohnzimmer sollten die einzelnen Bereiche definiert werden. Foto: dpa

Hamburg. Sonntags gediegen auf dem Sofa sitzen und eine Tasse Kaffee trinken: Das reicht heute schon lange nicht mehr. Modernes Wohnen stellt an das Wohnzimmer viele Erwartungen. Die gute Stube muss ein wahres Multitalent sein, in dem sich ausgeruht, gespielt, gelesen, ferngesehen und manchmal auch gearbeitet wird.

Das alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach - und das Wohnzimmer dabei auch noch gut aussehen zu lassen, gleicht einem kleinen Kunststück.

Das braucht ein Wohnzimmer

Sofa, Couchtisch, Regal: Im Wohnzimmer können jede Menge Möbel stehen, müssen es aber nicht. Was gebraucht und gewollt wird, ist noch stärker als in anderen Räumen eine individuelle Angelegenheit. „Als Vegetarier kann ich ja auch ohne Fleisch die tollsten Gerichte kochen - weshalb sollte also im Wohnzimmer unbedingt eine Couch stehen müssen”, sagt die Wohnexpertin Katharina Semling aus Oldenburg.

„Wichtig ist es, ein Thema zu haben. Was ist die Aussage des Raums? Da verzetteln sich die meisten”, so Semling weiter. Mitbringsel aus diversen Urlauben verstauben im Regal, dazu kommen im Laufe der Jahre zusammengesammelte Möbel und Accessoires, die nicht wirklich zusammenpassen.

In einer Ecke Afrika, in der anderen Asien, dazu vielleicht ein Familienerbstück und ein paar Neuerwerbungen aus dem Einrichtungshaus: Daraus entsteht in Ausnahmefällen ein gelungener Mix, meist aber nur ein Eintopf mit zuvielen Zutaten.

Einrichtungsprofis wie Constanze Köpp vom Unternehmen „Wohnkosmetik” in Hamburg raten deshalb immer auch zum Loslassen. Weniger ist mehr und Sauberkeit die Basis, so die Expertin.

Wenn zum Beispiel nach dem Marokko-Urlaub etwas nordafrikanisches Flair im Wohnzimmer einziehen soll, heißt das für die Buddha-Figuren und die Seidenkissen aus dem Thailand-Aufenthalt: Es ist Zeit zum Ausziehen. Entweder werden solche besonderen Accessoires dann in Kisten zwischengelagert, oder sie wandern vielleicht gleich auf den Flohmarkt.

Schritt zwei: Feste Bereiche schaffen

Je mehr sich im Wohnzimmer abspielt, desto wichtiger ist es, die einzelnen Bereiche genau zu definieren, rät die Innenarchitektin Katharina Dobbertin aus Hamburg.

„Den Lounge-Bereich kann man zum Beispiel mit einem hochflorigen, kuscheligen Teppich unter dem Sofa vom funktionalen Bereich abteilen.”

Steht auch ein Esstisch im Wohnzimmer, sei es wichtig, ihn so zu stellen, dass beim Sitzen auf dem Sofa nicht immer direkt der Blick darauf fällt.

Grundsätzlich gehe die Tendenz derzeit zu einer sehr aufgeräumten Atmosphäre. Arbeitsplätze im Wohn- oder Schlafzimmer gehen deshalb aus Dobbertins Sicht gar nicht: „Sonst kann man nicht abschalten.”

Doch was tun, wenn sich aus Platzmangel keine andere Lösung anbietet? „Wird im Wohnzimmer auch gearbeitet, würde ich mit einem Regal für eine Trennung der Bereiche sorgen”, empfiehlt Köpp.

Viele befürchten, dass der Raum dadurch kleiner wirkt. Das sei aber in der Regel nicht der Fall. Allerdings gebe es auch Wohnzimmer, in denen eine derartige Lösung nicht passt. Wird das Wohn- nachts zum Schlafzimmer, würde Köpp den Schlafbereich immer mit einem Paravent abschirmen - oder zumindest mit einer großen Palme.

Schritt drei: Licht gekonnt einsetzen

Die Möbel sind liebevoll ausgewählt worden, die Accessoires genau darauf abgestimmt - und trotzdem wirkt der Raum nicht. Schuld daran ist oft das falsche Licht. „Deckenleuchter sind im Lounge-Bereich fehl am Platz”, warnt Katharina Dobbertin. Stattdessen empfiehlt sie im Wohnbereich gedämpftes Licht aus mehreren Quellen, am besten von Stehlampen.

Schritt vier: Was besser vermieden wird

Auf dem Sofa liegen Kuscheltiere, im Bücherregal Puzzles, und den Fernseher zieren Spielzeugautos: In Familien verwandelt sich das Wohnzimmer im Laufe der Zeit häufig in ein Kinderzimmer, stellt Constanze Köpp bei ihren Kunden immer wieder fest. Natürlich dürfe man dem Wohnzimmer anmerken, dass es Kinder im Haushalt gibt. „Aber häufig vermischt es sich zu sehr”, so Köpp.

Da die Erwachsenen aber genau wie der Nachwuchs ihren eigenen Bereich brauchen, sollten Kinder rechtzeitig lernen, auch in ihrem Zimmer zu sein. Und Eltern sollten die anwachsenden Spielzeugberge im Wohnzimmer konsequent abtragen.

Außerdem gelte: Nicht zu viel auf einmal wollen - auch wenn das Wohnzimmer als Vorzeigeraum der Wohnung dazu verlockt. „Wohnen ist schwierig zu erklären”, sagt Katharina Semling. „Man kann es sich aber vorstellen wie beim Schminken: Betonen Sie eine Sache, mehr kann kein Auge erfassen. Andere Dinge müssen sich dann dem Hingucker unterordnen.”
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