Zeeland - Mit Unmengen Sand gegen die Sturmflut

Mit Unmengen Sand gegen die Sturmflut

Von: Yvonne Charl
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Baggern statt baden: In Zoutelande sind die Sandaufspülungen seit März im Gange und sollen am 1. Oktober enden. Montags bis freitags wird von 7 bis 19 Uhr gearbeitet, die Dünenübergänge sind während dieser Zeiten gesperrt. Foto: Yvonne Charl

Zeeland. Bauzäune versperren den Blick aufs Meer, Bagger arbeiten sich die Dünen entlang. Geröll und Baustellenlärm prägen diesen Sommer den Strand in Zoutelande auf Zeeland. Wer von der Promenade aus zum Strand rüber möchte, hat keine Chance: Tagsüber sind alle Übergänge gesperrt.

Noch bis Dezember soll das so weitergehen. Denn die Niederlande rüsten sich gegen den Klimawandel und damit möglicherweise einhergehende Sturmkatastrophen. Nicht nur Zoutelande ist betroffen, auch an den Stränden bei Breskens und auf Texel wird es teilweise ungemütlich. Über zwölf Millionen Kubikmeter Sand werden an der holländischen Küste vom Meeresgrund abgetragen und über Rohrleitungen an den Strand gepumpt und von Bulldozern verteilt - allein zwischen Zoutelande und Westkapelle sind es 6,2 Millionen Kubikmeter.

Sorge vor der Katastrophe

Hintergrund ist ein Gutachten einer von der niederländischen Regierung beauftragten Deltakommission aus dem September 2008, das bis 2100 einen Anstieg des Meeresspiegels zwischen 0,65 und 1,3 Metern erwartet. Für die Niederländer eine möglicherweise folgenreiche Prognose: Ungefähr die Hälfte des Staatsgebiets liegt weniger als einen Meter über dem Meer, ein Viertel sogar unter dem Meeresspiegel. Zwar würden die meisten Deiche dem Anstieg des Meeresspiegels durchaus standhalten, Sturmfluten könnten aber trotz der umfangreichen Deltaprojekte aus dem vergangenen Jahrhundert zur Katastrophe werden. Laut Expertenkommission entsprechen 30 Prozent der Deiche an Flüssen und Küste nicht den Sicherheitskriterien, die in den sechziger Jahren - nach der verheerenden Flutkatastrophe von 1953 - aufgestellt worden sind. Hinzu kommt, dass Flutschutzwälle und Deiche an Rhein und Maas zwar Überflutungen im Inland verhindern, im Mündungsdelta der Flüsse aber zu höheren Pegelständen führen.

Als Gegenmaßnahmen schlägt die Kommission unter anderem eine Vorverlagerung der Küstenlinie um bis zu 1000 Meter durch Sandaufschüttungen und einen Um- und Ausbau von Sturmflutwehren vor. Insgesamt soll ein zehnfach höherer Schutz als heute erreicht werden - bei einem Investitionsvolumen von 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro pro Jahr bis 2050. Wie ernst die Regierung in Den Haag den Bericht der Kommission nimmt, zeigen die bereits kurzfristig für dieses Jahr begonnen Küstenschutzmaßnahmen auf Zeeland. Die Wasserbaubehörde „Rijkswaterstaat” versucht, den Großteil der Sandaufspülungen also unter Wasser vorzunehmen. Dabei bringt ein so genannter Hopperbagger Sand vom Meeresgrund bis kurz vor die Küste, damit dort eine schützende Sandbank entsteht, an der sich die Wellen brechen. Die Strömung transportiert dann den Sand allmählich näher an die Küste. Doch das reicht nicht aus. Zusätzlich muss mit Baggern und Bulldozern Sand an den Stränden aufgeschüttet werden, um die Dünen zu verstärken - laut Wasserbaubehörde mit größtmöglicher Rücksicht auf Pflanzen und Tiere, vor allem auf die Brutstätten der Vögel.

Arbeiten seit März im Gange

Die Arbeiten auf Texel und bei Breskens beginnen erst im September und sollen bis Dezember beendet werden. In Zoutelande sind die Sandaufspülungen seit März im Gange und sollen am 1. Oktober enden. Montags bis freitags wird von 7 bis 19 Uhr gearbeitet, ein Teil der Dünenübergänge ist während dieser Zeiten gesperrt, der Strand aber weiterhin erreichbar, so dass man problemlos am Strand entlang spazieren kann. In der Hauptferienzeit zwischen 13. Juli und 16. August wird nicht gearbeitet, der Strand also auch von der Promenade aus wieder zugänglich sein.

Neben dem Küstenschutz gewinnen aber auch neue architektonische Wege immer mehr Anhänger in den Niederlanden. „Waterwoningen” ist das Stichwort - mit dem Wasser leben, statt es zu bekämpfen, lautet die Devise. Das Architekturbüro Waterstudio.NL hat sich zum Beispiel auf Amphibienbauten spezialisiert. Sie sind mit Bügeln an Stahlpfeilern befestigt und bewegen sich je nach Wasserstand nach oben oder unten, selbst bei Sturm sollen die Wasserwohnungen kaum ins Schwanken geraten. Nach dem Vorbild der künstlichen Inseln von Dubai könnten so nicht nur Wohnungen, sondern auch schwimmende Restaurants, Wohnkomplexe, Parkhäuser und Kirchen entstehen. In Amsterdam gibt es bereits Prototypen, die als Musterhäuser besichtigt werden können. Visionäre sehen die Niederlande schon als „Hydrometropole” auf dem Wasser - doch auch diese würde nur mit einer stabilen Küste funktionieren.

Kino-Film über die Sturmkatastrophe von 1953

Im Herbst kommt der neue Film „De Storm” vom niederländischen Regisseur Ben Sombogaart über die Sturmkatastrophe von 1953 in die Kinos. Sylvia Hoeks und Barry Atsma spielen in den Hauptrollen. Premiere ist am 17. September 2009 beim Festival „Film by the Sea” in Vlissingen.

Sombogaarts Projekt „Der Junge, der nicht mehr sprechen wollte” wurde 1996 von Unicef in Berlin ausgezeichnet und erhielt unter anderem Preise auf den Filmfestivals von Cannes und San Francisco. Höhepunkt seiner bisherigen Karriere ist die Oscarnominierung für „Die Zwillinge”.
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