Mit ungewöhnlichen Aktionen gegen Kaugummispucker

Von: Michael Bosse, ddp
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Marcus Sonntag/ Kaugummi
Das Thema, mit dem sich Marcus Sonntag in seiner Abschlussarbeit an der Bergischen Universität Wuppertal befasst hat, liegt wirklich auf der Straße. Oder - um genauer zu sein - es klebt dort. Der 28-jährige Kommunikationsdesigner setzt sich in seiner 380-seitigen Diplomarbeit mit der Frage auseinander, wie Bürger dazu gebracht werden können, ihre Kaugummis nicht auf die Strasse auszuspucken, sondern in Mülleimern zu entsorgen. Foto: ddp

Wuppertal. Das Thema, mit dem sich Marcus Sonntag in seiner Abschlussarbeit an der Bergischen Universität Wuppertal befasst hat, liegt wirklich auf der Straße. Oder - um genauer zu sein - es klebt dort.

Der 28-jährige Kommunikationsdesigner setzt sich in seiner 380-seitigen Diplomarbeit mit der Frage auseinander, wie Bürger dazu gebracht werden können, ihre Kaugummis nicht auf die Straße auszuspucken, sondern in Mülleimern zu entsorgen.

„In Städten wie Wuppertal oder Köln sieht man das Problem sofort, wenn man auf die Straßen schaut - vor allem an Bushaltestellen, auf Schulhöfen, vor Gaststätten oder Kinos finden sich viele Kaugummis”, erklärt der Diplom-Kommunikationsdesigner. Das sind nicht nur unschöne, sondern auch dauerhafte Verunreinigungen.

Schließlich dauert es gut „fünf Jahre, bis ein Kaugummi von selbst verschwindet”, erklärt Sonntag. Für die Entfernung können nach Berechnungen der Zeitschrift „New Scientist” bis zu drei Euro zu Buche schlagen - pro Kaugummi wohlgemerkt. Die Entfernung von Kaugummi kostet die Kommunen in Deutschland nach Recherchen von Sonntag jährlich etwa 900 Millionen Euro.

„Da lässt sich ja vielleicht doch einiges sparen”, sagte sich der 28-Jährige und machte sich an die Entwicklung einer Kommunikationsstrategie, die die Bürger auf das Problem aufmerksam machen soll. Insgesamt 105 Kommunikationskonzepte mit 163 Plakaten, zwölf Konzepte für den Straßenbelag und 22 Entwürfe zur Gestaltung von Mülleimern fertigte er an.

So gestaltete der Kommunikationsstratege zum Beispiel Piktogramme, die auf Zebrastreifen aufgebracht werden können und die ein Männchen zeigen, das seinen Kaugummi in einen Müllkorb wirft.

Bei den Plakaten entwickelte er ganz unterschiedliche Formen der Ansprache: Da werden platt gedrückte Kaugummis in wenig appetitlicher Nahaufnahme gezeigt, auf anderen Plakaten überwiegt eher der Textanteil und es werden Informationen zu den Auswirkungen der Kaugummiverunreinigung dargestellt. Und auf einem Plakat ist eine Frau mit Reitgerte zu sehen, die erklärt: „Ich hab was gegen Kaugummispucker.”

Sonntag hofft auf die baldige Erprobung seiner Strategien in der Praxis. Mit der Stadt Wuppertal befinde er sich bereits in Kontakt, sagt er. Das bestätigt auch der Werkleiter beim Eigenbetrieb Stadtreinigung, Michael Drecker. „Kaugummientfernung ist ein Fass ohne Boden. Das ist eine sehr aufwändige Arbeit”, erklärt Drecker. Deshalb wolle er sich mit Sonntag treffen, um mögliche Strategien zu besprechen.

Ob die dann allerdings erfolgreich sind, da hat der Leiter der Stadtreinigung durchaus seine Zweifel. „Wir haben schon in den 90er Jahren gemeinsam mit Professor Schmitz mehrere Kommunikationskampagnen zur Müllvermeidung gefahren. Wirkliche Nachhaltigkeit haben wir damit aber nicht erreicht”, gesteht er. Sonntag ist dennoch überzeugt, dass seine Konzepte etwas bewirken können. Witzig sein und überraschen sollen die Plakate.

„Ich experimentiere gerne mit Ausdrucksmitteln. Das Plakat muss vor allem Aufmerksamkeit erregen”, unterstreicht er. Dabei hat Sonntag selbst kein gestörtes Verhältnis zum Kaugummi. Er kaue regelmäßig, allerdings entsorge er anschließend auch fachgerecht, betont er. Nach seinem Uni-Abschluss im vergangenen Jahr arbeitet der 28-Jährige in einer Agentur für visuelle Kommunikation.

Seine Abschlussarbeit soll im April als beispielhafte Projektarbeit im Lehrgebiet visuelle Kommunikation/Prof. Hans Günter Schmitz in Buchform erscheinen. Zudem wurde die Abschlussarbeit von Type Directors Club New York mit dem „Certificate of Typographic Excellence” ausgezeichnet.

Ausspucken von Kaugummis kann teuer werden

Das Ausspucken von Kaugummis in der Öffentlichkeit wird im Ausland mit zum Teil sehr rigiden Geldstrafen geahndet. Bekannt geworden für seinen harten Kurs gegen Kaugummispucker ist vor allem der asiatische Stadtstaat Singapur. Dort wird das Ausspucken der Kaugummis mit rund 1000 Singapur-Dollar (etwa 500 Euro) bestraft.

Rund 500 US-Dollar drohen für dasselbe Vergehen in der Weltmetropole New York, wie der Wuppertaler Kommunikationsdesigner Marcus Sonntag erklärte. Sonntag hatte sich in seiner Diplomarbeit mit Strategien gegen die Verunreinigung durch ausgespuckte Kaugummis befasst.

In Singapur gab es nach seinen Angaben zwölf Jahre lang überhaupt keine Kaugummis zu kaufen. Mittlerweile könnten sie allerdings zumindest in Drogerien oder Apotheken erstanden werden. Vergleichsweise moderat sind die Geldstrafen in Deutschland, wo nach Berechnungen von Statistikern rund acht Prozent der Bevölkerung regelmäßig Kaugummi kauen. Dort wird das Vergehen je nach Kommune mit durchschnittlich 10 bis 25 Euro geahndet. Für Wiederholungstäter kann die Strafe aber deutlich angehoben werden.
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