Mit dem Brautkleid im Dreck: Hochzeitsfotos der anderen Art

Von: Ina vom Hofe, dpa
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Mit dem Brautkleid im Dreck - Hochzeitsfotos der anderen Art
Für ein Foto-Shooting bewirft die Braut Kathy (r) ihren Mann Michael Weber (l) in Windeck mit einem Backstein. Kathy und Michael Weber befinden sich in einer alten Fabrikhalle im Bergischen Land. Vor wenigen Wochen standen die beiden noch vor dem Traualtar. Nun schleppt Kathy Weber im Brautkleid zwischen Schutt und Asche Backsteine hin und her - freiwillig. Der aus den USA kommende Trend „Trash the dress” - übersetzt „Zerstör dein Kleid” - hat mit klassischer Hochzeitsfotografie wenig zu tun. Foto: dpa

Köln. Kaputte Stühle, Backsteine, zersplitterte Glasfenster auf dem Betonboden und mittendrin ein Brautpaar. Sie trägt ein weißes Kleid mit Schärpe und cremefarbene Schuhe. Er hat einen schwarzen Anzug und eine gestreifte Krawatte an. Kathy und Michael Weber befinden sich in einer alten Fabrikhalle im Bergischen Land.

Vor wenigen Wochen standen die beiden noch vor dem Traualtar. Nun schleppt Kathy Weber im Brautkleid zwischen Schutt und Asche Backsteine hin und her - freiwillig. Ab und zu erklingt ein Zwischenruf: „Das ist gut, wirf den Backstein ruhig. Michael, du kannst ihr helfen.” Das Brautpaar macht ein „Trash the dress”- Shooting.

Der aus den USA kommende Trend „Trash the dress” - übersetzt „Zerstör dein Kleid” - hat mit klassischer Hochzeitsfotografie wenig zu tun. Hochzeitsbilder im Park mit roten Rosen, weißer Kutsche oder Porträts vor romantischer Kulisse gibt es hier nicht - brennende, ölverschmierte oder bunt bepinselte Hochzeitskleider dagegen schon. Als Erfinder des Trends gilt der amerikanische Fotograf John Michael Cooper aus Las Vegas. Möglich ist dabei fast alles. Eine Idee für die Braut, die sich was traut. Ob auf dem Golfplatz, am Strand, im Meer, im Swimmingpool oder eben in einer alten Fabrikhalle der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Nachfrage nach Foto-Shootings dieser Art nimmt mittlerweile auch in Deutschland zu. Einer der ersten deutschen Fotografen, der so etwas angeboten hat, ist der Hamburger Sascha Moll. Seit Anfang 2007 fotografiert er Bräute beim „Trash the dress”. Die Fotoaufnahmen verlaufen jedes Mal ganz unterschiedlich: „Ich hatte schon Bräute, die wollten ihr Kleid nicht wieder mitnehmen”, sagt Moll. Viele Damen seien aber noch etwas zurückhaltend beim Malträtieren ihres Festgewands.

„Die Leute wollen verrückte Fotos, aber die Kleidung soll oft nicht zerstört werden”, bestätigt auch Fotografin Ulrike Buch, die von den Webers zum „Trash the dress”-Shooting engagiert wurde. Die 26-jährige Kathy Weber stimmt zu: „Kaputt gehen soll das Kleid nicht. Dafür war es dann doch etwas zu teuer. Aber dreckig werden kann es schon.”

Das Fotografenpaar Angela Krebs und Ole Radach hat den Trend daher solchen Wünschen angepasst. Es bietet etwas harmlosere „After Wedding-Shootings” an, denn „Trash the dress” treffe in Deutschland nicht den Geschmack der Masse. „Uns geht es nicht um die Zerstörung, sondern um schöne Fotos. So haben die Bräute noch einmal die Gelegenheit, ihr Kleid anzuziehen”, sagt Radach.

Das war auch ein Grund für die ungewöhnlichen Hochzeitsbilder bei Kathy Weber: „Bei der Hochzeit war ich so aufgeregt. Jetzt bin ich entspannter. Ich genieße es, das Kleid wieder zu tragen.” Die Fotos sollen Teil einer Galerie im neuen Heim des jungen Ehepaars werden. „Dafür wollten wir nicht die klassischen Hochzeitsfotos, das war uns zu langweilig”, sagt der 30-jährige Michael Weber. Die frisch gebackene Ehefrau bringt ihr Kleid nach dem Shooting erst einmal in die Reinigung. Was danach mit dem Dress geschieht, ist noch nicht sicher: „Vielleicht gebe ich das Kleid innerhalb der Familie weiter. Vielleicht behalte ich es auch. Aber es ist ein gutes Gefühl, dass es nicht zerstört ist”, meint sie.
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