Merkel-Tours: 7-Tage-Reise, Überraschungen inklusive

Von: Kristina Dunz, dpa
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Rom. Die Bundeskanzlerin kann nun wohl jedem Reisebüro Konkurrenz machen. „Merkel-Tours: In 7 Tagen um die halbe Welt - Überraschungen inklusive”, wäre ein treffender Slogan. Als Angela Merkel (CDU) am 12. April in Berlin gestartet war, konnte sie nicht ahnen, dass sich ihrer USA-Reise ein Europa-Trip anschließen würde.

„So etwas ist mir noch nie passiert”, sagte die Regierungschefin mit einer Portion Ungläubigkeit in Lissabon, bevor sie am Samstag nach Rom weiterflog. Zur Begrüßung in Italien erhielt sie einen Anruf von Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

Der Vulkanausbruch in Island, durch den sich eine Aschewolke über Teile Europas ausbreitete und mehrere Länder zur Sperrung ihrer Lufträume genötigt wurden, verhinderte Merkels für Freitag geplante Rückkehr nach Berlin. Die Kanzlerin ließ sich die Laune dennoch nicht verderben. Regieren kann sie auch per Handy und vom Ausland aus.

Wichtig war, dass sie überhaupt erst einmal von San Francisco nach Europa kam, weil gleiche Zeitzonen das Telefonieren vereinfachen. Denn an der Westküste Amerikas gehen die Uhren nun einmal ganz anders - der Zeitunterschied beträgt neun Stunden.

In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon nutzte die Kanzlerin einen halbwegs freien Freitagabend im Ritz-Hotel, um nach dem anstrengenden USA-Aufenthalt mittels Schlaf wieder Kraft zu tanken und den Jetlag zu überwinden. Beim Weiterflug nach Rom präsentierte sich dann eine bereits erholt wirkende und zu Scherzen aufgelegte Kanzlerin.

Sie war hocherfreut, dass Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen aus Madrid nach Lissabon gekommen war. Er hatte in der spanischen Hauptstadt in Vertretung für den erkrankten Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an der EU-Finanzministerkonferenz teilgenommen und wegen der gestrichenen Flüge nach Deutschland die Chance ergriffen, sich der Delegation der Kanzlerin anzuschließen. Damit war seine Rückkehr eher garantiert. Für Merkel war es ein willkommener Nebeneffekt der Reise-Odyssee, mit ihm über die Finanzkrise in Griechenland und die Pläne der EU-Kommission beraten zu können.

Von Rom ging es schließlich nach Bozen in Südtirol zu einer weiteren Übernachtung. Merkel vorneweg in einer gesicherten Limousine, die 60-köpfige Delegation im Bus hinterher. Irgendwann am Sonntag sollten alle dann tatsächlich wieder Berlin erreichen. Ihre Rückreise von San Francisco hätte dann über 60 Stunden gedauert.

Für jene Männer unter den Mitreisenden, deren Kinder an diesem Sonntag Konfirmation oder Kommunion hatten, wurde noch nach Mittel und Wegen gesucht, wie sie in der Nacht von Bozen aus aufbrechen könnten, um am Vormittag in der Kirche ihres Heimatortes zu sein. Für den Fall der verspäteten Ankunft gab Merkel persönlich signierte Autogrammkarten für die Kinder mit - quasi als höchstregierungsamtliches Entschuldigungsschreiben für ihre Väter.

Ob Merkel an der Trauerfeier für den vor einer Woche über Russland mit dem Flugzeug abgestürzten polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski teilnimmt, wollte sie in der Nacht zum Sonntag mit Blick auf aktuelle Zeit- und Reisemöglichkeiten entscheiden.

Mehrfach wurde die Frage gestellt, ob es wirklich keine Chance gegeben habe, pünktlich nach Berlin zurückzukommen. Wie es hieß, hatte bei dem Entschluss, Lissabon anzusteuern, nicht nur die Aschewolke eine Rolle gespielt. Vielleicht hätte diese eine Landung in München bereits am Freitag sogar noch nicht einmal verhindert. Doch die Piloten der Regierungsmaschine hätten dann wohl ihre zulässige Höchstflugzeit überschritten. Das hätte Merkel nicht unterstützt. Sie will jeden Eindruck vermeiden, dass sie die Piloten unter Druck setzen würde.

Dass sie selbst als Kanzlerin nur über weite Umwege an ihren Amtssitz zurückkommt, nahm Merkel gelassen. Sie erschien auch nicht besorgt, weil sie ihren Wahlkampftritt als CDU-Vorsitzende am Samstag in Neuss zur Unterstützung von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai nicht erreichen konnte. In NRW stehen die Erfolgsaussichten der CDU zwar spitz auf Knopf. Doch dieser einzelne Auftritt in Neuss wäre wohl auch nicht entscheidend gewesen.

Merkel war wichtig, dass sie zu Beginn der Arbeitswoche wieder in Berlin ist: „Dann ist doch alles gut.”
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