Osnabrück - Mehrere Bomben entschärft: Über 15.000 Menschen evakuiert

Mehrere Bomben entschärft: Über 15.000 Menschen evakuiert

Von: ddp
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Osnabrück
Lagebesprechung in Osnabrück. Zwei der Weltkriegsblindgängern müssen gesprengt werden.

Osnabrück. Elfriede Frankenberg sitzt in der Aula des Osnabrücker Gymnasiums „In der Wüste”. Wie rund 100 weitere Menschen wartet die 73-Jährige am Sonntag hier seit Stunden auf die erlösende Nachricht, dass die in der Weststadt entdeckten Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft wurden und sie wieder zurück in ihre Wohnung kann.

Durch den Raum zieht der Duft von Bohneneintopf. Beim gemeinsamen Essen kommen die Menschen miteinander ins Gespräch.

Vor knapp 64 Jahren habe sie hier nicht so friedlich gesessen, erinnert sich die rüstige Dame. „Damals, genauer gesagt am Palmsonntag 1945, war ich in Osnabrück mit meiner Mutter und meinen vier Geschwistern auf der Flucht vor den Bomben der Alliierten”, berichtet die Frau, die damals zehn Jahre alt war. Sie könne sich noch genau an diesen zunächst sonnigen Frühlingstag erinnern.

Dann habe die Bombardierung begonnen: „Die Brandbomben flogen direkt über uns rüber!” Am Stadtrand habe sich die Familie schließlich in einem kleinen Haus in Sicherheit gebracht. Nach dem Angriff habe sich in der Stadt umgesehen. Osnabrück habe noch tagelang gebrannt.

2518 Sprengbomben, 35 Luftminen, 1500 Brandbomben und rund 200.000 Stabbrandbomben zerstörten am 24. März 1945 in nur 27 Minuten 2820 Wohnhäuser in Osnabrück. Der Heimatautor Wido Spratte hielt die damaligen Geschehnisse später in seinem Buch „Im Anflug auf Osnabrück” fest. 175 Menschen starben, 244 wurden verletzt, rund 15 000 Menschen wurden obdachlos.

Mehr als sechs Jahrzehnte später wurden bei Untersuchungen aus der Luft im Gebiet einer ehemaligen Wohnsiedlung der unlängst abgezogenen britischen Streitkräfte fünf Blindgänger entdeckt. Um die Bomben zu entschärfen, mussten am frühen Sonntagmorgen etwa 15 000 Osnabrücker aus der Weststadt ihre Wohnungen verlassen. Es habe sich um die größte Evakuierungsaktion seit Kriegsende gehandelt, sagt ein Stadtsprecher.

Insgesamt waren 1000 Einsatzkräfte aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Auch die Patienten von zwei Krankenhäusern wurden in sieben Ausweichkliniken der Region verlegt. Bewohner eines Seniorenheimes mussten für Stunden ihre Quartiere verlassen. Zeitweise wurde auch der nach Westen führende Zugverkehr unterbrochen.

Schon am Samstag hatte sich herausgestellt, dass eine der Bomben bereits zerschellt war und problemlos entsorgt werden konnte. Zwei weitere Blindgänger wurden am Sonntagnachmittag durch Sprengmeister Thomas Gesk und sein Team entschärft.

Die beiden anderen 250-Kilogramm-Bomben, die nur wenige Meter voneinander entfernt im Erdreich lagen, waren aber ein Problem, wie ein Feuerwehr-Sprecher sagte. Eine von ihnen sei mit einem Säurezünder versehen und weder zu entschärfen noch zu transportieren gewesen.

Und auch die Entschärfung des anderen Sprengkörpers, dessen Zünder verformt gewesen sei, wäre ein unkalkulierbares Risiko für die Sprengstoffexperten gewesen.

So blieb nur die kontrollierte Sprengung, die am frühen Abend erfolgte. Ob die Sicherheitspolster aus Strohballen und Sandsäcken verhinderten, dass bei der Detonation benachbarte Gebäude Schäden erlitten, wird sich vermutlich erst am Montag bei Tageslicht herausstellen. Nach der Entwarnung sollten Elfriede Frankenberg und die anderen von der Evakuierung betroffenen Menschen am Abend wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.
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