Mehr Bart bitte: In Oberammergau tritt der Haar-Erlass in Kraft

Von: Katharina Wiechers, ddp
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Die bekanntesten Passionsspiele der Welt gibt es in Oberammergau, aber auch in anderen bayrischen Orten wie hier in Neumarkt wird regelmäßig des Leidens Christi gedacht - unter reger Beteiligung von Laiendarstellern aus dem Volk. Foto: ddp

Oberammergau. „Ab Aschermittwoch, 25.02.2009, bitten wir Sie, sich die Haare wachsen zu lassen. Für die Männer gilt das Gleiche auch für Bärte.» Diese merkwürdig anmutende Aufforderung ist eine offizielle amtliche Bekanntmachung, die in Oberammergau alle zehn Jahre veröffentlicht wird.

Denn alle zehn Jahre werden in der oberbayerischen Gemeinde die weit über die Grenzen des Freistaats hinaus bekannten Passionsspiele aufgeführt.

Und das bedeutet dann Ausnahmezustand - eineinhalb Jahre lang. Es geht los am Aschermittwoch, wenn Bürgermeister Arno Nunn zusammen mit dem Spielleiter Christian Stückl den „Haar- und Barterlass” ausruft. Alle, die bei der Passion mitwirken wollen, dürfen sich ab diesem Tag weder Bart noch Haare schneiden.

Dieses Jahr werden das 2500 Oberammergauer sein, also knapp die Hälfte aller Einwohner.

„Nach dem Aschermittwoch wird schon der ein oder andere Kunde fehlen”, fürchtet Gabriele Daisenberger, die Besitzerin des ältesten Friseursalons in Oberammergau. Und auch in den Tagen vor dem Stichtag herrscht kein Ansturm.

Vielmehr gibt es da zwei Gruppen. „Die einen kommen, um sich die Haare noch einmal so richtig schön kurz schneiden zu lassen, die anderen sagen, sie lassens gleich, sie müssens ja eh wachsen lassen”, berichtet die Friseurin.

Doch spätestens am 3. Oktober 2010 wird Daisenberger wieder für alles entschädigt: Am letzten Tag der fast fünf Monate dauernden Passionsspiele ist der Salon traditionell komplett überlaufen.

Erst dann dürfen die Mitwirkenden nach eineinhalb Jahren endlich wieder Haare und Bart schneiden lassen. „Das ist zwar immer ein Sonntag, aber da haben wir natürlich trotzdem auf. Das ist Ehrensache!”, sagt sie.

Seinen Ursprung hat das „Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen des Herrn Jesus Christus” bereits im 17. Jahrhundert. Die Pest hatte die Oberammergauer fest in der Hand, als sie 1633 ein Gelübde ablegten: Alle zehn Jahre würden sie die Passion spielen, sollte das Pestleiden ein Ende haben.

Der Überlieferung nach forderte die Krankheit ab diesem Zeitpunkt keine neuen Opfer mehr.

2010 werden die Passionsspiele zum 41. Mal aufgeführt, rund eine halbe Million Besucher werden in der beschaulichen oberbayerischen Gemeinde erwartet.

Um die Hauptdarsteller mit den fünf Aufführungen pro Woche nicht zu überfordern, gibt es für die 19 Hauptrollen Doppelbesetzungen. Wer die Rolle der Maria, des Jesus und der restlichen Figuren bekommt, wird am 18. April von Spielleiter Stückl entschieden.

Jeder, der in Oberammergau geboren ist oder seit 20 Jahren hier wohnt, hat ein sogenanntes Spielrecht. Stückl, der auch Intendant am Münchner Volkstheater ist, teilt jeden der 2500 Bewerber persönlich zu - von der Rolle des Jesus bis zu den Platzwanweisern.

Präferenzen können zwar angegeben werden, alle Wünsche können aber nicht berücksichtigt werden: „Eine der beliebtesten Rollen ist die der Römer, weil Soldaten keine langen Haare und keine Bärte haben”, sagt Mayet. So gebe es dieses Jahr 150 Meldungen für nur 60 Römer.

Die Proben beginnen im Herbst 2009, nach einer Reise der Hauptdarsteller zum „Originalschauplatz” nach Jerusalem. Dort könne man am besten „in die Geschichte einsteigen”, erläutert Mayet.

Premiere der Passionsspiele Oberammergau ist am 15. Mai 2010. Bis zum 3. Oktober wird es 106 Spieltermine geben.
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