Luftige Salti und Schrauben: Trampolinturnen ist fast wie Fliegen

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Trampolinturnen
Fast schwerelos durch die Luft: Turner auf dem Trampolin springen locker bis zu sieben Meter hoch. Foto: dpa

Berlin/Hannover. Zeyki Temizbas konzentriert sich, springt ins Trampolin und fliegt hoch in die Luft. Sie grätscht, zieht die Beine an die Brust, vollführt Vorwärts- und Rückwärtssalti und blitzschnelle Schrauben. Die 18-Jährige liebt ihren Sport, das Trampolinspringen. Sie war bereits Berliner Einzelmeisterin und Mannschaftsmeisterin.

Wenn sie durch die Luft wirbelt, sagt sie, fühle sie sich frei: „Ich habe dann nichts anderes im Kopf außer dem Trampolin und mich und meine Sprünge.”

Besonderen Spaß macht es ihr, sich hoch oben in der Luft zu überschlagen. „Das Gefühl, einen Salto zu machen - mit Schrauben oder ohne -, ist einfach genial”, schwärmt sie. Toll sei auch der Adrenalinkick bei schwierigen Sprüngen, sagt Zeyki: „Ich kann einfach nicht genug davon bekommen.”

Zeykis Luftakrobatik sieht mühelos aus, doch sie ist das Ergebnis jahrelangen Trainings. Mit sechs Jahren kam sie beim TSV Rethen nahe Hannover zum Trampolinturnen. Seitdem übt sie regelmäßig, mittlerweile in ihrer neuen Heimat Berlin beim VfL Lichtenrade. „Ich gehe immer zweimal pro Woche für etwa drei Stunden zum Training”, erzählt sie. „Kurz vor einem Wettkampf versuche ich sogar dreimal in der Woche zu trainieren.”

Zu den Übungseinheiten beim Trampolinturnen gehört mehr als nur das Springen. „Zu Beginn jedes Trainings muss man sich mindestens 20 Minuten aufwärmen und dehnen”, erklärt Carsten Röhrbein. Er ist seit knapp 18 Jahren Trainer beim TSV Rethen und hat dort auch Zeyki trainiert. Ohne eine sorgfältige Vorbereitung sei die Gefahr zu groß, sich beim Springen zu verletzen. „Auch Kraft- und Koordinationstraining gehört immer mit dazu, das stärkt den Körper und die Wahrnehmung beim Fliegen im Raum.”

Trampolinturnen eignet sich für Anfänger. „Viele Jugendliche reizen das Fliegen und die Momente der Schwerelosigkeit”, sagt Röhrbein. Bis zu seinem 19. Lebensjahr hat er selbst geturnt. Mit ein wenig Übung könnten Jugendliche auf dem Trampolin schnell Fortschritte machen, sagt er. Dafür müsse man aber etwas Mut haben. „Das Trampolin ist mehr als einen Meter hoch und Spitzenturner springen davon locker bis zu sieben Meter in die Höhe - da kann einem schon mulmig werden.”

Deshalb rät Jörg Hohenstein, nur im Verein und unter professioneller Aufsicht zu trainieren. „Ein Trainer ist wichtig, weil er einem genaue Anleitungen gibt und vielleicht sogar zu Beginn mit auf dem Sprungtuch steht”, erklärt der Bundestrainer für Nachwuchstrampolinturnen vom Deutschen Turner-Bund in Frankfurt/Main. Anfänger sollten das Trampolinturnen nicht unterschätzen. „Man sollte sich nur langsam steigern und nicht zu waghalsig springen - das kann schnell danebengehen.”

Deswegen sollte ein Trampolin auch nicht im Garten aufgestellt werden. „Ein Profi-Trampolin ist nicht wetterfest und mit 2,50 mal 4 Metern sehr groß”, sagt Röhrbein, der außerdem bei der TGJ Salzgitter trainiert und unter anderem als Koordinator des Olympiastützpunktes tätig ist. „Vor allem aber kann es nie so sicher sein wie in einem Verein.” Dort legen Trainer Matten rund um das Trampolin aus - und stehen bereit, falls ein Turner doch mal über das Gerät hinausfliegen sollte.

Für Zeyki gibt es trotz der ganzen Anstrengung keinen besseren Sport. „Es fühlt sich toll an, wenn ich einen neuen Sprung gelernt habe”, erzählt sie. „Denn dann weiß ich, dass sich die Zeit gelohnt hat, die ich in den Sprung investiert habe - und freue mich schon auf die neue Hürde: den neuen Sprung zu perfektionieren!”


Geschichte des Trampolins

Das Trampolin wurde nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Frankfurt/Main in den 1930er Jahren von dem US-Amerikaner George Nissen erfunden. „Er benannte es nach dem spanischen Wort für das Sprungbrett im Turmspringen”, heißt es auf der Internetseite des DOSB. Im Zweiten Weltkrieg soll die amerikanische Armee das Trampolin sogar zur Schulung ihrer Piloten genutzt haben, um ihnen ein besseres Gefühl für das Fliegen zu geben. Seit dem Jahr 2000 ist Trampolinturnen eine olympische Disziplin.

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