Luftbrücke für Haiti: „Alltag” an Bord eines US-Flugzeugträgers

Von: Mike McCarthy, dpa
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Luftbrücke vom Wasser aus: US-Soldaten helfen beim Entladen eines Hubschraubers, der Hilfslieferungen vom Flugzeugträger „USS Carl Vinson” nach Port-au-Prince bringt. An Bord des Flugzeugträgers Nothilfe für die Überlebenden der Erdbebenkatastrophe in Haiti umgeschlagen. Foto: dpa

<b>An Bord der „USS Carl Vinson”.</b> An Bord des Flugzeugträgers „USS Carl Vinson” vor der Küste Haitis geht es rund. Hier wird Nothilfe für die Überlebenden der Erdbebenkatastrophe in Haiti umgeschlagen.

Die Crew auf der Start- und Landebahn arbeitet umsichtig und schnell. Amerikanische Soldaten laden Hilfsgüter in Hubschrauber um, die sie direkt in das Krisengebiet fliegen. Und alle wissen: Dort warten die Menschen auch mehr als eine Woche nach den verheerenden Erdstößen verzweifelt auf Lebensmittel und auch Wasser.

Innerhalb von Minuten sind zwei kleine C-2 Transportmaschinen des US-Militärs mit Hilfslieferungen auf dem Flugzeugträger gelandet. Helikopter landen und steigen auf. Dutzende von Soldaten haben Ketten gebildet, Kisten gehen von Hand zu Hand. Unterdessen wird ein Flieger schon wieder aufgetankt. In weniger als einer Stunde sind die beiden C-2s entladen und bereits wieder in der Luft. „Auf dem Flugdeck ist den ganzen Tag Betrieb”, sagt Fähnrich Leslie Hubbell.

Die „Carl Vinson” war eines der ersten Schiffe, das im Rahmen der anlaufenden Hilfsmission für den Karibikstaat nach dem schlimmsten Beben in der Geschichte Haitis eintraf. Schätzungen gehen von bis zu 200.000 Toten aus, unzählige Menschen sind verletzt oder obdachlos.

Die Vereinten Nationen haben zusammen mit den USA eine führende Rolle bei der anrollenden Hilfsmission für Haiti übernommen. Auch zahlreiche andere Länder und Hilfsorganisationen beteiligen sich an der gigantischen Aufgabe. Ein ganze Reihe von Kriegsschiffen sind in dieser Woche vor Haiti eingetroffen. Das US-Militär rechnet damit, dass schon bald mehr als 10.000 seiner Soldaten entweder an Land oder auf Schiffen vor der Küste im Einsatz sein werden.

Flugzeuge, die dringend benötigte Hilfe bringen, fliegen derzeit zwischen dem US-Luftwaffenstützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba und der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince hin und her. Militärhubschrauber von dem vor Haiti liegenden Kriegsschiff „USS Bataan” sind mit Trinkwasser an Bord unterwegs zu den verschiedenen Krisengebieten in Haiti, wo Marinesoldaten für Sicherheit bei der Verteilung der Güter sorgen sollen.

An Deck der „Carl Vinson” wird weiter mit Hochdruck gearbeitet. Kisten mit Wasserflaschen und Lebensmitteln stapeln sich. Gleichzeitig läuft die Entsalzungsanlage rund um die Uhr, die 400.000 Gallonen (1,4 Millionen Liter) Meerwasser täglich zu Trinkwasser aufbereitet, wie Kommandant Thurraya Kent berichtet.

Die Crew rennt umher, um Maschinen einzuweisen, damit der Flugverkehr nicht ins Stocken kommt. „Hier gehts pausenlos rund”, sagt Befehlshaber Raymond Gray, der auf dem Flugkommandodeck über den reibungslosen Ablauf beim Auftanken der Flieger wacht. „Das ist keine Übung hier. Das ist das wahre Leben.”

Nach fünfjähriger Auszeit zur Wartung der Reaktoren des atombetriebenen Schiffs war die „Carl Vinson” gerade unterwegs zu ihrer Basis in San Diego, Kalifornien, als der Einsatzbefehl für Haiti kam. Nach der Ankunft war die erste Order, mit der Luftbrücke zu beginnen und Verletzte, die an Bord gebracht wurden, medizinisch zu versorgen. Diese Aufgabe übernimmt aber nun die am Mittwoch eingetroffene „USNS Comfort”, das riesige Lazarettschiff der US-Navy.

Konteradmiral Ted Branch, der den Marineeinsatz vor der Küste Haitis von dem Flugzeugträger aus leitet, rechnet damit, dass die amerikanische Hilfsmission monatelang, wenn nicht noch länger dauern wird. Nach dem Beben vom 12. Januar in Haiti gibt es immer noch zahlreiche Menschen, die verletzt, hungernd und traumatisiert auf Rettung hoffen. „Es gibt immer noch zahlreiche Orte, die wir noch nicht erreicht haben”, sagt Branch.
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