Loveparade-Selbsthilfe wirft Anwälten der Stadt Vertuschung vor

Von: Tonia Haag, dapd
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Loveparade
Tausende Raver drängen sich am 24. Juli 2010 in und vor dem Tunnel in Duisburg, in dem sich eine Massenpanik ereignet hat. Zum zweiten Jahrestag der Loveparade-Katastrophe von Duisburg hat der Selbsthilfeverein, in dem Hinterbliebene, Verletzte und Traumatisierte organisiert sind, schwere Vorwürfe gegen die Anwälte der Stadt erhoben. Foto: dpa

Duisburg. Zum zweiten Jahrestag der Loveparade-Katastrophe von Duisburg hat der Selbsthilfeverein, in dem Hinterbliebene, Verletzte und Traumatisierte organisiert sind, schwere Vorwürfe gegen die Anwälte der Stadt erhoben.

Bei der Aufarbeitung der Geschehnisse schreckten sie nicht davor zurück, „Fakten zu verschweigen und Dokumente gezielt zu selektieren”, monierte der Vorsitzende des Vereins, Jürgen Hagemann, in einer Mitteilung. Ein Stadtsprecher wollte die Vorwürfe nicht kommentieren. Bei der Loveparade-Tragödie am 24. Juli 2010 waren 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 500 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Viele Augenzeugen der Katastrophe sind bis heute traumatisiert.

Die Loveparade-Selbsthilfe kritisiert unter anderem, dass im Endbericht der Anwälte der Stadt nichts zur Rolle des Krisenstabes der Stadt Duisburg zu finden sei. Zudem werde ein Treffen im März 2010 von für die Loveparade verantwortlichen Mitarbeitern der Stadtverwaltung mit auswärtigen Experten, die vor der Katastrophe gewarnt hätten, unterschlagen. Der Verein forderte Verwaltungsvorstand und Stadtrat auf, sich umgehend für eine unabhängige Kommission einzusetzen.

Oberbürgermeister will „rückhaltlose Aufklärung”

Ein Stadtsprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. Er betonte jedoch, der neue Oberbürgermeister Sören Link (SPD) sei an einer „rückhaltlosen Aufklärung” der Geschehnisse rund um die Loveparade interessiert. Link ist Nachfolger des per Bürgerentscheid abgewählten früheren Stadtoberhaupts Adolf Sauerland (CDU). Viele Duisburger Bürger und Betroffene hatten den CDU-Mann für die Loveparade-Katastrophe mit verantwortlich gemacht.

Bislang steht er jedoch nicht im Visier der Ermittler, ebenso wenig wie der Geschäftsführer des Loveparade-Veranstalters Lopavent, Rainer Schaller. Insgesamt wird gegen 17 Personen wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. Darunter sind elf Bedienstete der Stadt, fünf Mitarbeiter des Veranstalters und der verantwortliche Polizeiführer.

Der Loveparade-Selbsthilfe-Verein moniert, dass zwar den Beschuldigten Akteneinsicht gewährt werde, den Opfern jedoch nicht. „Wir haben ein Recht, ebenso gut vorbereitet wie die Beschuldigten unsere Rechte wahrzunehmen. Diese Ungleichbehandlung kränkt uns”, sagte Hagemann.
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