Löffeln als Trend: Suppenbars erobern Deutschlands Städte

Von: Michael Kieffer, dpa
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Suppenbars
Katerina Jühe-Skorka präsentiert in ihrer Suppenbar in Nürnberg zwei Suppen. Foto: dpa

Nürnberg. Der Suppenkaspar aus dem „Struwwelpeter” wäre mit seiner Abneigung gegen flüssige Speisen heute völlig unmodern. Denn Suppen liegen im Trend. Den Anfang hatten Börsianer an der New Yorker Wall Street gemacht, als sie vor gut zehn Jahren Suppen als schnelles und gesundes Essen für die Mittagspause entdeckten.

Ob Lübeck, Frankfurt oder Nürnberg - inzwischen nehmen Imbisse namens „Suppentopf”, „Souper” und „Souptopia” auch in Deutschlands Städten einen festen Platz ein. Sogar bei McDonalds stehen Gulasch und Tomatensuppe auf dem Speiseplan. In 60 ihrer 500 McCafé-Filialen testet die Fast-Food-Kette, wie Suppen bei Gästen ankommen.

„Soupkultur” heißen die drei Filialen eines Berliner Imbisses, mit denen die Suppeneuphorie aus den USA in die deutsche Hauptstadt schwappte. Seit Eröffnung ihrer ersten Suppenbar im Jahr 1999 seien die Ansprüche der Deutschen an Ernährung gestiegen, hat „Soupkultur”- Inhaberin Katharina Körner beobachtet. Diese Entwicklung sei dem Absatz von Suppen zugutegekommen, die verglichen mit Pizza oder Pommes deutlich gesünder seien.

Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten seien Eintöpfe und Brühen zudem effizient, erläutert die Betriebswirtin. „Denn Suppen können zentral in einer Küche und in großen Mengen zubereitet werden.” Selbst einen möglichen Nachteil der Suppe deutet Körner in einen Pluspunkt um: Im Sommer verbuche sie in ihren Imbissen kaum Einbußen, schließlich tue ein warmes Essen dem Körper gerade bei Hitze gut.

In ihrer Nürnberger Suppenbar „Souptopia” setzt Katerina Jühe- Skorka auf Kaltschalen wie etwa Gazpacho, um die Kundschaft auch in der heißen Jahreszeit anzulocken. Im Jahr 2001 wechselten die gelernte Buchhändlerin und ihr Mann die Berufe und machten eine Suppenbar in der Nürnberger Altstadt auf. Seitdem sei ihre Datenbank mit Kochanleitungen auf „ein paar Tausend Rezepte” angewachsen, erzählt Jühe-Skorka. Suppen seien „wahnsinnig variantenreich”, doch am besten verkauften sich die Klassiker: etwa Gulaschsuppe, Chili con Carne oder Suppen nach thailändischer Art.

Keine 600 Meter von „Souptopia” entfernt bietet im Nürnberger Hauptbahnhof seit einiger Zeit auch das Fast-Food-Restaurant McDonalds diese Klassiker an. „Tomato Mio”, „Thai Veggie” und „Gulasch Gourmet” heißen die Suppen, zwischen denen Gäste von deutschlandweit 60 McCafé-Filialen zunächst bis Jahresende wählen dürfen. Dann soll entschieden werden, ob Suppen künftig dauerhaft auf der Speisekarte stehen, sagt eine Sprecherin von McDonalds Deutschland in München.

Etwa 100 Teller Suppe löffele jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr, hat das Deutsche Suppen-Institut im Verband der Suppenindustrie ausgerechnet. Etwa die Hälfte davon komme aus der Tüte oder Dose, sagt Verbandssprecher Dirk Radermacher. Als reines Fast Food will er Suppen aber nicht verstehen: „Man braucht Zeit für die Suppe, sonst landet sie beim Essen schnell auf dem Schlips.”

Nicht nur fürs Essen, sondern auch beim Kochen nehme eine gute Suppe viel Zeit in Anspruch, sagt „Soupkultur”-Gründerin Körner. Deshalb halte sie auch nichts von industriell hergestellten Suppen. „Denn da steht niemand am Herd und kocht.” Bei ihr seien die Speisen hausgemacht, beteuert Körner, die das Geheimnis einer guten Suppe verrät: Kartoffeln sollten enthalten sein - wegen der Stärke. „Man möchte satt werden, und das zu verträglichen Preisen.”

Vier Euro für eine Portion mit 400 Millilitern Suppe seien in Berlin teuer, findet Körner. Denn eine Suppe bleibe trotz des Trends der vergangenen Jahre eine einfache Speise. Vielleicht liegt hier der Grund, weshalb in New York inzwischen wieder einige Suppenbars geschlossen haben. Dort standen zum Teil Luxusmahlzeiten wie Hummerschwanzsüppchen auf dem Speiseplan.
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