Laut, schrill und sehr sensibel: Hella von Sinnen wird 50

Von: ddp-Korrespondent Markus Peters
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von Sinnen
Die Moderatorin Hella von Sinnen: Sie konnte machen, was sie wollte, am Ende der Sendung flogen ihr immer die Torten um die Ohren. Als Gastgeberin der absurd-komischen Gameshow "Alles nichts oder" wurde von Sinnen in den 90er Jahren bekannt, seitdem ist sie aus der schillernden Welt des deutschen Privatfernsehens nicht mehr wegzudenken. Foto: ddp

Köln. Sie konnte machen, was sie wollte, am Ende der Sendung flogen ihr immer die Torten um die Ohren. Als Gastgeberin der absurd-komischen Gameshow „Alles nichts oder” (RTL) wurde Hella von Sinnen in den 90er Jahren bekannt, seitdem ist sie aus der Welt des deutschen Privatfernsehens nicht mehr wegzudenken.

Am 2. Februar wird die gebürtige Gummersbacherin 50 Jahre alt. Auf die Bühne zog es die Frau, die bürgerlich Hella Kemper heißt, schon in der Jugend. Trotz sechs Anläufen gelang es ihr aber nicht, von einer Schauspielschule angenommen zu werden. Stattdessen begann sie in Köln ein Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik und Pädagogik. Nebenbei gründete sie mit ihrem Mitbewohner Dirk Bach die Kabarettgruppe „Stinkmäuse” und feierte erste Erfolge mit der Figur der „Putzfrau Schmitz”.

Im Kneipentheater des Kölner Regisseurs Walter „Wally” Bockmayer konnten von Sinnen und Bach dann den reichlich anarchistischen Humor entwickeln, der später ihr Markenzeichen wurde. Nach etlichen kleineren TV-Jobs kam für von Sinnen der Durchbruch mit „Alles nichts oder”. An der Seite von Hugo Egon Balder wurde sie mit ihren extravaganten Kostümen und ihrem markant gemurmelten „Tschacka-Tschacka” zum Publikumsliebling. In den besten Zeiten der Show schalteten bis zu zwei Millionen Menschen ein.

Umso tiefer war der Fall, als die Sendung nach fünf Jahren abgesetzt wurde. Hella von Sinnen steckte im Karriereloch. Nachfolgeprojekte floppten und die nach eigenen Angaben ausgesprochen sensible Künstlerin wurde nachdenklich: „Ich saß zu Hause und sagte: Hallo? Kann mal bitte einer kommen? Das hat mein Ego ganz schön irritiert”, erinnerte sie sich später in einem Interview.

Das erfolgreiche und teilweise ausgesprochen böse Bühnensolo „Ich bremse auch für Männer” leitete dann das Comeback ein. Hella von Sinnen lästerte regelmäßig in der ZDF-Sendung „Blond am Freitag”. Vor sechs Jahren holte Hugo Egon Balder seine ehemalige Weggefährtin in das Rateteam von „Genial daneben” (Sat.1), wo von Sinnen mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem Wortwitz glänzt. Seitdem kommt das so unterschiedliche Duo auch in etlichen anderen Shows des Senders regelmäßig zum Einsatz.

Privat ist von Sinnen, die von sich gerne auch als die „dicke Frau” spricht, seit Jahren mit Cornelia Scheel liiert. Deutschlands wohl bekanntestes lesbisches Paar kämpfte vor dem Bundesverfassungsgericht vergeblich für ein „Recht auf Heirat” und setzt sich weiter für die Belange von Schwulen und Lesben ein.

Während von Sinnen bei ihren Fernsehauftritten gerne als die polternde, laute und betont schrille Frau eingesetzt wird, ist sie als Privatperson ausgesprochen emotional. Sie sei sogar „eine ausgewiesene Heulerin”, bekannte die Entertainerin in einem Interview. In den 90er Jahren sollte sie für den „Playboy” die Hüllen fallen lassen, was die engagierte Feministin erwartungsgemäß ablehnte.

Zu ihren persönlichen Marotten gehören die strikte Ablehnung von Kleidern und Röcken sowie eine ebenso große Abneigung gegen Puppen. Einem gepflegten Kölsch ist die „Bierschlampe” (von Sinnen über von Sinnen) hingegen keineswegs abgeneigt.

Ihren Geburtstag wird Hella von Sinnen im Fernsehstudio verbringen. Sat.1 zeichnet eine Gala für sie auf, durch die die langjährigen Weggefährten Hugo Egon Balder und Dirk Bach führen werden.
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