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Kommentiert: Mit Vollpfosten treibt man keinen Schabernack

Muss das vor Erfindung des Internets – also in tiefgrauer Vorzeit – doch schön am 1. April gewesen sein! Arglose Zeitgenossen, von denen es stets reichlich gab, ließen sich zu unsinnigen Aufträgen und Aktionen überreden, infolge derer sich die Betroffenen vor aller Welt oder zumindest im Dorf zum Horst machten.

Mancher kassierte dabei auch schon mal ein blaues Auge. „Haumiblau“ („Hau mich blau“) nannte man derlei derbe Späße – die Älteren erinnern sich. Zeitungsleser ließen sich mit frei erfundenen Berichten foppen, auch im Fernsehen erfreuten sich Aprilscherze großer Beliebtheit.

Das war einmal. Heute ist die „geplante Verarsche“ quasi tot – dem Internet sei Dank. Denn einerseits hat jeder Achtjährige eine kühne Behauptung binnen Sekunden am Smartphone gegoogelt und widerlegt. Auf der anderen Seite wiederum werden wir in der digitalen und damit letztlich auch realen Welt täglich durch „Fake News“ quasi in den April geschickt. Die Aufgeklärten, mit kritischem Geist Versehenen, glauben deshalb grundsätzlich zunächst einmal gar nichts mehr. Die anderen glauben alles – und mit solchen Vollpfosten treibt man eigentlich keinen Schabernack.

Gut, dass es Soziologen gibt, die uns die Welt erklären. So wie der Bayreuther Wissenschaftler Georg Kamphausen, der den Aprilscherz im Internetzeitalter als ultimativen Test für den aufgeklärten Bürger definiert. Ist das, was wir lesen, noch glaubwürdig? Diese Frage ist letztlich zu klären, was nicht einfach ist in einer Welt, in der ein narzisstisch-gestörter Immobilientycoon US-Präsident wird und sich von seiner Tochter, einer Handtaschen-Designerin, politisch beraten lässt.

Was bitteschön ist in einer solchen Welt wirklich undenkbar geworden? Etwa, dass AfD-Chefin Frauke Petry ankündigt, nach der Entbindung ihres Kindes ein Flüchtlingskind adoptieren zu wollen, damit der Nachwuchs künftig zweisprachig aufwächst? Das wäre wohl ein „Fake“. Oder, dass eine Mutter die Polizei ruft, weil ihre siebenjährige Tochter nicht freiwillig ins Bett gehen will? Kein Fake, geschehen vor knapp einem Jahr. Oder, dass „Burger King“ bald eine „Whopper-Zahnpasta“ mit Fleischgeschmack herstellt? April, April! Das kann also heiter werden.

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