Königin Sofia besucht Bettlerin: Mit Mini-Darlehen aus der Armut

Von: Eva Krafczyk, dpa
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Königin Sofia zu Gast bei ehemaliger Bettlerin in Kenia
Königin Sofia von Spanien (l) besucht die ehemalige Bettlerin Cecilia Nyambura (M) in ihrer Wohnung in der Siedlung Kaputiei bei Nairobi in Kenia. Die Siedlung entstand mit Hilfe von Mikrokrediten, zur Zeit sind 500 Häuser fertig. Foto: dpa

Nairobi. Cecilia Nyambura hat ihr gutes weißes Tischtuch mit der Blümchenstickerei ausgelegt, das Wohnzimmer ist blitzsauber, blütenweiß sind auch Bluse und Kopftuch. „Willkommen in meinem Haus”, ruft sie mit strahlendem Lächeln und nimmt ihre Besucherin, die spanische Königin Sofia, herzlich in die Arme.

Eine Umarmung von der ehemaligen Bettlerin gibt es auch für Alejandro Toledo, den ehemaligen Präsidenten Perus, der auf einem der hellgrünen Sessel Platz nimmt, neben Friedensnobelpreisträger Muhammed Yunus, den Gründer der Grameen-Bank. Die resolute kenianische Großmutter ist von der Prominenz ihrer Besucher nicht weiter beeindruckt. „Königin oder nicht, mir ist jeder anständige Mensch willkommen”, versichert sie und tätschelt aufmunternd die Hand der Königin.

Als Cecilia Nyambura noch auf den Straßen von Nairobi betteln ging, hätte sie nicht im Traum an royalen Besuch gedacht. Aber damals war der Gedanke an ein eigenes Heim, nicht nur einen Bretterverschlag im Slum Mathare, ein noch unerreichbarer Traum. Die vielfache Großmutter, die noch vor 15 Jahren zu den Ärmsten der Armen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gehörte, lebt seit einem Jahr im eigenen Heim. „Wir haben hier zwei Schlafzimmer, ein eigenes Bad und sogar eine Toilette!” berichtet sie ihren Besuchern voller Stolz.

Den Weg aus der Armut verdankt sie Fleiß, Hartnäckigkeit und starkem Willen - und mehreren Mikrokrediten, mit denen sich die einstige Bettlerin den sozialen Aufstieg ermöglichte. „Cecilia ist eine Königin von Jamii Bora”, sagt Ingrid Munro, nur halb im Scherz. Die Schwedin lebt seit 25 Jahren in Kenia, gründete die Organisation Jamii Bora, die Mikrokredite auch an Bettlerfamilien vergab. Mit Kleinstsummen von 20 bis 50 Euro, die sie meist innerhalb eines Jahres zurückzahlten, finanzierten sie wie Cecilia Marktstände für Gemüse oder Altkleider, den Kauf von Nähmaschinen oder den Schulbesuch ihrer Kinder.

Jamii Bora begann mit 50 Familien - inzwischen haben Tausende von der Arbeit des Fonds profitiert. Vorläufiger Höhepunkt war die Gründung von Kaputiei, der ersten über Mikrokredite finanzierten Wohnsiedlung Afrikas. Die ersten 500 Häuser stehen bereits, andere sind im Bau. Wenn die Siedlung fertiggestellt ist, werden hier 10 000 Menschen leben, weit weg von der Enge von Mathare mitten im Siedlungsgebiet der Massai. Auch Cecilia Nyamburas Enkelkinder gehen heute auf die Grundschule der Siedlung. Eine ihrer Töchter arbeitet für Jamii Bora, berät Slumbewohner über Mikrokredite.

Starke, energische Frauen wie Cecilia haben auch beim Bau der Wohnsiedlung Hand angelegt, haben mit Experten von der Universität Nairobi geplant. Die Häuser haben Solarstrom, es gibt sauberes Wasser - für Slumbewohner ein Luxus.

„Frauen wie diese sind großartig darin, Mangel zu verwalten”, sagt Toledo beeindruckt. „Mikrofinanz kann diese Frauen stark machen, gibt ihnen Gelegenheit, ihr Potenzial auszuschöpfen. Hier geht es nicht um die Ideen radikaler Professoren aus Harvard oder Stanford. Was hier passiert, das ist die Wirklichkeit.” Der Ex-Präsident, der selbst in einer bitterarmen Bergbaustadt aufwuchs, will die Erfahrungen, die er beim Besuch des Mikrofinanzgipfels in Nairobi macht, auch für seine südamerikanische Heimat nutzen. „Im November organisieren wir einen Gipfel in Peru”, sagt er.
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