Kölsch gehts gut: Aber Sprachenvielfalt in Deutschland nimmt ab

Von: Ulrike Koltermann, dpa
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Paris/Köln. Kölsch wird in diesen Tagen öffentlich so viel gesprochen wie sonst im ganzen Jahr nicht - und vor allem wird es gesungen. Auch Nicht-Rheinländer geben sich beim Kölner Karneval Mühe, die Refrains der kölschen Karnevalsschlager mitzugrölen, denn sonst macht das Feiern nur halb so viel Spaß.

„Da simmer dabei, dat is prima...” schallt es aus den Kneipen. Mitten im Kölner Karneval schien die Warnung der UNESCO so gar nicht zu passen, dass Kölsch vom Aussterben bedroht sei. „Wir haben uns sehr gewundert, als wir das gehört haben”, sagt Daniel Kölligan vom Institut für Linguistik an der Uni Köln.

Tatsächlich ist den Experten bei der UN-Organisation, die in Paris einen Weltatlas der bedrohten Sprachen vorgestellt haben, ein Fehler unterlaufen. „Die haben Kölsch mit Limburgisch-Ripuarisch gleichgesetzt, aber der Kölner Stadtdialekt ist natürlich nur eine Variante davon”, betont Kölligan.

„Was würden - um Himmels Willen - die Düsseldorfer dazu sagen?”, meint er in Anspielung auf die alte Rivalität der beiden Städte am Rhein. „Kölsch eßß watt dä Kölsche schwaadt. Oder och om Kölle eröm. Äwwer nit ze wigg”, heißt es bei Wikipedia. Auf Hochdeutsch: „Kölsch ist, was der Kölner spricht. Oder auch um Köln rum. Aber nicht zu weit weg.”

Der UNESCO-Atlas gibt die Zahl der Sprecher des Ripuarisch- Limburgischen mit 1,6 Millionen in Belgien und den Niederlanden und einer Million in Deutschland an. Die Sprache wird als „unsicher” bezeichnet. Das ist die niedrigste von fünf Gefährdungsstufen. „Die Zahlen sind sicher diskutabel, aber es ist auf jeden Fall gut, dass das Thema ins öffentliche Bewusstsein kommt”, meint Kölligan.

Dass die Kölner ihren Dialekt pflegen, steht außer Frage - seit 1983 gibt es bereits die „Akademie för uns kölsche Sproch”, die auf ihrer Website sogar einen Vokabeltrainer bietet. Allerdings gibt es immer weniger junge Menschen, die Kölsch über die Karnevalslieder hinaus wirklich beherrschen.

Laut UNESCO sind in Deutschland insgesamt 13 Sprachen gefährdet - nur halb so viele wie in Frankreich, aber mehr als doppelt so viele wie im Kongo. Alemannisch, Bairisch, Jütländisch, Jiddisch, Limburgisch-Ripuarisch, Luxemburgisch, Niedersächsisch, Ostfränkisch, Rheinfränkisch, Romani, Saterfriesisch, Sorbisch und Nordfriesisch werden in dem Atlas genannt.

Die Grenze zwischen einem Dialekt und einer Sprache sei oft umstritten, erläutert Rozenn Milin von der Pariser Chirac-Stiftung, die sich ebenfalls um bedrohte Sprachen kümmert. „Schwedisch und Norwegisch sind eigentlich bloß Dialekte, aber sie werden als Sprachen bezeichnet, weil sie die Nationalsprachen verschiedener Länder sind”, sagt sie.

Ähnlich ist es im Fall des ehemaligen Jugoslawien. Früher wurde dort Serbokroatisch gesprochen, heute gelten Serbisch und Kroatisch als eigene Sprachen - in erster Linie aus politischen Gründen. „Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee”, lautet eine gängige Definition.

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