Kleine Schritte statt großer Sprünge: Gute Vorsätze im Job umsetzen

Von: Tobias Schormann, dpa
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Öfter mal Pause machen: Gute Vorsätze reichen nicht, an der konsequenten Umsetzung scheitert es schnell. Foto: dpa

Bergisch Gladbach. Alle Jahre wieder meldet sich so im November oder Dezember das schlechte Gewissen. Es grummelt: „Nächstes Jahr muss alles anders werden.” Dann werden Vorsätze geschmiedet.

Neben Klassikern wie „Mit dem Rauchen aufhören” und „Mehr Sport treiben” gehört dazu für viele auch, im Beruf voranzukommen. Aber ohne realistische Planung sind solche Vorsätze nichts als heiße Luft.

Ein Grund dafür, dass Vorsätze so selten umgesetzt werden, sind übersteigerte Erwartungen. Denn wer sich zu viel vornimmt, übernimmt sich leicht. „Weniger ist mehr”, rät daher Rudolf Stroß, Psychologe aus Bergisch Gladbach. Das Motto sollte also nicht sein, alles anders machen zu wollen, sondern einige Dinge konkret zu ändern. „Lieber ein Ziel als zwei”, rät Stroß. „Und lieber eins nach dem anderen als alles auf einmal.” So setzen Beschäftigte ihre Vorsätze richtig um:

Endlich Ordnung halten: Der Schreibtisch quillt regelmäßig über? Zum Aufräumen ist einfach nie Zeit? Ein typischer Fall von Aufschieberitis. Da hilft nur eins: Anfangen! Also: Sich einmal die Zeit nehmen und Ordnung schaffen. Das klappt am besten, indem man sich einen festen Termin vornimmt, rät Stroß. Statt „nächstes Jahr” sollten Mitarbeiter sich also lieber „am 1. Februar fällt der Hammer” sagen. „Sonst verschiebt man das bloß auf den Sankt-Nimmerleinstag.”

Der Jahreswechsel ist auch eine gute Gelegenheit, um Ablagen und Schubladen zu entrümpeln. Dabei helfe es, den Inhalt in drei Kisten zu sortieren, rät die Organisationsberaterin Sophie Babendererde aus Wohltorf (Schleswig-Holstein). Sie tragen die Aufschrift „Brauche ich noch”, „Kann weg” und „Brauche ich vielleicht noch”. Die dritte Kiste kommt verschlossen in den Büroschrank. Bleibt sie dort ungeöffnet, wird sie spätestens nach sechs Monaten komplett entsorgt.

Weniger Überstunden machen: Pünktlich gehen ist oft einfacher gesagt als getan. Am besten klappt es, wenn man sich für den Feierabend etwas vornimmt - zum Beispiel Sport. Denn dann bekommt das Kürzertreten im Job eine positive Wendung. Beschäftigte sollten sich also vor Augen halten, wofür sie sich mehr Zeit nehmen, rät die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) in Hamburg. Das motiviere am ehesten dazu, rechtzeitig den Bleistift im Büro fallen zu lassen. Termine sind außerdem ein guter Anlass, um pünktlich zu gehen: Wenn der Sport um 18.30 Uhr beginnt, muss man eben um 18 Uhr weg.

Weniger stressen lassen: Stress im Job ist nicht selten hausgemacht. Denn manche können einfach nicht Nein sagen. Dann sind sie immer der Dumme, an dem alles hängenbleibt. Beschäftigte müssen Kollegen aber auch mal einen Korb geben, wenn diese ihnen etwas aufs Auge drücken wollen. Dabei spielen sie am besten mit offenen Karten, wie die VBG empfiehlt. Sie erklären also, warum sie keine Zeit haben, die Aufgabe zu übernehmen. Dann fühlen sich die anderen nicht gleich vor den Kopf gestoßen. Es entlaste auch, Alternativen aufzuzeigen - etwa mit dem Hinweis, dass sie sich am nächsten Tag um die Sache kümmern könnten.

Mehr für die Gesundheit tun: Hier empfiehlt Rudolf Stroß das Bonmot von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.” Das heißt: Nicht lange planen und über Diätpläne oder passende Sportarten grübeln, sondern machen. Und mit kleinen Dingen anfangen: Morgens mal Tee statt Kaffee trinken, mittags einen Salat in der Kantine bestellen, mit dem Rad zur Arbeit fahren. „Mehr Sport machen” ist laut der VBG nicht konkret genug: Besser ist es, sich zum Beispiel immer montags um 19 Uhr zum Joggen zu verabreden.

Gut ist auch, Kollegen bei solchen Vorsätzen mit ins Boot zu holen. „Beistand ist sehr wichtig”, sagt Stroß. Wer sich in der Kantine mit einem Salatfan verabredet, hat es beim Abnehmen leichter, als wenn der Kollege immer Currywurst mit Pommes isst.

Es kommt aber auch auf die eigene Haltung an: Verzichtsdenken ist kontraproduktiv. Besser sei es, sich den Gewinn einer geplanten Veränderung vor Augen zu halten, rät Stroß. Statt bloß zu denken „Ich muss auf mein Cholesterin achten”, hilft also eher der Gedanke: „Ich fühle mich besser, wenn ich gesünder esse”. Und das darf durchaus Spaß machen - eiserne Härte gegen sich selbst sei die falsche Herangehensweise.

Auf der Karriereleiter vorankommen: Endlich die Weiterbildung anfangen oder Zehn-Finger-Schreiben lernen? Dabei hilft es, sich zu „committen”, wie das auf Neudeutsch heißt: Als Erstes erzählen Beschäftigte ihren Kollegen von ihren Plänen. Dadurch verpflichten sie sich ihnen gegenüber, sie auch in die Tat umzusetzen. „Das erhöht den sozialen Druck”, erklärt Stroß. Und wenn Mitarbeiter ein Ziel zwischendurch aus den Augen verlieren, werden die anderen sie daran erinnern - spätestens bei der nächsten Silvesterfeier.

Große Ziele in kleinen Etappen angehen

Manche Ziele scheinen unerreichbar weit. Dann führen kleine Schritte zum Erfolg. Gut sei es daher, Ziele in Etappen einzuteilen, rät der Psychologe Rudolf Stroß. Auf diese Weise stellen sich schneller Erfolge ein: Ist der erste Schritt auf dem Weg geschafft, motiviert das zum Weitermachen.

Beim Hinarbeiten auf eine Beförderung oder eine Gehaltserhöhung kann das zum Beispiel das erste Gespräch mit dem Chef sein. Dann dürfen Mitarbeiter sich zumindest schon dafür auf die Schulter klopfen, die Sache ins Rollen gebracht zu haben.

Literatur: Rudolf Stroß: Die Kunst der Selbstveränderung: Kleine Schritte - große Wirkung, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN: 978-3525404102, 16,90 Euro.

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