Berlin/Düsseldorf - Klasse statt Masse: Sonnenbrillen werden eleganter

Klasse statt Masse: Sonnenbrillen werden eleganter

Von: Torben Klausa, dpa
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Aufsehenerregend: Knallige Farben für Individualisten. Foto: dpa

Berlin/Düsseldorf. Die Zeitmaschine namens Mode fährt dieses Jahr bei den Sonnenbrillen noch ein paar Jahrzehnte weiter zurück. Gaben im vergangenen Jahr Modelle der 60er und 70er den Ton an, so erwachen in diesem Frühling die 40er Jahre zu neuem Glanz.

Im Jahr 2010 sollen Sonnenbrillen zurückhaltend elegant statt überladen wirken, sagt Gabriele Gerling vom Zentralverband der Augenoptiker in Düsseldorf. Sanfte Formen und warme Farben prägen den Retro-Look dieses Sommers: War 2009 noch „möglichst groß und plakativ” das Gebot der Brillenmode, werden die Formate nun wieder etwas dezenter.

„Aus XXXL wird XL”, sagt Kerstin Kruschinski vom Kuratorium Gutes Sehen in Berlin. Zwar dominieren immer noch eher großformatige Modelle die Kataloge von Chanel, Prada und Konsorten, doch die gewölbten Fassungen schmiegen sich den Gesichtern ihrer Träger an. So werde vermieden, dass die großen Gläser „ihre Trägerin aussehen lassen wie eine Stubenfliege”, erklärt Kruschinski.

Zweifarbige Fassungen, von oben nach unten aufgehellt, sollen die neue Leichtigkeit der Brillenmode vermitteln. Dicke und wuchtige Gestelle weichen. Ob Dunkelbraun gepaart mit Elfenbein oder tiefes Blau mit durchsichtigen Celluloseplatten - der neue Trend sorgt dafür, dass „nicht die Brille, sondern das Gesicht wieder die Hauptrolle spielt”, sagt Kruschinski - „sehr zum Vorteil für kleine, feinere Gesichter”.

Passé sind dagegen die opulent verzierten Modelle des Vorjahres. Glitzernde, mit Strass überladene Fassungen muss man in diesem Frühling lange suchen. Das bedeutet aber nicht, dass die Käufer auf Schmuck ganz verzichten müssen: Lichtdurchlässige Bügel im Bernstein-Look sorgen bei den Modellen „4BW-6S1” von Prada oder „B3103” von Baldessarini für Abwechslung. Moderne Lasertechnik ermöglicht Ornamente, die das Modell „Cypress” von Fossil schmücken.

Breite Bügel bieten aber nicht nur Platz für Verzierungen und die Logos der Hersteller, sondern sollen auch den Sehkomfort erhöhen, erläutert Gerling: „Je vollständiger die Augen vor UV-Licht geschützt sind, desto besser.” Vor allem bewahren breite Bügel den Träger davor, dass ihn die tief stehende Sonne blendet.

Dabei bedeute dunkleres Glas nicht automatisch besseren Schutz, warnt Kruschinski: „Viele Leute verwechseln Blendschutz mit UV-Schutz.” Wer bei grellem Sonnenlicht eine dunkel getönte Brille aufsetzt, entlastet zwar gefühlt die Augen. Wenn die Brille nicht das UV-Licht herausfiltert, gelangen diese besonders schädlichen Strahlen aber ungeschwächt in die Pupille - ohne dass der Träger es merkt.

Auch die klassische Pilotenbrille ist dieses Jahr wieder in Mode. Mit innovativ geformten und gefärbten Rahmen sowie neuen Materialien sollen die „Aviator-Modelle” für einen modernen Vielflieger-Look sorgen. So setzt Porsche Design mit einer modernisierten Form seines „P98478”-Modells voll auf ein Revival der Pilotenbrille. Doch nicht nur Herren könnten sich 2010 diesen zeitlosen Klassiker auf die Nase setzen, erläutert Kruschinski. Filigrane Variationen und Verzierungen machen den männlichen Klassiker zur „Pilotinnenbrille”.

„Bei den Aviator-Modellen haben wir dieses Jahr eine unglaubliche Bandbreite an verschiedenen Designs”, sagt Kruschinski. Ob in Kombination mit verzierten Bügeln wie beim Modell „Elk Grove” von Fossil, neuen Materialien oder fließenden Formen in der Damenkollektion: Die Pilotenbrille hat sich für 2010 neu erfunden. Auch geben deutlichere Rahmen, die das Bindeglied zu den Retro-Fassungen sind, dem Brillenklassiker einen frischen Touch.

Sogar eng anliegende, durchgehende Gläser sind nun wieder angesagt. Die visierartigen Brillen wirken mit meist rahmenloser und gelegentlich zweifarbig getönter Glasfront leicht und schwebend. In den Kollektionen von Tom Ford, Prada und Fossil sind die Übergänge zur Pilotenbrille oft fließend und erwecken futuristische Assoziationen. Da die durchgehenden, oft verspiegelten Gläser meist bis zur Schläfe reichen, sind sie nicht nur ein modischer Hingucker, sondern auch ein effektiver seitlicher Blendschutz.

Nichts von ihrer Beliebtheit eingebüßt haben die Nerd-Modelle, mit denen im vergangenen Jahr zahlreiche Brillenträger an Buddy Holly erinnerten. Je ähnlicher die neuen Gestelle dem klassischen Original werden, desto experimenteller wählen die Designer die Farben aus. „Knallfarben” laute das Stichwort, sagt Kruschinski. So stehen neben dem braunen oder schwarzen Ursprungsmodell nun Fassungen in kräftigem Rot, Blau und Neongrün.

Hersteller wie Chanel bringen mit Jeans-ähnlichen Mustern in knalligen Farben ungewohnte Schattierungen in die Gestelle, und Rodenstock wirbt für die neue Kollektion mit den Worten „Farbe kommt groß raus”. Sehr zur Freude jener Brillenträger, die im Zuge des „Nerd-Booms” schon um ihre Individualität fürchteten.
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