Keine Angst vor Zivilcourage: Polizei gibt Tipps

Von: Irena Güttel, dpa
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Bremen. Seit dem brutalen S-Bahn-Mord in München ist Zivilcourage wieder in aller Munde. Wie schreitet man bei Gewalttaten ein, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?

Der Geschäftsmann Dominik Brunner starb, als er bedrohten Kindern helfen wollte. Seitdem häufen sich bei der Beratungsstelle der Bremer Kriminalpolizei die Anfragen verunsicherter Menschen. „Brunner ist nicht tot, weil er geholfen hat”, betont Holger Ihnen, Experte der Kriminalpolizei. „Sondern er ist tot, weil andere ihm nicht geholfen haben.” Mit Verhaltensregeln wollen die Gesetzeshüter den Bürgern die Angst vor Zivilcourage nehmen.

„Gefahren vermeiden steht immer an oberster Stelle”, sagt Ihnen bei einer Aufklärungsveranstaltung, die die Kriminalpolizei wegen der vielen Anfragen organisiert hat. Rund 50 Menschen sind gekommen, vorwiegend ältere Leute. Die 61-jährige Johanna Bargsten hat sich eigenen Angaben nach schon häufiger eingemischt, wenn andere Menschen bedroht wurden. „Ich suche nun Tipps von den Profis, was man in brenzligen Situation nicht machen sollte.”

„Wir wollen heute unterscheiden zwischen dumm helfen und schlau helfen”, sagt Ihnen zu Anfang seines Vortrags. Eineinhalb Stunden klickt er sich durch Power-Point-Folien, macht Übungen mit den Zuhörern und gibt Beispiele aus der Praxis. „Schlau helfen heißt Nachdenken. Dumm helfen heißt blind Hinlaufen”, erläutert er. Wer eine Straftat beobachte, solle als Erstes die Polizei anrufen - in sicherer Entfernung zum Täter.

Außerdem solle man andere Passanten um Unterstützung bitten. „Sie müssen sie direkt ansprechen. Es fühlt sich sonst keiner zuständig.” Um den Täter in die Flucht zu schlagen, reiche häufig schon ein lautes Wort oder der Hinweis, dass die Polizei unterwegs sei. „Stellen Sie sich zwischen Täter und Opfer nur in aller höchster Not.”

Wenn der Täter flüchte, gehe die Erste Hilfe für das Opfer vor, um die Verfolgung könne sich die Polizei kümmern. Dafür sei allerdings eine detaillierte Beschreibung ganz wichtig, betont Ihnen. „Prägen Sie sich alles gut ein und melden Sie sich als Zeuge.”

Johanna Bargsten fühlt sich nach dem Abend gut gerüstet. „Es ist hilfreich, ein Handlungsschema zu bekommen. Das kann ich in Stresssituationen einfach abspulen.” Wegen der großen Nachfrage plant die Polizei am kommenden Dienstag bereits die nächste Veranstaltung.
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