Keine Angst vor großen Reden: Rhetorik beginnt im Kopf

Von: Andreas Heimann, dpa
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Rhetorik
Technik ist nicht entscheidend - bei einem guten Vortrag zählt der Inhalt, nicht die Zahl der Folien. Foto: dpa

Inning/Berlin. Nicht jeder ist ein begnadeter Redner. Oft ist das Haupthindernis für den gelungenen Auftritt die nackte Angst. Sich vor anderen zu präsentieren, ist für viele eine Horrorvorstellung.

Thomas Schlayer kennt das: „Ich war früher einer der ersten, der angeblich beschäftigt auf die Tischplatte geguckt hat, wenn jemand etwas präsentieren sollte.” Auftritte vor anderen waren ihm eine Qual: „Fünf Tage vorher hatte ich schon ein flaues Gefühl im Magen”, gesteht der Führungskräfte-Trainer aus Inning (Bayern). Aber das ist lange her und heute ganz anders. Schlayer hat seine Ängste überwunden.

„Souveräne Kommunikation beginnt im Kopf”, sagt er. „Da stehen sich die meisten Menschen selbst im Weg.” Diese emotionale Blockade zu überwinden, sei deshalb ein wichtiger Schritt, um rhetorisch überzeugend zu wirken. Das sei in erster Linie nicht eine Frage von Talent, sondern von Selbstbewusstsein und Übung. Vielleicht sei dem einen davon mehr in die Wiege gelegt worden als dem anderen. „Viele unterschätzen sich aber selbst.” Und grundsätzlich könne jeder mit Sprache überzeugen. Aber die kommunikativen Fähigkeiten brauchen Möglichkeiten zum Wachsen. Ganz wichtig sei, daran zu glauben, dass es klappt, also nicht zu sagen: „Da werd ich garantiert wieder rot” oder „Ich scheitere sowieso”.

Egal ob Vortrag, Bewerbungsgespräch oder Geschäftsverhandlung - positiv an die Sache heranzugehen sei eine wichtige Voraussetzung dafür, erfolgreich zu sein. Helfen könne oft schon, sich zunächst zu fragen, was genau einen abschreckt und warum man Angst vor einer bestimmten Situation hat. Manchmal zeigt sich dann, dass es dafür gar keinen Grund gibt. „Für eine Frau waren Fangfragen im bevorstehenden Vorstellungsgespräch der blanke Horror”, erzählt Schlayer von einem Fall aus seiner Beratungspraxis. „Ich habe sie dann gefragt, wie oft sie schon solche Erfahrungen gemacht hat - noch nie!”

Auslöser für Ängste seien häufig Informationen, die wir nur vom Hörensagen kennen und ungeprüft übernehmen. Oft ist die Vorstellung verunsichernd, vor anderen frei sprechen zu müssen. „Je mehr Zuhörer, umso größer die Angst”, ist Schlayers Erfahrung. Ob es gelingt, Inhalte glaubhaft und interessant zu präsentieren, hängt von vielen Faktoren ab. Ein wichtiger ist die Körpersprache, sagt Caroline Krüll, Coach aus Berlin: „Der Körper spricht Bände.” Verschränkte Arme signalisieren nun mal keine Offenheit, hängende Schultern nicht gerade Selbstbewusstsein. „Seinen Auftritt kann man üben”, sagt Krüll. „Wichtig ist auf jeden Fall eine gerade Körperhaltung.”

Aber natürlich spielt auch das, was gesagt wird, eine entscheidende Rolle. Nichts nervt Thilo Baum mehr als Gelaber: Gute Vorträge sind für ihn solche, die von allem „Sprachmüll” entschlackt wurden. Noch wichtiger als grammatikalisch in allen Details korrekt zu sein, ist nach seiner Überzeugung, dass der Text nicht unnötig aufgebläht wird: „Überflüssige Silben sollte man weglassen”, fordert der Sprachcoach aus Berlin. „Und Tätigkeiten sollte man durch Verben ausdrücken - also keine Veranstaltung durchführen, sondern sagen, was man veranstaltet.”

An dem Bewusstsein dafür fehlt es Rednern seiner Beobachtung nach oft: „Zu Hause reden die ganz normal”, sagt Baum. Aber wenn sie dann vor Publikum referieren sollen, wird es „verschwurbelt”. „Das ist ein typischer Denkfehler: Viele meinen, durch offiziöse Sprache zu beeindrucken. Aber die Zuhörer wollen viel lieber Klartext.”

Caroline Krüll warnt außerdem vor „Weichmachern”, die alles gleich wieder abschwächen und zurücknehmen. „Also nicht sagen: "Vielleicht dürfte ich mal kurz..."”, warnt sie. Solche übervorsichtigen Formulierungen machen den kleiner, der sie benutzt. Besser seien „Verstärker”, also klare Ansagen ohne Abschwächungen, die die eigene Position stärken.

Die Sorgfalt, die für einzelne Formulierungen wichtig ist, muss auch bei den Inhalten beachtet werden: Baum empfiehlt, vor dem Verfassen eines Referats oder Vortrags die Informationen streng zu sichten. Dabei gilt: „Alles Verzichtbare weglassen, keine Nebenstränge verfolgen, einen roten Faden finden.” Wichtig sei aber auch, sich bewusst zu machen, wer da eigentlich vor einem sitzt: „Was würde ich als Zuhörer wollen?” Der Vortrag sollte auf die Erwartungen des Publikums eingehen. Der Eindruck, dass dies tatsächlich so ist, lässt sich noch verstärken, wenn die Zuhörer direkt angesprochen werden - nicht penetrant und dauernd, aber hin und wieder.

All diese Tipps und Kniffe können nach Thilo Baums Überzeugung über eines aber nicht hinwegtäuschen: Die Inhalte sind entscheidend, nicht die Krawattenfarbe des Redners, sein wohlklingendes Timbre oder die lustige Pointe am Schluss. Solche Details sind Nebensachen: „Wenn ich etwas mit Substanz zu sagen habe, ist es nicht so wichtig, ob ich perfekt rasiert bin.”

Tabellen oder Grafiken dosiert einsetzen

Ein guter Vortrag muss nicht unnötig mit Hilfsmitteln aufgemotzt werden. „Das ist wie in der Spitzengastronomie”, sagt der Coach Thilo Baum. „Spärliche Beilagen zeugen von der Qualität der Zutaten.” Das gelte auch für Tabellen und Grafiken: „Je mehr sich davon finden, umso weniger hat der Betreffende zu sagen.” Auch hier gilt: Die Dosis sollte eher klein sein. Entscheidend sei nicht, mit dem Beamer möglichst viele Powerpoint-Folien an die Wand zu werfen. „Entscheidend ist: Habe ich eine Story, die ich rüberbringen will?”

Caroline Krüll: Small Talk - Reden Sie sich zum Erfolg, Beck kompakt, ISBN 978-3-406-57799-4, 6,80 Euro;

Thilo Baum: Komm zum Punkt, Eichborn, ISBN 978-3-8218-5977-4, 19,95 Euro;

Thomas Schlayer: Gesprächserfolge durch Kleinigkeiten, ISBN 978-3-8370-8916-5, 16,90 Euro.

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