Berlin - Kein Geld für die Beerdigung: Oft müssen Kommunen einspringen

Kein Geld für die Beerdigung: Oft müssen Kommunen einspringen

Von: Stefan Vetter
Letzte Aktualisierung:

Berlin. Die Sozialämter in den Kommunen müssen immer häufiger für die Kosten von Bestattungen einspringen, weil die Hinterbliebenen dazu finanziell nicht in der Lage sind. Im Jahr 2010 haben die Behörden 22.651 Personen die entsprechenden Kosten erstattet.

Das waren fast 19 Prozent mehr als im Jahr davor. Verglichen mit dem Jahr 2006 ist die Anzahl der Personen, denen die Kosten für ein Begräbnis von Angehörigen ausgeglichen werden mussten, sogar um 64 Prozent gestiegen. Damals waren rund 13.800 Bürger betroffen gewesen. Diese Daten gehen aus einer Übersicht des Statistischen Bundesamtes hervor, die den „Nachrichten” vorliegt.

Die kommunalen Ausgaben für diese sogenannten Sozialbestattungen beliefen sich im Jahr 2010 auf gut 57,1 Millionen Euro. Das waren 4,3 Millionen mehr als im Jahr zuvor und rund 16 Millionen Euro mehr als im Jahr 2006. Die größte Summe entfällt wegen der hohen Bevölkerungszahl auf Nordrhein-Westfalen. Dort gaben die Sozialämter 2009 fast 14 Millionen Euro dafür aus. Es folgten Bayern (6,7 Millionen Euro), Niedersachsen (4,4) und Hamburg (3,5).

Unterschiede bei Kostenerstattung

Die Übernahme der Bestattungskosten ist im Sozialgesetzbuch XII geregelt. Dort heißt es: „Die erforderlichen Kosten einer Bestattung werden übernommen, soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, diese Kosten zu tragen.” In aller Regel betrifft das Sozialhilfeempfänger und Bezieher von Arbeitslosengeld II. Der Gesetzgeber hat aber nicht festgelegt, welche Leistungen zu einer Sozialbestattung gehören. „Zwischen den Kommunen gibt es erhebliche Unterschiede, in welcher Höhe Kosten übernommen werden”, sagt Sabine Zimmermann, Sozialexpertin der Linkspartei.

Nach Angaben von Verbraucherinitiativen und Bestattungsunternehmen beläuft sich der Aufwand für ein „würdiges” Begräbnis auf etwa 5000 Euro. „Die übernommenen Kosten bei Sozialbestattungen liegen in aller Regel weit darunter”, kritisierte Zimmermann. „Notwendig sind verbindliche Standards, die ein Mindestniveau an Bestattungskultur und Menschlichkeit auch für Arme garantieren und über das bloße Unter-die-Erde-bringen hinausgehen”, meinte Zimmermann.
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