Berlin - Jeden Tag ein Sandbad: Chinchillas als Haustiere

Jeden Tag ein Sandbad: Chinchillas als Haustiere

Von: Sabine Maurer, dpa
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Jeden Tag ein Sandbad: Chinchillas als Haustiere
Eine Möglichkeit zum Verkriechen ist für Chinchillas sehr wichtig. In ihren Käfig gehört deshalb ein geeigneter Unterschlupf. Foto: dpa

Berlin. Von der Pelzfarm ins Wohnzimmer: Diesen Sprung haben die Chinchillas in Deutschland geschafft. Ursprünglich wurden sie aus ihrer Heimat in den Anden nach Europa gebracht, um hier ihr weiches und seidiges Fell zu lassen. Mittlerweile sind sie auch ein beliebtes Haustier.

„Chinchillas können bis zu 20 Jahre lang leben, sie werden also relativ alt”, erklärt der Berliner Tierarzt Thomas Göbel, der sich auf Kleintiere spezialisiert hat.

Wenn die kleinen Nager zum Tierarzt gebracht werden, dann häufig wegen Problemen mit den Zähnen oder der Verdauung. Die Zähne von Chinchillas haben keine richtigen Wurzeln, wachsen ein Leben lang und müssen sich abreiben. „Deshalb brauchen sie Futter, auf dem sie lange kauen müssen”, sagt Iris Maibaum von der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) in Hannover. Dieses Futter sollte vor allem Heu sein, außerdem brauchen Chinchillas zum Knabbern Äste.

Reiben sich die Zähne nicht genügend ab, werden sie nicht nur in der Maulhöhle zu lang, sondern wachsen auch im Kiefer weiter. Der Tierarzt wird zunächst ein Röntgenbild machen und dann die Zähne unter Vollnarkose abschleifen. Das ist eine schmerzhafte Prozedur. „Sie kriegen danach noch Schmerzmittel und außerdem ein Päppelpulver”, sagt Maibaum. Dieses Pulver besteht aus mit Wasser angerührten Kräutern. Es lässt die Tiere wieder zu Kräften kommen, ohne dass sie mit ihrem schmerzenden Kiefer kauen müssen.

Eine falsche Fütterung ist häufig auch die Ursache für Darmprobleme. „Chinchillas haben einen bis zu drei Meter langen Darm”, erklärt Klaus Kutschmann, Fachtierarzt für Kleintiere von der Tierklinik Magdeburg. Dieser für ein so kleines Tier ungewöhnlich lange Darm macht schnell Probleme, wenn er nicht genügend Raufutter - also Heu - oder ungesundes Futter bekommt.

Ein optimal gefütterter Chinchilla kriegt laut der TiHo so viel Heu, wie er fressen mag, und einmal täglich etwas Pellets. Getrocknete Kräuter wie Brennnesseln, Dill, Kamille und Pfefferminze bringen mehrfach wöchentlich Abwechslung in den Speiseplan. Frische Kräuter und Gemüse wie Karotten oder Sellerie futtern sie zwar gerne, sollten ihnen angesichts ihres empfindlichen Darms aber nur selten gegeben werden.

Chinchillas sind ebenfalls große Fans von Obst wie Bananen, Erdbeeren, Äpfel und Weintrauben. Hier ist ebenfalls Mäßigung angebracht, denn die Nager neigen zu Übergewicht. Schließlich verbrauchen sie insgesamt nicht viel Energie. „Sie fressen, schlafen und spielen”, sagt Tierarzt Kutschmann. Erst nachts laufen sie zu Hochform auf.

Der mit Spänen ausgelegte Käfig für ein Tier sollte laut Kutschmann mindestens 70 Zentimeter lang und 50 Zentimeter breit sein. Für jedes weitere Tier wird etwa die Hälfte der Fläche dazugerechnet. Je größer der Käfig ist, desto besser. Die Tiere brauchen auf jeden Fall ein Sandbad, Klettermöglichkeiten und einen Unterschlupf, in den sie sich verkriechen können. Dies kann ein Häuschen oder eine Röhre sein. Chinchillas sitzen gerne oben, daher sollte der Käfig hoch sein und mehrere Ebenen haben. Damit sich die lebhaften Chinchillas nicht langweilen, sollten sie auch frei im Zimmer herumlaufen dürfen.

„Ein häufiger Fehler ist der Verzicht auf ein Sandbad”, sagt Tierarzt Göbel. Dieses brauchen die Tiere dringend zur Fellpflege. Als Badewanne kann ein Blumenuntersetzer genutzt werden. Wichtig ist, dass der ganze Chinchilla-Körper hineinpasst. Der Sand sollte täglich ausgetauscht oder aufgefüllt werden.

Gehalten werden sollten Chinchillas mindestens zu zweit. „Eine Einzelhaltung ist absolut nicht artgerecht”, stellt Göbel klar. Wenn nicht kastrierte Böcke zusammenleben, geht das nicht gut aus. Ansonsten sind alle Formen des Zusammenlebens möglich. Wer Männchen und Weibchen gemeinsam hält, sollte den Bock kastrieren lassen - es sei denn, er wünscht sich Nachwuchs. Zwischen 111 und 128 Tagen nach der Befruchtung kommen etwa vier Chinchilla-Babys auf die Welt. Die Tragezeit hängt davon ab, ob es sich um Langschwanz- oder Kurzschwanz-Chinchillas handelt.

Die Tragezeit ist für einen so kleinen Nager sehr lang. So dauert die Schwangerschaft bei einem Kaninchen 28 Tage und bei einem Meerschweinchen 60 Tage. Dafür kommen die Chinchillas bereits voll entwickelt auf die Welt und hüpfen schon im zarten Alter von einer Woche übermütig durch den Käfig. Ob sie einmal zahm werden, hängt davon ab, wie sehr sich Menschen mit ihnen beschäftigen.

Merkmale eines kranken Chinchillas

Wenn es einem Chinchilla nicht gut geht, ist das kaum zu übersehen. Die ansonsten so lebhaften Tiere bewegen sich kaum und verharren in Kauerstellung. „Das sieht so aus wie bei uns, wenn wir mit Bauchschmerzen dasitzen”, sagt Klaus Kutschmann, Fachtierarzt für Kleintiere von der Tierklinik Magdeburg. Auch wenn das ansonsten so seidige Fell struppig ist, das Tier Durchfall hat, sich kaum noch pflegt sowie seine Körperöffnungen nass oder verklebt sind, deutet dies auf eine Krankheit hin. Die Fachleute empfehlen, sich vorher beim Tierarzt zu erkundigen, ob er sich auch mit Chinchillas auskennt. „Die Physiologie ist bei diesen Tieren schon anders”, sagt Kutschmann.

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