Netanja/Hamburg - Israel-Abenteuer ade: Matthäus braucht neuen Job

Israel-Abenteuer ade: Matthäus braucht neuen Job

Von: Kristina Puck, dpa
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Lothar Matthäus
Ex-Fußballstar Lothar Matthäus und seine Frau Liliana. Foto: dpa

Netanja/Hamburg. Kaum ist sein Israel-Abenteuer nach nur elf Monaten ohne Titel vorbei, sucht Lothar Matthäus bereits die nächste Herausforderung. Den Rekord-Nationalspierl könnte es von Maccabi Netanja direkt zum Zweitliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf ziehen, bei dem sich sein deutsch-israelischer Bekannter David Jammer finanziell einbringen will.

Nach Informationen der „Bild am Sonntag” wird über ein Matthäus-Engagement als Sportdirektor verhandelt. „Wenn Fortuna und Jammer zu einer Zusammenarbeit kommen und man will mich, ist das eine sehr interessante Aufgabe”, sagt Matthäus, „in Düsseldorf lässt sich viel bewegen, dieser Klub gehört in die 1. Liga. Das muss unser Ziel sein.”

Seine Zeit bei Maccabi Netanja schien nach dem Pfingstwochenende schon wieder Vergangenheit zu sein. Seinem Bewerbungsschreiben für neue Aufgaben kann Weltenbummler Matthäus, der sich als erster deutscher Trainer in den israelischen Profi-Fußball wagte, nur einen vierten Platz in der Ligat Haal hinzufügen.

Der erhoffte Startplatz fürs internationale Geschäft wurde verpasst. „Mit professioneller Einstellung wäre mehr möglich gewesen”, sagt er der Deutschen Presse- Agentur dpa mit Blick auf seine Schützlinge, die zu seinem Abschied 2:1 bei Hapoel Tel Aviv gewannen. Im Sommer 2008 sprach Matthäus, der bei seiner Ankunft von Fans auf Schultern getragen wurde, waghalsig vom Titel, nun ist deutlich hinter Meister Maccabi Haifa Endstation.

Für seinen sechsten Trainerposten in seinem Zick-Zack-Kurs durch die Fußball-Provinzen hatte der frühere Weltklasse-Profi eigentlich zwei Jahre eingeplant. Weil sich Club-Besitzer Jammer zurückzieht und dem Verein deswegen Geld fehlt, lösten der 48-Jährige und Netanja Ende April den Vertrag jedoch auf. Nach einem tollen Saisonstart habe es in den vergangenen Wochen viel Unruhe gegeben, meint Matthäus. Darunter hätten die Ergebnisse gelitten.

Und nun? „Wir werden uns in aller Ruhe aus dem Land zurückziehen”, sagt der Fußball-Nomade über sich und seine Frau Liliana. Möglicherweise wohnen die beiden bald im Rheinland. Der Unternehmer Jammer soll Matthäus bei Düsseldorf als Sportdirektor ins Gespräch gebracht haben. „Wir werden Herrn Jammers Vorschläge nächste Woche vertiefen”, sagt Fortunas Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth.

Matthäus, Weltmeister von 1990, lässt sich über seine Wünsche jedoch nicht viel entlocken: „Es geht nicht darum, was mich reizt. Es geht darum, dass die Strukturen stimmen, das Niveau stimmt. Meine Philosophie muss ankommen.” Einige Anfragen habe er schon abgelehnt.

Clubs in Österreich, Serbien, Brasilien und die ungarische Nationalelf hat er schon betreut, nun kennt der Franke auch die Mentalität der israelischen Kicker. „Der Fokus ist nicht auf dem Fußball gerichtet, die Spieler wollen auch ihr Leben genießen.” Viele der Verantwortlichen seien noch nicht bereit, neue Wege zu gehen. „Das war enttäuschend.” Vor allem Gespräche zwischen Trainern, Vereinen und dem Verband habe er vermisst.

Trotz allem will sich der Entwicklungshelfer seine Bilanz aus Israel, wo er Anfang des Jahres den Gaza-Konflikt miterlebte, nicht vermiesen lassen. Er habe Freunde gefunden und viel gelernt - zum Beispiel „hart und robust” zu sein. „Es war ein interessantes Jahr. Es hat Spaß gemacht”, sagt Matthäus.
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