Immobilien-Tombola: Ein komplettes Hotel für 97 Euro

Von: Kristina Puck, dpa
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Hamburg. Das angebotene Hotel hat drei Sterne, 21 Betten und ein Restaurant mit 60 Plätzen - und der neue Besitzer bekommt es wohl für nur 97 Euro. Was unglaublich klingt, erklärt sich durch ein neues Verkaufsmodell.

Der Eigentümer verlost sein Haus im Internet. Wenn genügend Lose verkauft sind und der angestrebte Verkaufspreis zusammengekommen ist, wird der Gewinner gezogen. In den USA, England und Österreich hat sich diese Immobilien-Lotterie schon als Erfolgsmodell erwiesen. Hausverlosungen sind in Deutschland wegen des staatlichen Glückspielmonopols zwar verboten, kommen aber immer mehr in Mode.

Für 97 Euro je Los bietet Nicole Sdun das Hotel in Sieber im Harz an, die Österreicherin Veronika Fischer versucht für 159 Euro pro Los ihr Hotel im baden-württembergischen Brackenheim loszuwerden. Und auch auf Mallorca verlosen Deutsche ihre Häuser. Sdun und Fischer wickeln ihre Geschäfte über den Umweg Österreich und einen Anwalt mit österreichischer Zulassung ab. „Mein Anwalt hat mir zu 100 Prozent versichert, dass das legal ist”, sagt Sdun.

Ob die Immobilien-Tombola ein kurzer Hype oder eine langfristige Alternative zum klassischen Hausverkauf ist, bleibt abzuwarten. In der Wirtschafts- und Finanzkrise scheint es für manche eine verlockende Chance. „Wie wird man sonst ein Haus los?”, fragt die 22- jährige Sdun, die mit ihren Eltern fünf Jahre lang vergeblich auf regulärem Weg einen Käufer suchte. Fischer klagt: „Die Zeiten sind so schlecht, dass niemand ein Haus in Baden-Württemberg kaufen will.”

Der Immobilienverband Deutschland sieht in den Verlosungen eine „Verkaufsmethode für Ladenhüter” und rät davon ab. „Wir halten das für unseriös”, sagt Vizepräsident Jürgen Michael Schick. Viele Loskäufer setzten sich nicht intensiv mit dem Angebot auseinander. Dadurch könnte der Gewinner ein Haus bekommen, das er gar nicht gebrauchen kann. Nur in Einzelfällen könne das Modell funktionieren.

Der Ablauf ist in beiden Fällen ähnlich: Die Einnahmen fließen auf ein Treuhandkonto. Sobald eine bestimmte Zahl von Losen erreicht ist, wird der Gewinner vor den Augen eines Juristen in Österreich ausgelost. In Deutschland soll dann unter Aufsicht eines Notars ein Kaufvertrag unterschrieben werden. „Für den Gewinner entstehen keinerlei Kosten”, versichert Sdun.

So manch einen Interessenten hat sie in den vergangenen Wochen schon durch das Hotel im Blockhausstil mit dem rustikal eingerichteten Gastraum und der Terrasse mit Waldblick geführt. Etwa 2300 Lose habe sie für das Hotel-Restaurant „Zur Linde”, das einen Marktwert von 800.000 Euro haben soll, bereits verkauft. 8200 Lose habe sich die Harzer Familie zum Ziel gesetzt.

Sdun ist zuversichtlich, dass es klappt. Doch noch prüft die Staatsanwaltschaft Göttingen, ob alles legal abläuft. Auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen beschäftigt sich mit dem Fall. Zudem würde die Lotterie platzen, falls sich nicht genügend Loskäufer melden. Dann bekommen alle ihren Einsatz - abzüglich einer Bearbeitungsgebühr - zurück. So ist es bei Sdun wie auch bei Fischer in den Bedingungen festgeschrieben.

Anders als Sdun klingt Fischer eher ein wenig verzweifelt. 14.000 Euro habe sie bereits für den Anwalt, die Internetseite und Annoncen ausgegeben. Erst rund 150 von mehr als 9000 angestrebten Losen hat sie verkauft. Manche sehen in der Aktion einen Betrug, sagt sie und rechtfertigt sich: „In Österreich ist das mittlerweile gang und gebe. Das österreichische Finanzamt kassiert 12 Prozent vom Kaufpreis. Darum erlauben sie es. Und die Leute werden ja nicht gezwungen.”

Aber auch in Österreich regt sich Widerstand gegen die Methode. „Ich vertrete vielleicht eine andere Meinung als andere. Aber das ist unzulässig in Österreich”, sagt etwa Anwalt Peter Graf, verweist auf das Glücksspielgesetz und warnt: „Ich rate jedem davon ab. Es ist höchst gefährlich, viele offene Fragen, da sind Stolperfallen ohne Ende. Das Recht ist nicht auf Hausverlosung ausgelegt.”

Die rechtlichen Probleme in Deutschland versucht Volker Stiny zu umgehen, indem er aus der Verlosung ein Geschicklichkeitsspiel gemacht hat. Für die Chance auf sein Einfamilienhaus mit 156 Quadratmetern Wohnfläche und fast fünfhundert Quadratmetern Grundstück müssen nicht nur 19 Euro eingesetzt, sondern auch Fragen beantwortet werden. Doch derzeit nimmt Stiny keine Anmeldungen mehr an. Auch für das Quiz gibt es noch keine Erlaubnis der Behörden.
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